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Interview

Will sich in Bogotá ein neues Leben aufbauen: David Karasek. Bild: ZVG

«Ich habe vor Kolumbien keine Angst, aber Respekt»

Von: Sacha Beuth

07. Juli 2015

David Karasek bricht auf zu neuen Ufern. Der 37-jährige Moderator wandert nach Kolumbien aus und wird dort Feldreporter fürs IKRK. Im «Tagblatt» verrät er, was ihn zu diesem Schritt bewog und was er von seiner neuen Aufgabe erwartet.

David Karasek, in Zürich haben Sie sich als Moderator und TeleZüri-VJ längst einen Namen gemacht. Nun wandern Sie Anfang September nach Kolumbien aus. Warum?

Meinem Lebenspartner lag ein Angebot seines Arbeitgebers vor, einen Job in der Geschäftsleitung in der Niederlassung in Bogotá zu übernehmen. Ich spürte, dass er das Angebot sehr gerne annehmen wollte. Allerdings hatte ich mir in Zürich viel aufgebaut, das ich nicht einfach aufgeben wollte. Andererseits empfand auch ich einen gewissen Reiz für das Unbekannte, weil ich das Gefühl hatte, mein Leben spielte sich seit einer Ewigkeit zwischen Bellevue und Langstrasse ab. Es gab dann einige Diskussionen. Schlussendlich sind wir aber übereingekommen, es in Kolumbien zu versuchen.

Wie kam der Kontakt zum IKRK zustande?

Ich will in Bogotá nicht einfach herumsitzen, sondern weiter als Journalist arbeiten. Also habe ich über alle möglichen Kanäle Jobs gesucht und auch das IKRK angefragt, ob sie nicht in der Presseabteilung einen Platz für mich hätten. Den hatten sie nicht, stattdessen schlugen Sie vor, dass ich sie als freier Journalist bei humanitären Einsätzen begleiten könnte.

Kann man Ihre Beiträge dann auch in der Schweiz sehen bzw. hören?

Das ist noch offen, aber natürlich das Ziel sowohl vom IKRK wie von mir. Ideal wäre, wenn ich mich dadurch als Journalist und Kenner von Kolumbien etablieren könnte. Vorerst geht es darum, Land und Leute kennen zu lernen.

Wie gut ist eigentlich Ihr Spanisch?

Noch nicht so besonders. Darum werde ich gleich nach unserer Ankunft einen Intensivspanischkurs besuchen. Ich hoffe, dass mir dabei meine Italienisch- und Französischkenntnisse zugutekommen.

Kolumbien weist eine hohe Mord­rate aus. Zudem sind Entführungen an der Tagesordnung. Haben Sie davor keine Angst?

Nicht Angst, aber Respekt. Wenn man sich an gewisse Regeln hält, sollte eigentlich nichts passieren. Die drei wichtigsten lauten: Reichtum nicht offen zur Schau stellen, nicht mit dem Handy am Ohr telefonieren und in Bogotá die südlichen Quartiere meiden.

Wo werden Sie wohnen?

In Usaquén, einem Quartier im Norden Bogotás. Dort haben wir eine Wohnung in einem Block mit bewachtem Zugang.

Bei einem derartigen Umzug kommt man nicht umhin, sich von geliebten Dingen zu trennen. Was bleibt hier, und was wird auf jeden Fall in den Koffer gepackt?

Den Staubsauger und den Fernseher muss ich zurücklassen, denn in Kolumbien haben Sie eine andere Netzspannung. Ein neues Jassset sowie ein Album von Freunden mit Fotos aus gemeinsamen Zeiten und Wünschen für unser künftiges Leben in Kolumbien kommen unbedingt mit.

Sie gelten als passionierter Jass­er. Wie werden Sie dies in Ihrer neuen Heimat handhaben?

Es gibt in Bogotá zum Glück viele Expats aus der Schweiz, da wird wohl schon ein Jassgrüppchen zusammenkommen. Ausserdem bin ich offen für Neues und würde auch gerne typisch kolumbianische Kartenspiele kennen lernen.

Was werden Sie wohl am meisten von Zürich vermissen?

Nebst Familie und Freunden typische Schweizer Gerichte wie Fleischkäse mit Spiegelei. Und den tollen ÖV. Dieser ist in Kolumbien desolat. Und auch mit dem Privatauto ist es nicht besser. Es kann sein, dass man in Bogotá für eine Strecke von drei Kilometern zwei Stunden braucht.

Werden Sie nun für immer in Kolumbien bleiben, oder ist schon klar, dass Sie eines Tages wieder nach Zürich zurückkehren?

Der Vertrag meines Lebenspartners ist vorerst auf zwei Jahre befristet. Danach werden wir Bilanz ziehen. Ich bin mir aber schon jetzt ziemlich sicher, dass wir eines Tages wieder nach Zürich ziehen.

Zur Person

David Karasek kam am 4. April 1978 in Zürich zur Welt. Noch während er die Kantonsschule Stadelhofen besuchte, sammelte er beim Radio Unispital erste Erfahrungen als Moderator. 1999 stieg er bei Radio Zürisee fest ins Business ein, wechselte bereits zwei Jahre später zu Radio 24, um die «Morgenshow» zu übernehmen. 2008 zog er weiter zu Radio 1 und schliesslich 2012 als VJ zu TeleZüri.

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