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Interview

"Glücklicherweise besitze ich keinen Fernseher"

Von: Isabella Seemann

21. April 2015

Indiskretes Interview: Krimiautorin Petra Ivanov verrät, wem sie lieber nie begegnen will, was sie loswerden will und was sie in Zürich abschaffen würde, wenn sie könnte.

Wo ist Zürich am schönsten, wo am hässlichsten?

Am besten gefällt mir Zürich spätabends im Lochergut, wenn die Buchstabenwürfel in allen Farben leuchten. Nach Möglichkeit meide ich die Bahnhofstrasse.

Wo werden Sie am liebsten berührt, wo am wenigsten gern?

Das Wo ist nicht entscheidend – sondern von wem.

Wie gelingt für Sie ein Date hundertprozentig? Was wäre ein No-go?

Mit einer Leseratte könnte ich mich tagelang unterhalten. Kennt jemand Buchstaben nur aus der Suppe, würde ich mich ziemlich schnell wieder verabschieden.

Was halten Sie von Sex ohne Liebe und: Liebe ohne Sex.

Das ist wie bei Kaffee und Torte. Passen gut zusammen, sind aber auch einzeln geniessbar.

Wem möchten Sie lieber nie begegnen, wem unbedingt? Weshalb?

Der Nachbarin, deren Himbeerstrauch ich als Kind plünderte, möchte ich nicht unbedingt wiederbegegnen. Der thailändischen Rechtsmedizinerin Dr. Death hingegen würde ich liebend gern bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Was besitzen Sie seit Ihrer Kindheit? Was möchten Sie hingegen endlich loswerden?

Die Freude an Büchern begleitet mich, seit ich zurückdenken kann. Loswerden möchte ich meine Höhenangst.

Was ist Ihr grösster Traum, was Ihr schlimmster Albtraum?

Mein grösster Traum ist, genau die richtigen Worte für die Bilder in meinem Kopf zu finden. Mein schlimmster Albtraum ist, dass sie mir ganz ausgehen.

Welche Partei entspricht Ihnen am meisten, welche am wenigsten?

Mein Sohn hat das einzig Richtige getan: Er ist drei Parteien beigetreten, weil sie ihm alle nur teilweise entsprachen. Die Alternative, keiner beizutreten, zeugt für mich von Desinteresse.

Welchen Politiker mögen Sie am besten, und welchem würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

Kantonsrat Moritz Kienast, der Protagonist meines nächsten Buches, ist mir ans Herz gewachsen. Gleichzeitig würde ich ihm gerne sagen, dass er nicht ganz unschuldig ist an den Schwierigkeiten, in denen er steckt.

Auf was schauen Sie bei einem Mann / einer Frau als Erstes, und was ist ­Ihnen völlig egal.

Einem Mann muss ich vertrauen können. Womit er sich dieses Vertrauen verdient, ist mir egal. Hauptsache, es ist da.

Wenn Sie die Macht hätten, in Zürich alleine Entscheidungen zu treffen: Was würden Sie sofort einführen, was sofort abschaffen?

Ich würde sofort dafür sorgen, dass der Bau einer Metro in Angriff genommen würde. Abschaffen würde ich den Verkehr am Seebecken.

Was ist für Sie Erfolg, was Misserfolg?

Erfolg ist, wenn ich hinter dem stehen kann, was ich tue. Misserfolg ist, wenn ich meine Werte über Bord werfe und mich aus Angst oder Feigheit Zwängen beuge.

Wie sind Sie betrunken? Und wie sind Sie nüchtern?

Nüchtern bin ich, wenn ich nicht schreibe. Klappe ich meinen Laptop auf und tauche in eine Geschichte ein, bin ich betrunken vor Glück.

Bei welcher TV-Sendung schalten Sie sofort ein, bei welcher müssen Sie einfach abschalten?

Glücklicherweise besitze ich keinen Fernseher.

Zur Person
16 Krimis hat Petra Ivanov bereits zu Papier gebracht, an mehreren Krimi-Bänden mitgewirkt und Auszeichnungen erhalten, u. a. den Zürcher Krimipreis (2010). Gleich mit ihrem Debütroman «Fremde Hände» gelang ihr 2005 ein fulminanter Start als Schriftstellerin. Und das Zürcher Ermittlerduo Regina Flint und Bruno Cavalli gewann eine grosse Fangemeinde. Zum 10-Jahr-Jubiläum hat die preisgekrönte Krimiautorin nun einen kurzen Thriller als e-book publiziert, in dem sie auf die Anfänge zurückblickt, als sich die Staatsanwältin und der Kriminalpolizist kennenlernten und in ihren allerersten Fall verstrickten:

«Hangar B», Appenzeller Verlag 2015, Aktionspreis 3.90 Franken.

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