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Interview

"Manchmal nimmt die Vermarktung jeder kleinsten Ecke wirklich überhand"

Von: Janine Grünenwald

27. Februar 2013

125 Frauen und Männer sitzen im Gemeinderat der Stadt Zürich. Wie ticken unserer Parlamentarier? Diese Woche mit Gabriele Kisker, Grüne.

Tagblatt der Stadt Zürich: Welches ist Ihr Lieblingslokal in Zürich?

Gabriele Kisker: Das Bistro Emo am Predigerplatz. Ich geniesse während der Ratspause hier gerne einen feinen Flammkuchen.

Was geht Ihnen in Zürich besonders auf den Keks?

Kisker: Diese «Eventitis». Ich wohne im Kreis 1 und finde, Veranstaltungen müssen durchaus ihren Platz haben, aber manchmal nimmt die Vermarktung jeder kleinsten Ecke wirklich überhand.

Sie machen eine Schönheitsoperation. Was würden Sie ändern und warum?

Kisker: Bei einer Schönheitsoperation geht es ja auch darum, dass man sich einem Ideal anpasst. Das Einzige, was ich unter diesem Aspekt machen würde, wären grüne Linsen, für meine Partei sozusagen.

Wer ist Ihr liebster politischer Gegner und warum?

Kisker: Am liebsten sind mir Politiker, die heftig debattieren und kämpfen, mit denen ich aber danach ein Bier trinken gehen kann.

Wer ist Ihr Vorbild oder Kindheitsheld?

Kisker: Mary Poppins.

Wann haben Sie das letzte Mal einen über den Durst getrunken?

Kisker: Mit 9 Jahren. Ich wollte meinen älteren Geschwistern nacheifern und habe fleissig mitgetrunken. Mir war es danach zwei Tage dermassen schlecht, dass ich seither nur noch kontrolliert Alkohol trinke.

Wann haben Sie zum letzten Mal geweint?

Kisker: Als mein jüngster Sohn gestorben ist. Das war sehr tragisch. Und gerade vor kurzem, als ich mich in einer Tür eingeklemmt habe. Das hat so wehgetan, dass mir die Tränen gekommen sind.

Was ist Ihnen heilig?

Kisker: Ein gemütliches Aufstehen und keinen Stress am Morgen.

Glauben Sie an Gott?

Kisker: Man kann diese komplexe Frage mit Ja oder Nein beantworten, für mich ist die Frage um das Göttliche aber nicht so absolut beantwortbar. Ich bin in der Schweiz – einem christlichen Umfeld – aufgewachsen, das hat mich geprägt. Zurzeit arbeite ich mit an der Neuorganisation der Kirchgemeinden in Zürich. Feiern wie Weihnachten, Taufen oder auch Beerdigungen sind etwas Schönes. Persönlich wichtig ist mir der innere Diskurs und ein Ort für Dank, das ist für mich so etwas wie göttlich.

Welches ist Ihre Lieblingsband?

Kisker: Es gibt eine Clique in Zürich, die nennt sich «Heimwehbasler». Wenn die pfeifend und trommelnd durch die Gassen ziehen, höre ich das sehr gern.

Geben Sie einem Bettler Geld?

Kisker: Wenn ich einem Bettler Geld gebe, dann viel. Ich denke mir immer, dass er dann nicht noch bei zehn anderen Leuten betteln muss. Das ist inkonsequent, aber sie tun mir manchmal einfach leid.

Sie gehen mit Ihrem Partner fein essen. Was darf es höchstens kosten?

Kisker: Erstens zahle ich praktisch nie und zweitens habe ich es sowieso viel lieber, wenn er mich bekocht.

Wer ist für Sie der bedeutendste Zürcher?

Kisker: Die Kombination von Emil Klöti, der die Wohngenossenschaften aufgebaut hat, und Albert Steiner. Er entwickelte die durchgrünte Wohnstadt. Für mich ein Stadtentwicklerkombinat, das die Lebensqualität in Zürich massgeblich geprägt hat.

Von welchem Beruf träumten Sie als Kind?

Kisker: Touristin und Archäologin.

Sie sind einen Tag lang Königin der Schweiz. Welches Gesetz würden Sie einführen?

Kisker: Ich würde die österliche und vorweihnachtliche Fastenzeit neu säkular interpretieren und auferlegen, dass jeder von uns zweimal jährlich seinen Energiebedarf bis auf 2000 Watt abspecken muss.

Wohin wollten Sie schon immer mal verreisen?

Kisker: An den Baikalsee.

Was wäre Ihre Henkersmahlzeit?

Kisker: Eine Tafel Schokolade.

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