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Interview

Zwei Tage vor dem «Tagblatt»-Phototermin bricht sich der Kabarettist beim Fussballspielen die Nase: Bänz Friedli und Barbara Frauchiger nehmen die Unzulänglichkeiten des Lebens mit Humor. Bild: Nicolas Y. Aebi

«Unser Alltag ist gespickt mit Züri-West-Zitaten»

Von: Isabella Seemann

05. Februar 2019

Im Februar feiert der preisgekrönte Kabarettist Bänz Friedli (53) mit seinem neusten Stück «Was würde Elvis sagen?» Premiere im Theater am Hechtplatz. Schon vor seiner Bühnenkarriere war er mit seinen geistreichen Pendler- und Hausmann-Kolumnen einem Millionenpublikum bekannt. Seit 27 Jahren teilt er sein Leben mit der TV-Journalistin Barbara Frauchiger – und mit ihr den Sinn für Humor.

Erzählen Sie doch mal Ihre Version der Geschichte, wie Sie sich kennen gelernt haben? Was war Ihr erster Eindruck?

Bänz Friedli: Uii, nein! Barbaras erster Eindruck von mir war glaub ich nicht der allerbeste ... Sie stiess damals neu zum Team eines Berner Lokalradios, wo ich tätig war.
Barbara Frauchiger: … und Bänz war, wie soll ich sagen, eine Art Rudelführer, der sich nicht gerade von seiner sensitivsten Seite zeigte.
Bänz: Stimmt, wir waren eine furchtbare Bubenbande.

Wie erkannten Sie trotzdem, dass es Liebe ist?

Bänz: War es bei dir auch beim Abtrocknen? Wir waren bei einem Arbeitskollegen eingeladen, dem heutigen Nationalrat Matthias Aebischer.
Barbara: Ja. Beim Abwasch kamen wir uns näher.
Bänz: Du schriebst mir danach eine Postkarte und fragtest, ob wir mal essen gehen wollten. Aber die nahm leider einen monatelangen Umweg über Deutschland.
Barbara: Inzwischen riefst du an, und die Verabredung kam doch noch zustande. In Biel, wo ich damals wohnte.
Bänz: Dort war ich von jenem Abend an öfters.

Wer von Ihnen hat zuletzt eine Liebeserklärung gemacht?

Bänz: Die machen wir uns eigentlich täglich, nicht? Kleine Zeichen auf Zettelchen und als Whatsapp, die gibts immer.

Humor – ist das Ihr Rezept für gutes Gelingen in der Liebe?

Barbara: Ein Rezept? Eine Zutat vielmehr. Humor hilft, in Alltagskonflikten auch mal die skurrile Seite der Auseinandersetzung zu erkennen, den Schwank. Das hilft bei der Entschärfung.
Bänz: Und dass ein Fussballkamerad mir zwei Tage vor dem Fototermin mit dem «Tagblatt» die Nase gebrochen hat und sie nun so krumm ist – wie anders wollte man das nehmen als mit Humor?

Im Februar feiern Sie, Bänz, mit Ihrem neusten Stück «Was würde Elvis sagen?» Premiere. Welche Rolle spielt der King of Rock ’n’ Roll in Ihrer beider Leben?

Barbara: Wir haben beide ein Faible für Kinkerlitzchen und alberne Figürchen. Von den Simpsons, Asterix, Pettersson & Findus ... Die Wohnung ist voll. Dazu gehören sehr viele Elvis-Sachen, vom Flaschenöffner bis zum Pfannenblätz.
Bänz: Den hast du mir geschenkt! Als wir auf einer gemeinsamen Südstaatenreise 1997 Memphis besuchten, faszinierte uns der Kult um den King, der dort immer noch betrieben wird. Etwas zwischen Religion und Kitsch. Dort wurde mir im Sun Studio aber auch Elvis’ Grösse als Künstler bewusst. Er hat alle Rock- und Popmusik begründet, die wir heute hören. Er war und bleibt der Grösste.
Barbara: Na ja, wenn du meinst!
Bänz: Okay, unser Musikgeschmack ist nicht immer derselbe. Wenns Barbara allzu countrylastig wird, kommt sie nicht mit. Hip-Hop-Konzerte besuchen wir aber oft zusammen: Eminem, Die Fantastischen Vier, Jovanotti.
Barbara: Unsere Balance zwischen Sachen, die beide für sich unternehmen, und gemeinsamen Vorlieben ist gut. Alles teilen wäre langweilig.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass die Partnerin im Publikum sitzt? Und wie wichtig Ihnen, Barbara, dass Sie bei einer Aufführung dabei sind?

