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Interview

Björn Resener, Geschäftsführer des Gewerkschaftsbunds des Kantons Zürich, organisiert den 1.-Mai-Umzug mit. Bild: Steffen Schmidt (Keystone)

«Nur Journalisten erwarten Krawalle»

Von: Clarissa Rohrbach

26. April 2016

Am Sonntag den 1. Mai demonstrieren die Linken für die Rechte der Arbeiter. Organisator Björn Resener über Löhne, Kurden und Steinewerfer.

Herr Resener, wir leben heute in einer Dienstleistungsgesellschaft. Ist es überhaupt noch zeitgemäss, für die Arbeiter zu demonstrieren?
Alle Menschen, die ihre Arbeitskraft verkaufen, sind Arbeiter. Auch wer seine Dienste zum Beispiel online anbietet. Der grundsätzliche Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bleibt: Der eine will einen hohen Profit, der andere einen besseren Lohn, die Interessen sind diametral entgegengesetzt. Und seit Jahren wird die Schere zwischen Arm und Reich grösser.

Kämpfen die Gewerkschaften nicht gegen Windmühlen?
Nein. Ohne die Gewerkschaften ­hätten wir keine 40-Stunden-Woche. Dank ihnen unterstehen schweizweit  51 Prozent der Arbeitnehmer einem  Gesamtarbeitsvertrag, der für bessere Löhne sorgt. Wir enthüllen soziale Ungerechtigkeiten wie das Lohndumping im Kanton Zürich und ­sorgen dafür, dass solche Zustände gesetzlich bekämpft werden.

Das Motto des 1.-Mai-Komitees ist: «Wir sind alle Flüchtlinge». Was bedeutet das?
Man sucht sich die Flucht nicht aus. Je nach politischen Umständen kann jeder zum Flüchtling werden. Es ist ein Appell an die Empathie.

Mit Feleknas Uca spricht an der Kundgebung eine Politikerin mit kurdisch-jesidischer Abstammung. Wieso sind Kurden beim 1. Mai so überrepräsentiert?
In der Schweiz gibt es eine der stärksten kurdischen Gemeinschaften Europas. Aktuell bauen Kurden im Norden Syriens demokratische Strukturen auf  und schützen somit Menschen vor der Verfolgung Assads und des IS. Diese Entwicklung ist ein Lichtblick für den Nahen Osten.

Die Behörden haben stets abgelehnt, dass der Umzug am Paradeplatz vorbeiführt. Sind Sie mit der diesjährigen Route zufrieden?
Die Route wurde so bewilligt, wie wir sie eingegeben haben. Während der Wirtschaftskrise wollten wir am Paradeplatz vorbeilaufen, um auf die Verantwortung der Banken hinzuweisen. Doch in diesem Jahr geht es inhaltlich vor allem um die Sicherung der AHV. Der Abschluss auf dem Sechseläutenplatz – im Herzen von Zürich – hat sich bewährt.

Stehlen die Chaoten den friedlichen Demonstranten die Show?
Jedes Mal wird über Krawalle geschrieben, obwohl es seit Jahren keine mehr gab. Da frage ich mich, ob es nicht eher das Agendasetting der Journalisten ist, das die wahre Botschaft überschattet.

Wird es dieses Jahr ruhig bleiben?
Davon gehe ich stark aus.


Die 1.-Mai-Demo startet am Sonntag um 9.30 Uhr auf dem Helvetiaplatz.

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Leserkommentare

Andy Frei - Ja, und am 1. Mai wird es schwarzen Schnee schneien während man stark davon ausgeht dass es ruhig bleibt. Und nicht zu vergessen der Samichlaus und der Osterhase werden zuvorderst die friedliche Demonstration anführen. Wenn schon Märchen, dann richtig!

Vor 3 Jahren 6 Monaten  · 
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