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Interview

Brigitte Schmidlin und Kamil Krejčí mit Hund Sugus. Bild: Nicolas Y. Aebi

Die Reibung empfinden sie schon fast als Streicheln

Von: Isabella Seemann

08. Januar 2019

Kamil Krejčí und Brigitte Schmidlin sind beruflich und privat ein eingespieltes Team: Er brilliert seit 30 Jahren in Film-, TV- und Bühnenproduktionen. Sie ist ebenfalls erfahrene Schauspielerin und engagiert sich als Theaterpädagogin. Zusammen führen sie das Statttheater in Adliswil.

Erinnern Sie sich noch, wie der Funke übergesprungen ist?

Kamil Krejčí: Ich habe sie im Katalog entdeckt. Vor über zwanzig Jahren waren wir gemeinsam am gleichen Theater engagiert. Schon lange vor den Proben ist mir Brigitte aufgefallen. In der Theaterzeitung, in welcher alle Ensemblemitglieder vorgestellt wurden, sah ich ihr Bild und wusste: DIE!
Brigitte Schmidlin: Ich hatte etwas länger . . . Nur ein Bildli hätte mich nie überzeugt, er musste sich schon etwas anstrengen. Ich bin froh, ist er letztlich hartnäckig geblieben.

Wer von Ihnen hat zuletzt eine Liebeserklärung gemacht?

Kamil: Ich. Aber Brigitte hört nicht mehr so gut. Oder ich nuschle.
Brigitte: Jaja, wahrscheinlich Kamil, er ist der Romantischere . . . wie man an seiner Antwort sieht. (schmunzelt)

Wie wichtig ist es, dass der Partner im Publikum des anderen sitzt?

Kamil: Brigitte ist meine wichtigste Kritikerin. Ihr Urteil, ob bezüglich Spielen, Inszenieren oder Schreiben, ist mir das Wichtigste. Aber wehe, sie ist nicht begeistert!
Brigitte: Sehe ich genauso. Die gegenseitige ehrliche Kritik bringt uns beide weiter. Aber auch er hat eine Begeisterungspflicht!

Ab und zu stehen Sie gemeinsam auf der Bühne. Was bedeutet für Sie Zusammenarbeit?

Brigitte: Zu Beginn hats schon mal etwas geripschelt, aber inzwischen empfinden wir die Reibung schon fast als Streicheln.
Kamil: Ich glaube, wir puschen und stützen uns gegenseitig. Irgendwie ist es beinahe symbiotisch.

Sie sind beide starke, eigenständige Persönlichkeiten. Ist eine Künstlerbeziehung, wie in Ihrem Fall, mit besonderen Herausforderungen konfrontiert?

Kamil: Ich denke, es ist gewachsen. Wie wir gelernt haben, Eltern zu sein, so haben wir es auch kultiviert, harmonisch zu arbeiten.
Brigitte: Aber auch eine Harmonika funktioniert mit zudrücken und aufziehen. Manchmal zerren wir in die Gegenrichtung, und manchmal erdrücken wir uns beinahe. Aber letztlich kommt meist etwas Harmonisches dabei heraus.
Kamil: Die grosse Herausforderung ist, alles unter einen Hut zu bringen. Besonders als unser Sohn noch klein war.
Brigitte: Die unregelmässigen Arbeitszeiten sind nicht gerade einfach, wenn man ein Kind hat. Da nützen auch Krippenplätze nicht viel.

Hand aufs Herz: Welchen Anteil an privaten Gesprächen nimmt der Tratsch und Klatsch über die hiesige Künstlerszene ein?

Kamil: Ab und zu reden wir auch über die künstlerischen Seiten der Kollegen.
Brigitte: Echt, wann?

Was haben Sie gemeinsam, worin unterscheiden Sie sich?

Kamil: Unsere Interessen, unser Humor, unser Geschmack scheint gleich zu sein oder hat sich in den Jahren angeglichen. Bei kulinari-schen Vorlieben zum Beispiel unterscheiden wir uns wenig. Nur isst Brigitte wenig und ich den Rest.
Brigitte: Und er trinkt nur Weisswein und ich Rotwein.

Was haben Sie zuletzt voneinander gelernt?

Kamil: Ich bin immer noch dran, von Brigitte zu lernen. Ihre Gelassenheit sowie ihre Lösungsansätze in Konfliktsituationen sind mir Vorbild.
Brigitte: Wie man Interviewfragen beantwortet . . .!

An welchen Ort in Zürich gehen Sie besonders gern?

Brigitte: Egal wo, Hauptsache, zusammen. Und er fährt.
Kamil: Eine Fahrt oder ein Spaziergang durch Zürich entlockt uns beiden immer wieder ein: «Züri isch eifach e geili Stadt.»

Was möchten Sie unbedingt noch miteinander erleben?

Brigitte: Ferien, im Moment läuft so viel, dass ich von unseren Ferien träume. Diese dürfen gerne sehr lange sein. In den Sternenhimmel blicken, sich aneinanderschmiegen, uns zuprosten . . .
Kamil: Ich glaube, wir arbeiten sogar beide schon auf eine beruflich immer noch erfolgreiche und privat erfüllende Pensionierung hin. Und wenn das Leben unseres Sohnes noch erfolgreicher und erfüllender wird, kommen wir aus dem Zuprosten gar nicht mehr raus.

Gut zu wissen: Kamil Krejčí und Brigitte Schmidlin

Kamil Krejčí (57-jährig, geboren in Olmütz, ehem. CSSR), ausgebildeter Schauspieler und Regisseur, wurde mit der Hauptrolle in der Sitcom «Mannezimmer» zum Publikumsliebling. Er trat in mehr als fünf Dutzend Filmen auf, sogar im James-Bond-Film «Quantum of Solace». Derzeit ist er im Kassenschlager «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» zu sehen. Live kann man ihn ab 21. Februar wieder in «Ladies Night», der «The Full Monty»-Bühnenadaption, im Bernhard-Theater erleben. Seine grosse Passion sind Hörspiele und das Schreiben von eigenen Stücken und Büchern.

Brigitte Schmidlin (48-jährig) absolvierte ihre Ausbildung zur Schauspielerin in Zürich, danach hatte sie zahlreiche Engagements in deutschsprachigen Theatern auf und hinter der Bühne, ausserdem ist sie Mitglied der Improvisationsgruppe Theaterimpuls. 2017 war sie im «Tatort» «Zwei Leben» zu sehen. Sie ist als Regisseurin und Theaterpädagogin tätig, unterrichtet Improvisation an der Schauspielschule Samts und engagiert sich für das Flüchtlingstheater Malaika. Vermehrt widmet sie sich ihrer eigenen künstlerischen Tätigkeit als Skulpteurin und wirkt als Illustratorin.

Kamil KrejčÍ und Brigitte Schmidlin führen, zusammen mit Beat Gärtner, das Statttheater in Adliswil. Das Paar hat zudem mehrere Advents- und Weihnachtsbücher geschrieben und illustriert. Sie leben mit ihrem Sohn Mischa (18) in Adliswil.

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