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Gut zu wissen

Aerobic in den 1980ern: Körper, Geist und Seele im Einklang. Bild: PD

Wie die Zürcher dem Fitnesskult verfielen

Von: Jan Strobel

22. November 2016

In den 1960er-Jahren eröffneten in Zürich die ersten Fitnessclubs. Heute ist die Stadt die Fitness-Hochburg der Schweiz.

So heiter und entspannt wie auf dem nebenstehenden Bild ging es in Sachen Fitness nicht immer zu. Turnvater Jahn hatte bei der Gründung des Turnens 1810 vielmehr eine ideologische Mission im Auge: die «patriotische Erziehung» der deutschen Jugend. Die Lebensreformbewegung des späten 19. Jahrhunderts spann den Gedanken weiter. Die angeblich von der Industrialisierung traumatisierten Menschen sollten Körper, Geist und Seele in Einklang bringen. Wäre in den frühen 1980er-Jahren Jane Fonda mit ihren Aerobic-Videos nicht aufgetaucht, die Fitnessbewegung wäre wohl ziemlich spassbefreit geblieben.

In Zürich hiess Fitness Mitte der 1960er-Jahre noch «Körperbildung». Der Pionier war damals  Werner Kieser, der an der Grüngasse im Kreis 4 in seinem Institut ein individuell abgestimmtes Training anbot. Richtig salonfähig  wurden Fitness- und Krafttraining zu Beginn der 1970er-Jahre. 1972 eröffnete im Hotel Zürich, dem heutigen Marriott am Neumühlequai, der John Valentine Fitness Club. Krafttraining sollte hier zum Rundumerlebnis werden; Der Club bot neben einer «Gym-Hall» auch ein Strudelbad, eine Sauna, ein Solarium, einen «Eukalyptusraum» oder eine Club-Bar.

So etwas hatte es in der Stadt zuvor nicht gegeben, und deshalb riet das John-Valentine-Team der unerfahrenen Kundschaft, Turndress, Turnschuhe, Badeanzug und Frottiertuch nicht zu vergessen.  
In den folgenden Jahren, besonders in den 1980ern, setzte ein regelrechter Boom ein. Im Zug des Fitnesskults entstand unter den Anbietern ein immer härterer Wettbewerb, der heute schärfer ist denn je. In der Stadt soll es mittlerweile an die 50 Fitnessclubs geben. Die genaue Zahl ist nicht einmal der Branche bekannt.

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