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Interview

Wenn Dominik Flaschka und Eric Hättenschwiler streiten, dann geht es um Kompromisse oder Zahnpastaspritzer. Bild: Nicolas Y. Aebi

Ein perfekt eingespieltes Team

Von: Isabella Seemann

10. April 2018

Zusammen bieten sie allerbeste Unterhaltung: Regisseur Dominik Flaschka leitet das Theater am Hechtplatz, und die von ihm 1995 gegründete Shake Company produziert – mittlerweile unter neuer Leitung – heute noch ungemein erfolgreiche Komödien und Musicals. Eric Hättenschwiler gehört zum harten Kern der Schauspieltruppe und steht von Zürich bis Hamburg auf der Bühne. Seit 14 Jahren sind die beiden ein Paar.

Wie haben Sie sich kennen gelernt?

Dominik Flaschka: Ich sah ihn in einem Café neben dem Hechtplatz und dachte: «Wow! Was für ein Mann!» Aber wohl chancenlos, weil er sicher nicht auf Männer steht. Erst Monate später habe ich das Gegenteil herausgefunden.

Eric Hättenschwiler: Wir haben uns das erste Mal in einer Gartenbeiz unweit vom Hechtplatz getroffen. Ich war da gerade mit Roman Riklin Kaffee trinken, und Dominik setzte sich kurz zu uns. «Momol, das ist jetzt also dieser Flaschka.» Viel mehr habe ich mir da nicht gedacht – noch nicht. (lacht)

Wie erkannten Sie, dass es Liebe ist?

Dominik: Als er mir in die Ferien nach Mallorca nachreiste, obwohl das überhaupt nicht geplant war. Es war eine wunderbare Woche, und noch heute lieben wir diese Insel.

Eric: Das kam erst viel später, nachdem wir uns zufällig in einem Club wieder getroffen und die Nacht durchgefeiert hatten. Ich versuchte aktiv, dieses Gefühl zu ignorieren, aber ich musste noch Tage danach alle fünf Minuten aufs Handy gucken, ob er vielleicht geschrieben hat. Als ich ihm spontan in die Ferien nachreiste, war die Sache klar.

Ist es schwieriger, als Regisseur dem Partner Anweisungen zu geben respektive diese als Schauspieler vom Partner zu erhalten?

Dominik: Ich bin kein Dompteur und schon gar kein Kommandant, der Befehle oder Anweisungen gibt. In meinen Augen bedeutet inszenieren, genau hinzuschauen und dann dem Schauspieler zu sagen, was ich gesehen habe und was ich allenfalls interessanter fände. Aber der Schauspieler ist selber verantwortlich, was er schlussendlich allabendlich auf der Bühne spielt. Aber klar, manchmal muss ich eine Entscheidung für das Ganze treffen, und daran müssen sich auch alle halten.

Eric: Ich habe mich anfangs geweigert, mit Dominik zusammenzuarbeiten, und als wir damit begonnen hatten, mussten wir tatsächlich einen Weg finden, wie wir Persönliches und die Arbeit trennen. Inzwischen sind wir ein perfekt eingespieltes Team, und da ich Dominiks Arbeitsweise und Schauspielerführung kenne und liebe, fällt es mir leicht, seinen Anweisungen zu vertrauen.

Lassen Sie sich von Ihrer Theaterarbeit für Ihre Beziehung inspirieren und umgekehrt?

Eric: Also wenn Sie sich vorstellen, dass wir uns zu Hause verkleiden und singend durch das Haus hüpfen, muss ich Sie leider enttäuschen. (lacht) Aber ja, Theater macht den grössten Teil unseres Lebens aus, wir lieben das Theater und diskutieren viel über Gesehenes und warum uns was gefällt oder auch wie man was umsetzen könnte. Da Humor nicht nur in unseren Stücken eine Hauptrolle spielt, entstehen da oft kreative Gedanken.

Dominik: Klar, nur schon unser Lebensstil richtet sich nach der Arbeit. Sowohl zeitlich als auch örtlich. Ein Grossteil unseres Lebens ist auf das Theatermachen ausgerichtet. Auch in der Freizeit und den Ferien gehen wir gern im In- und Ausland Theaterproduktionen anschauen. Aber es gibt Gott sei Dank auch immer noch ein Leben neben dem Theater. Mit Freunden und Familie.

Ist eine Künstlerbeziehung mit besonderen Herausforderungen konfrontiert?

Eric: Wir sind beide sehr unabhängig, jeder tut, was er tun muss, und wird dabei vom anderen unterstützt. Dass wir im selben Bereich arbeiten, ist sehr von Vorteil, weil man selten etwas erklären muss, sondern sofort versteht, wovon der andere spricht. Persönlich ticken wir aber sehr verschieden, man muss immer wieder innehalten, die Arbeit auf die Seite legen, in sich hineinhorchen und gemeinsam reflektieren, damit man sich nicht in Gewohnheiten verliert.