Bänz: Jesses, ich kann doch nicht von Barbara erwarten, dass sie in jeder Vorstellung sitzt! Ich schaue ihr ja auch nicht bei ihren Filmdrehs zu. Mich freut es, wenn sie pro Tournee einmal vorbeischaut, damit sie weiss, was ich mache. Und ehrlich, ihr Urteil ist mir wohl das allerwichtigste. Niemand ist so geradeheraus wie sie. Als unsere Tochter mir in der Pause der letzen Premiere schrieb, Barbara habe während der ersten Hälfte schallend gelacht, war ich erleichtert. Ich verstehe aber auch, dass es für sie nicht nur einfach ist, den eigenen Mann auf der Bühne zu erleben.
Barbara: Bänz hat sich im Laufe der Jahre immer neu erfunden. Vom Sport- zum Musikjournalisten, vom Moderator am Lokalradio zum Autor, vom Kolumnisten zum Kabarettisten. Davor habe ich grossen Respekt. Aber die Bühnenauftritte machen mich nervöser als ihn. Die machen mich kribbliger als ein Hockey-Match.
Bänz: Hockey schauen wir uns dafür gern zusammen an. Hopp Langnau!

Worin ist Ihnen die Partnerin, der Partner ein Vorbild?

Bänz: Sie kann Entscheide fällen, sie denkt eigenständig, sie ist mutig und immer noch einen Tick besser über das Tagesgeschehen informiert als ich.
Barbara: Bänz ist ein grandioser Netzwerker. Er kennt die halbe Schweiz und zieht viel Wissen aus den Kontakten. Ich hätte gerne die Energie für einen so grossen Bekanntenkreis.

Was haben Sie zuletzt vom anderen gelernt?

Barbara: Bänz gibt sich nie mit Halbbatzigem zufrieden. Sein Perfektionsismus ist auch mir immer wieder ein Antrieb.
Bänz: Als wir 2016 in Louisiana gemeinsam einen Dokfilm machten, lernte ich, der ewige Wort-Mensch, auf die Kraft der Bilder zu vertrauen. Es war schön, Barbara für einmal bei der Arbeit zu erleben. Sie ist eine grossartige Teamworkerin. Ich habe auch von ihr gelernt, es nicht allen recht machen zu wollen. Zu streiten und sich zu versöhnen. Und das Allererste, was ich damals von ihr lernte: Pünktlichkeit.

An welchen Ort in Zürich gehen Sie zusammen besonders gern?

Barbara: In irgendein Café oder irgendeine Bar. Völlig unspektakulär. In unserem Arbeits- und Familienalltag ist die Pace hoch. Wenn wir ein paar Stunden Zeit haben, uns die Erlebnisse zu erzählen, ist das Leben wieder in Ordnung.
Bänz: Stimmt. Es kann auch unser Abendspaziergang auf den Hasenrain sein. Oder ein Feierabendschwimmen in der Limmat.

Was möchten Sie unbedingt noch miteinander erleben?

Bänz: «Zäme alt u feiss u glücklech wärde …»
Barbara: Das hat Kuno Lauener wie so vieles auf den Punkt gebracht. Unser Alltag ist gespickt mit Züri-West-Zitaten. Ich würde später gerne mit Bänz reisen. Und reisen. Und Kino und Konzerte.
Bänz: So machen wirs! Es wird uns in den nächsten 27 Jahren nicht langweilig. «Feiss», also fett, werden wir übrigens nicht. Dazu treiben wir beide zu viel Sport. Aber alt und glücklich – gern!

Gut zu wissen: Bänz Friedli und Barbara Frauchiger

Bänz Friedli (*1965), bis 2005 hauptberuflich als Journalist tätig, wurde mit seinen «Pendlerregeln» in «20 Minuten» und der Familienkolumne «Der Hausmann» im «Migros-Magazin» einem Millionenpublikum bekannt. Mit «Gömmer Starbucks?» etablierte er sich 2013 als Kabarettist, 2015 erhielt er den bedeutenden Kabarettpreis «Salzburger Stier». Am 27. Februar feiert er mit seinem vierten Programm «Was würde Elvis sagen?» Premiere im Theater am Hechtplatz, anschliessend tourt er damit zwei Jahre durch die Schweiz.

Barbara Frauchiger (*1966) arbeitet seit 1996 fürs Schweizer Fernsehen. Davor war sie als Radio-, Zeitungs- und Agenturjournalistin tätig. Als Redaktorin und Produzentin arbeitete sie unter anderen für «Schweiz aktuell» und «Einstein». Heute produziert sie Dok-Serien und Dokumentarfilme. Barbara Frauchiger und Bänz Friedli leben mit ihren beiden erwachsenen Kindern in einer Genossenschaftswohnung in Albisrieden. 

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