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Album

Kleine Lügen

Von: Ginger Hebel

21. August 2018

Wir tendieren aus Angst vor der Auseinandersetzung oft dazu, Ja zu sagen, obwohl wir Nein meinen. Wir schwindeln und erzählen Unwahrheiten, weil wir den potenziellen Konflikt scheuen. Einer Studie britischer Experten zufolge lügen wir stolze 200 Mal am Tag, meist mit der Absicht, unser Gegenüber nicht zu verletzen. Man schmettert die Einladung von Bekannten mit einer Ausrede ab, weil man nicht zugeben mag, dass man etwas Besseres vorhat oder einfach keine Lust hat. Man tut, als würde man sich über ein Geschenk wirklich freuen, obwohl man es am liebsten im See versenken würde. Weil man den Schenkenden nicht brüskieren will.

Die Arbeitskollegin ­präsentiert stolz ihr neues Kleid. Möchte man ihr die Freude nehmen, indem man ihr sagt, dass es sie dick macht? Was würde so viel Ehrlichkeit bringen? Viele wollen die ungeschönte Wahrheit gar nicht hören, sondern etwas Bestärkendes, damit sie sich gut oder zumindest besser fühlen. Es wäre taktisch unklug, wenn wir unseren Mitmenschen immer glatt ins Gesicht sagen würden, was wir wirklich von ihnen halten. Höflichkeitslügen sind ein sozialer Schmierstoff. Und die wenigsten Notlügen sind böse und gemein, aber sie erleichtern das Zusammenleben.

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Leserkommentare

Claude Fontana - Angst vor der Auseinandersetzung bedeutet angst vor Verantwortung, deswegen funktionieren die alteingespielten Machtverhältnisse bis heute. Amerika investiert in Krieg, deswegen können Sie ungestraft drohen. Mit den Notlügen machen sich Leute zu Heuchlern
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Vor 1 Jahr 9 Monaten  · 
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