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Gut zu wissen

Von Gaslaternen wie diese gibt es in der Altstadt noch 36 Stück. Bild: PD

Geschichte der Zürcher Strassenbeleuchtung

Von: Clarissa Rohrbach

19. August 2014

Bis ins späte 18. Jahrhundert war es nachts in Zürich stockfinster. Wie kam das Licht?

Heuer erhellen 60 000 elektrische Lampen jeden Abend die Stadt. Doch es gab Zeiten, in denen schon nur eine einzelne Öllaterne für Aufsehen sorgte. Diese wurde auf Anordnung des Stadtrats 1778 auf der Rathausbrücke aufgehängt, damit die Wachen das Regierungsgebäude besser beschützen konnten. Eine zweite folgte auf der Marktgasse, damals der meistbefahrene Weg der Stadt. Reiche Leute hatten die Lämpchen mit ihrem privaten Geld gestiftet, doch das Volk kam schnell auf den Geschmack einer abendlichen Strassenbeleuchtung. Denn bis ins späte 18. Jahrhundert erhellte nur der Mondschein das nächtliche Zürich. Wer dann spazierte, musste eine Laterne mit sich tragen oder wurde gebüsst. Trotz der Angst gewisser Kreise, das Licht sei ein «Eingriff in die göttliche Weltordnung», genoss es grossen Erfolg. 1806 beschloss die Stadt, 100 Öllaternen anzuschaffen. Um den Docht zu entzünden und die Lampen zu unterhalten, entstanden zwei komplett neue Berufe: der des «Anzünders» und der des «Besorgers».


1856 brach eine ganz neue Ära an: Zürich bekam sein erstes Gaswerk. Der neue Brennstoff ersetzte das Öl, und es entstand eine öffentliche Strassenbeleuchtung mit 7204 Gaslampen. Auch hier waren rund 250 Mann mit dem Velo unterwegs, um die Laternen anzuzünden und wieder zu löschen. Doch die Elektrizität war bereits auf dem Vormarsch: Zeitgleich wurden 229 Lampen mit dem Strom aus dem neuen Kraftwerk Letten bewirtschaftet. Obwohl bis zum Zweiten Weltkrieg 90 Prozent aller Wohnbauten mit Stadtgas versorgt wurden, nahm die Elektrizität schliesslich überhand.


Heute gibt es in Zürich nur noch 36 Gaslaternen. Nostalgiker können das warme Licht am Rindermarkt und am Neumarkt sowie in der Reh-, der Prediger- und der Froschaugasse bewundern.

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