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Interview

Domenic Zembrod, Projektleiter der Fred-Tschanz-Gruppe, vor dem Bauschänzli. Bild: SB

«Im Bauschänzli steckt sehr viel Herzblut»

Von: Sacha Beuth

15. August 2017

Die Ausschreibung des Bauschänzli zur Neuvermietung ab 2019 bereitet Domenic Zembrod von der Fred-Tschanz-Gruppe einige Sorge. Das Lokal ist für das Unternehmen nicht nur finanziell, sondern vor allem emotional sehr wichtig.

Seit 1992 führt die Fred-Tschanz-Gruppe das Bauschänzli. In dieser Zeit hat sich das einstige Sorgenkind – nicht zuletzt dank des von Tschanz initiierten Zürcher Oktoberfestes – zu einer festen Grösse entwickelt. Nun hat die städtische Liegenschaftenverwaltung den Pachtvertrag neu ausgeschrieben, worauf sich mehrere Interessenten gemeldet haben sollen. Trotzdem hoffen Stéphanie Portmann, Geschäftsführerin und Enkelin von Fred Tschanz, und ihr Mann Domenic Zembrod, Projektleiter der Gruppe, auch künftig auf der Insel wirten zu können.

Wie hoch schätzen Sie Ihre Chancen ein, erneut den Zuschlag für eine Pacht zu erhalten?

Domenic Zembrod: Die Chancen halte ich für intakt, auch wenn wir wohl von mehreren namhaften Konkurrenten ausgehen müssen. Für uns spricht sicher, dass wir seit Jahrzehnten ein gutes Verhältnis zur Stadt als Besitzerin des Standorts pflegen – und auch weiterhin pflegen wollen – und vor allem bewiesen haben, dass unser Konzept funktioniert. Ich denke, das erkennt man auch daran, dass es laut Ausschreibung unabhängig vom Mieter weiterhin ein Oktoberfest geben soll.

Ein Punkt, der stutzig macht. Immerhin ist das «Zürcher Oktoberfest» eine Idee von Fred Tschanz. Ist der Begriff nicht geschützt?

Wir haben, noch bevor die Ausschreibung erfolgte, beim Amt für geistiges Eigentum ein Markenschutzgesuch platziert. Wie auch immer der Entscheid darüber ausfällt: Es wird für unser weiteres Vorgehen nicht der wichtigste Punkt sein.

Was, wenn ein Mitbewerber den Zuschlag erhält? Werden Sie dann weiterhin ein Oktoberfest veranstalten?

Das schauen wir genauer an, wenn über die Vergabe entschieden wurde. Einerseits ist es in der Stadt Zürich schwierig, Eventplätze und -tage zu bekommen. Und als in Zürich verwurzeltes Unternehmen kann ich es mir nicht vorstellen, das Oktoberfest in Dübendorf oder Wollerau durchzuführen. Anderseits haben wir eine grosse Verantwortung gegenüber unserem Team, unseren Stammgästen und Lieferanten sowie dem Vermächtnis von Fred Tschanz.

Wie wichtig ist das Bauschänzli für Ihr Unternehmen?

Bei einem Verlust wäre die Bonität zwar immer noch gewährleistet, trotzdem würde er uns sehr treffen, immerhin handelt es sich beim Bauschänzli um ein Fünftel der gesamten Gruppe, das gänzlich wegfallen würde. Noch mehr schmerzen würde es uns emotional. Im Bauschänzli steckt sehr viel Herzblut, insbesondere von Stéphanie und ihrem Grossvater. Mit dem Verlust würde ein Stück Familiengeschichte sterben.

Der neue Mietvertrag würde auf 5  Jahre plus Option auf 5 weitere Jahre lauten. Kann man damit als Gastronom ausreichend planen?

Die relativ kurze Frist war für uns eher überraschend am Inhalt der Ausschreibung. Hier eine gewisse Planungssicherheit zu schaffen, ist für einen Betrieb von der Grösse des Bauschänzli eine zusätzliche Herausforderung.

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Leserkommentare

Herbert Mueller -

Vor 2 Jahren 2 Monaten  · 
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