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Interview

Die Beach Boys treten im Juli in Zürich auf. Leadsänger Mike Love (weisser Bart) hat schöne Erinnerungen an die Schweiz. Bild: PD

"Ich meditiere lieber, statt Drogen zu nehmen"

Von: Reinhold Hönle

25. Juni 2019

Die legendären Beach Boys feiern auf ihrer Tournee 50 Jahre «Good Vibrations». Leadsänger Mike Love (78) über den Wohlfühleffekt, sein Verhältnis zum musikalischen Mastermind Brian Wilson und seine Auszeit. Von Reinhold Hönle

Welche guten Vibes verbinden Sie mit dem Singen?

Mike Love: Es erzeugt Fröhlichkeit. Schon als wir noch sehr jung waren, haben meine Cousins Brian, Dennis und Carl und ich uns oft getroffen, um mehrstimmig zu singen. Meine Schwester Maureen, die auch auf einigen unserer frühesten Lieder zu hören ist, hat Harfe gespielt. Es ging uns nicht darum, berühmt zu werden oder Geld damit zu verdienen, sondern diesen Harmoniegesang zu kreieren, der bei uns eine Familientradition war.

In welcher Weise?

Meine Mutter liebte die Oper und andere Formen der Musik, auch mein Onkel Murray und seine Frau Audrey waren musikalisch. Sie gehörten zu einer Generation, die arm war, als sie nach Kalifornien kam. Freude und Glück fanden sie im Hobby, gemeinsam zu musizieren.

Wie wurde es bei Ihnen zur Berufung?

Brian, der ein Jahr älter ist, und ich, haben ein paar Songs geschrieben, in denen wir das Leben schilderten, das wir im südlichen Kalifornien führten. Wir wohnten nur ein paar Meilen vom Strand entfernt. Und wie kommt man an diesen wunderschönen Ort? Natürlich mit dem Auto. Und wen trafen wir dort? Hübsche Mädchen. Um diese drei Themen drehten sich die Lieder, und viele Leute, die in Amerika aufwuchsen, konnten sich damit identifizieren. Bald hatten wir weltweit Hits, und es entwickelte sich eine über 50-jährige Erfolgsgeschichte.

Was bedeutet es Ihnen, mit 78 Jahren noch auf der Bühne stehen zu können?

Als wir unseren ersten Auftritt hatten, war ich nervös. Wir sangen nur drei Lieder, als Teil einer grossen Show in Long Beach, und bekamen dafür 300 Dollar. Ich dachte mir, «60 Dollar für jeden von uns, das ist klasse», und beschloss, mich darauf zu konzentrieren, mein Geld wert zu sein. Mittlerweile haben wir Tausende von Konzerten gegeben und versuchen immer noch, unser Bestes zu geben. Wir wollen unsere Lieder ähnlich wie auf der Platte wiedergeben, vor allem gesanglich, und nur kleine Veränderungen, wie sie zu einer Livedarbietung gehören. Was unterscheidet die aktuellen Konzerte von den Gigs der Reunion Tour 2012? Damals waren von der Urformation neben mir auch Brian und Al Jardine dabei, aber unsere Musik war ziemlich ähnlich. «Good Vibra­tions», «God Only Knows» oder «California Girls» werden wir immer spielen. Wobei inzwischen mein Sohn Christian «God Only Knows» singt, da Carl 1998 an Lungenkrebs gestorben ist – und es klingt wundervoll.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Brian Wilson, der wieder eigene Wege geht, umschreiben?

Brian ist sensibel und musikalisch sehr begabt. Er trieb auch gerne Sport und konnte einen Football viele Yards weit werfen, aber nichts liebt er mehr, als sich ans Klavier zu setzen und sich inspirieren zu lassen. Einen prägenden Einfluss auf den Sound der Beach Boys hatte, dass er die komplexen Gesangsharmonien der Four Freshmen studierte. Ihn faszinierte der Effekt, dass sie dich dazu bringen, dass du dich gut fühlst. Ich denke, das ist der Hauptgrund, weshalb die Beach Boys auf der ganzen Welt beliebt sind, sogar in Ländern, in denen nicht Englisch gesprochen wird. Man hört die Wärme und das Positive einfach raus.

Welches war und ist Ihre Rolle?

Ich interessiere mich vor allem für die Songtexte, was dazu geführt hat, dass ich sie meistens auch als Leadsänger interpretiert habe, wie bei «Surfin’ U.S.A.», «California Girls», «Surfin’ Safari», «I Get Around» und «Fun Fun Fun». Ich habe mich auch um Konzepte und Marketing gekümmert. Brian und ich haben uns ideal ergänzt.

Welche Erinnerung haben Sie an Ihr letztes Konzert in Zürich?

Wir haben im Dolder Grand übernachtet. Leider hatten wir nicht viel Zeit, um die Umgebung zu geniessen, aber mit meiner Frau nach dem Konzert auf der Terrasse zu sitzen, hinaus auf den See zu schauen und ein Glas Champagner zu trinken, war wundervoll. Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr Zeit in der Schweiz verbringen könnten.

Wieder?

Vor langer Zeit, es muss ungefähr 1977 gewesen sein, habe ich einen dreimonatigen Kurs für transzendentale Meditation beim Maha­rishi Yogi in Seelisberg gemacht.

Welche Funktion hat die Meditation in Ihrem heutigen Leben?

Sie bringt dir eine tiefe Entspannung, die es überflüssig macht, dass du dafür Alkohol trinkst oder Marihuana rauchst. Es ist eine sehr gesunde Methode zu relaxen. Andere Leute in der Musikindustrie haben sich auf berühmt-berüchtigte Weise entspannt. Bei manchen, inklusive meinem Cousin Dennis, klappt das nicht so gut. Er starb 1983, weil er von den Drogen nicht lassen konnte. Ich habe viele solche schreckliche Dinge gesehen. Deshalb bin ich ein grosser Befürworter der transzendenten Meditation und praktiziere sie täglich mehrmals.

Tickets zu gewinnen!

Gewinnen Sie 2 x 2 Tickets für das Konzert der Beachboys am 9. Juli um 20 Uhr im Theater 11 in Zürich. Schreiben Sie uns eine E-Mail mit Name, Adresse, Telefonnummer und Betreff Beachboys an: gewinn@tagblattzuerich.ch

 

 

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