Dominik: Wir arbeiten zwar beide im Theater, haben aber doch sehr unterschiedliche Berufe und dadurch auch jeder sein eigenes Leben. Die Schwierigkeit ist aber sicherlich, dass sich nicht immer alles ums Theater drehen darf und man sich auch mal Zeit für ganz was anderes nimmt. Zum Beispiel ins Kino gehen. (lacht)

Wann ist der Gleichklang der Seelen bei Ihnen mal gestört?

Dominik: Wie gesagt, wir sind beides zwei starke Persönlichkeiten mit sehr eigenen Meinungen. Da kann es schon mal krachen. Meistens geht es darum, wer jetzt dem anderen «folgen» und sich und seine Wünsche unterordnen soll.

Eric: Meistens geht es da um Kompromisse oder Zahnpastaspritzer auf dem Badezimmerspiegel! Ich meine, man sieht doch … Ach, lassen wir das! (lacht)

Wie wichtig ist es, dass der Partner im Publikum sitzt respektive Sie als Partner im Publikum sitzen?

Dominik: Ich schaue meine Inszenierungen nur sehr selten an. Ich habe Mühe, mich in die Zuschauerreihen zu setzen. Sogar bei der 1000. Vorstellung von «Ewigi Liebi» dachte ich: «Heute ist die Vorstellung, die niemandem gefällt und bei der alle Leute den Saal verlassen.» Ich höre aber oft über die Mithöranlage draussen im Foyer oder in der Garderobe mit. Das ist manchmal fast besser, um etwas genauer zu beurteilen.

Eric: Wenn der Regisseur im Publikum sitzt, versucht man möglichst das umzusetzen, was man abgemacht und erarbeitet hat. Wenn mein Partner im Publikum sitzt, will ich mich von der besten Seite zeigen, und wenn ich dabei zum Beispiel Elton Johns «Your Song» singen darf, fällt mir das umso leichter.

An welchen Ort in Zürich gehen Sie besonders gern miteinander?

Dominik: Ins Theater am Hechtplatz. (lacht) Wir gehen gern an den See oder irgendwohin an die Limmat. Wir lieben das Wasser.

Eric: Da gibt es verschiedene Orte am Wasser oder mit Aussicht. Meistens sind wir aber eh in irgendeinem Theater und dann mit Freunden in einer gediegenen Bar wie dem IQ oder dem Nordbrüggli, ich gehe dann am liebsten nach Hause, Dominik geht am liebsten weiter.

Spielt Theatertratsch am Frühstückstisch eine Rolle?

Dominik: Gott sei Dank haben wir auch noch andere Gesprächsthemen. Aber klar tratschen wir auch ab und zu übers Theater. Tratsch ist wichtig und hilft, Gedanken zu ordnen oder einfach Dampf abzulassen.

Eric: Ach, das kann sehr unterhaltsam sein, hält sich aber in Grenzen, würde ich behaupten.

Wer von Ihnen hat zuletzt eine Liebeserklärung gemacht?

Dominik: Ich! Vielleicht nicht in Worten. Eric ist der Romantischere von uns beiden. Ich mach dafür öfter unsere Wäsche. (lacht)

Eric: Ich! Ich weiss nicht mehr wo, aber sicher war ich das. (lacht)

Zu den Personen

Dominik Flaschka (46) absolvierte eine Ballettschule und die Schauspielakademie Zürich. Von 1995 bis 2010 leitete er die Shake Company, und seit 2002 leitet er das Theater am Hechtplatz. Als Regisseur und Intendant entwickelt er Liederabende und Musicals. «Ewigi Liebi», sein erster grosser Hit, ist das erfolgreichste Schweizer Musical. Mit «Ost Side Story» gewann er den Deutschen Musicalpreis 2015. Für seine Version des Musicals «Cabaret» erhielt er den Prix Walo, und gemeinsam mit Roman Riklin wurde er für ihr Werk mit dem Schweizer Theaterpreis 2017 ausgezeichnet.

Eric Hättenschwiler (44) gehört zum harten Kern der Zürcher Shake Company und spielte im Theater am Hechtplatz u. a. in der Kultrevue «Bye Bye Bar», in «Monty Python’s Spamalot» und in der «Ost Side Story». Zudem war er in zahlreichen Schweizer Musicalproduktionen in tragenden Rollen zu sehen, wie in «Ewigi Liebi», «Dällebach Kari» und «Mein Name ist Eugen». Sein grösstes bisheriges Bühnen-Highlight ist ein Auftritt im legendären Apollo Theater in New York.

Die von Dominik Flaschka inszenierte Erfolgskomödie «The Show Must Go Wrong», in der Eric Hättenschwiler eine tragende Rolle spielt, läuft derzeit erneut bis Mitte Mai im Bernhard-Theater. Dort wird ab Mitte November auch wieder Flaschkas Musicalhit «Cabaret» aufgeführt, in dem Hättenschwiler den Bösewicht Ernst Ludwig spielt.

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