mobile Navigation

Interview

Sheryl Crow arbeitete bereits mit Johnny Cash und Keith Richards. (Bild: PD)

«Die Anfrage von Phil Collins hat mich geehrt»

Von: Reinhold Hönle

07. Juni 2019

Die neunfache Grammy-Gewinnerin Sheryl Crow (57) tritt am 18. Juni als Vorband von Phil Collins im Letzigrundstadion Zürich auf. Der Weltstar hat sie persönlich dazu auserkoren.

Sie landeten vor 25 Jahren mit «All I Wanna Do» Ihren ersten Welthit. Was hat sich bei Ihnen in der Zwischenzeit verändert?

Sheryl Crow: Ich habe alles Mögliche durchgemacht und bin wieder dabei, meine Beziehung zum Musikmachen neu zu definieren. Das ist nötig, weil die meisten Leute nur noch Playlists mit Lieblingssongs von verschiedenen Künstlern machen und kaum mehr komplette Alben runterladen.

Dann ist das Ihr letztes richtiges Album?

Da ich das Gefühl habe, dass ich mir weniger Zeit für die Produktionen nehmen kann, werde ich in Zukunft wohl einfach Songs sammeln und dann herausbringen, wenn der Zeitpunkt günstig ist. Jungen Künstlern würde ich jedoch raten: «Macht Alben, denn das sind Werke von bleibendem Wert.»

Was hat Sie 1996 zu «Redemption Day» inspiriert, dass Sie für diese Platte als virtuelles Duett mit Johnny Cash nochmals aufgenommen haben?

Ich reiste mit Hillary Clinton, die zu jener Zeit die First Lady der Vereinigten Staaten war, nach Bosnien und war erschüttert. Als Amerikaner sind wir sonst nie mit der Realität des Krieges konfrontiert, sondern nur mit dem, was uns im Fernsehen gezeigt wird – und das ist nicht wirklich detailliert. Daher war ich neugierig, weshalb die jungen Soldaten, die ich dort getroffen hatte, in ein anderes Land eingedrungen waren, in dem ebenfalls junge Menschen lebten. Daraus entstand dieses Lied.

Wie war das für Sie, als sich Johnny Cash sieben Jahre später bei Ihnen meldete, weil er eine Coverversion davon aufnehmen wollte?

Für mich war das eine der stärksten Erfahrungen meiner Karriere, nicht nur wegen seines Kalibers als Künstler, sondern auch wegen dem, wofür er stand und an was er glaubte. Die Tatsache, dass er mir so viele Fragen zur Bedeutung des Textes stellte, bestärkte mich im Eindruck, dass er nichts gesungen hätte, das nicht seiner Überzeugung entsprach.

Was bedeutet Ihnen «Redemption Day» heute?

Als Songwriter hofft man immer, dass die eigenen Songs zeitlos sind und die Bedeutung über das hinausgeht, von dem du ursprünglich geschrieben hast – wie bei einem guten Dylan-Song. In diesem Fall hat er für mich eine weitere Dimension bekommen, weil ich meinen Söhnen Werte zu vermitteln versuche, die im Trump-Amerika gerade nichts mehr gelten: Man lügt nicht, sagt die Wahrheit, respektiert den Mitmenschen und begegnet ihm mit Empathie.

Wie kamen Sie auf die Idee, Ihr im August erscheinendes Duett-Album zu machen?

Zuerst habe ich mit Kris Kristofferson zusammengearbeitet. Danach dachte ich: «Weisst du was? Nun ist es an der Zeit, all die tollen Künstler zu ehren, die mich vor und während meiner Karriere inspiriert haben, in dem ich mit ihnen Songs aufnehme.» Es sind nicht nur ältere Weggenossen, sondern auch jüngere Talente wie Chris Stapleton, Brandi Carlile und Maren Morris, welche die Tradition fortführen.

Wie lief Ihre Zusammenarbeit mit Keith Richards ab?

Da er ein sehr guter Freund von mir ist, rief ich ihn einfach an und fragte ihn, ob wir seinen Song «The Worst» aufnehmen wollen, der für mich eine Country-Nummer ist. Er stimmte zu und so trafen wir uns in einem New Yorker Studio, hingen zwei Tage zusammen ab, machten Musik und hatten Spass. Die übrigen Songs habe ich eigens für die Künstler geschrieben, mit denen ich sie aufnehmen wollte. Bei «Live Wire» wollte ich sicher sein, dass Mavis Staples und Bonnie Raitt nicht Nein sagen und ihre eigene Note einbringen können.  

In diesem Lied nennen Sie Ihren Lover eine energetische, aber unberechenbare Person. Wie würden Sie von ihm charakterisiert?

Höchstwahrscheinlich würde er mich genau so beschreiben! (Lacht) Allerdings bin ich in sehr stabilen Familienverhältnissen aufgewachsen, weshalb Beziehungen für mich etwas sind, woran man hart arbeitet und versucht, so konsequent wie möglich zu sein.

Woran erinnert Sie das Duett mit Eagles-Sänger Don Henley, dessen Background-Sängerin Sie Ende der Achtzigerjahre waren?

Als ich überlegte, ob ich es wagen könne, eine Solokarriere einzuschlagen, sagte er zu mir: «Du schreibst gute Songs. Hör auf, sie wegzugeben. Du selbst sollst gehört werden!» Das hat mir geholfen.

Nun sind Sie auf Open-Air-Tournee mit Phil Collins. Wie gut kennen Sie sich?

Kaum. Wir sind uns nur ein paar Mal begegnet, aber ich bin ein grosser Fan von seiner Musik. Ich fühlte mich deshalb sehr geehrt, als er mich fragte, ob ich ihn begleiten möchte.

Werden Sie ein Duett singen?

Das weiss ich wirklich nicht. Das muss sich noch zeigen.

Was ist Ihnen von Ihren früheren Konzerten in der Schweiz haften geblieben?

Du meine Güte! (Lacht) Wir hatten mal einen Gig in Zürich, den wir verpassten, weil wir auf der Anreise mit dem Tourbus im Schnee stecken geblieben waren. Aber wir hatten auch wundervolle Konzerte und freuen uns auf die Rückkehr.

Phil Collins/Sheryl Crow live im
Letzigrund, 18. Juni, 18.45 Uhr

 

TICKETS ZU GEWINNEN

Das «Tagblatt der Stadt Zürich» verlost 2 x 2 Stehplatztickets für Phil Collins/Sheryl Crow am 18. Juni im Letzigrund. Senden Sie uns eine E-Mail mit Namen, Adresse, Telefon und Betreff Crow an: gewinn@tagblattzuerich.ch

zurück zu Interview

Artikel bewerten

Gefällt mir ·  
1.0 von 5

Leserkommentare

Hans Peter Sigrist - ich meinte 5 Sterne, nicht einen...

Vor 2 Wochen 1 Tag  · 
Noch nicht bewertet.