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Interview

Zeit für Haut und Herz: Piotr J. Michel-Dziunycz (l). und Stephan M. Michel (r.) Bild: Nicolas Y. Aebi

Zürcher Männerpower geht unter die Haut

Von: Ginger Hebel

20. März 2018

Piotr J. Michel-Dziunycz und Stephan M. Michel gehen beruflich und privat gemeinsame Wege. Im April eröffnen sie im Westlink Tower beim Bahnhof Altstetten ein Zentrum für Dermatologie, Hautkrebs und Ästhetische Medizin. Privat leben sie in einer eingetragenen Partnerschaft.

Sie sind bald Geschäftspartner und auch privat ein Paar. Was sind die grössten Herausforderungen?

Stephan M. Michel: Die grösste Herausforderung ist gleichzeitig die grösste Chance: Wir erfüllen uns den Traum, gemeinsam etwas zu erschaffen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ein Kompetenzzentrum für Dermatologie zu werden. Das ist sehr viel Arbeit. Schwierig wird sein, sich abzugrenzen und privat nicht immer über das Geschäft zu reden.

Piotr J. Michel-Dziunycz: Jetzt, so kurz vor der Eröffnung, arbeiten wir auch an den Wochenenden. Wir müssen aufpassen, dass unser Paarleben nicht in den Pendenzen verschwindet.

Wie ist Ihre Rollenverteilung beruflich und privat?

Stephan: Der medizinische Part liegt bei Piotr, er ist der Fachmann für Hautprobleme. Ich bringe 20 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche mit und werde mich daher um den betriebswirtschaftlichen Bereich kümmern. Privat haben wir keine klassische Rollenverteilung.

Piotr: Doch, du kochst, und das sehr gerne. Ich darf ja oft nicht mal in die Küche. (lacht)

Stephan: Das ist wahr. Ich liebe es, zu kochen. Manchmal mache ich mehr im Haushalt, mal du. Wir ergänzen uns.

Piotr: Wir brauchen uns gegenseitig, auch in beruflicher Hinsicht. Allein könnte ich eine dermatologische Klinik in dieser Grösse nicht eröffnen.

Jung und dynamisch aussehen wollen heute alle. Wie definieren Sie Schönheit?

Piotr: Schönheit ist für mich ein ­natürliches, gesundes Aussehen. Wenn sich Frauen riesige Lippen spritzen lassen, dann ist das nicht mehr schön, weil es nicht harmonisch wirkt. Männer streben ein maskulines Aussehen an. Sie wollen markante Gesichter. Und ich beobachte eine starke Nachfrage nach Muskelaufbau mit Eigenfett.

Stephan: Ich mag Natürlichkeit. Es darf einfach nicht künstlich wirken.

Wie stehen Sie zu Botox und dessen Verwendung?

Piotr: Das ist heute normal und nichts, wofür man sich schämen müsste. Ich habe es selber schon machen lassen. Jede Behandlung birgt Risiken. Bei uns in der Dermatologie-Klinik haben die Patientenaufklärung und die Weiterbildung der Mitarbeiter einen sehr hohen Stellenwert.

Stephan: Ich habe noch nichts an mir machen lassen.

Welche Hautprobleme beschäftigen die Leute am meisten?

Piotr: Junge leiden am häufigsten unter Akne. Entscheidend sind die richtigen Pflegeprodukte, welche die Poren nicht noch mehr verstopfen. Erwachsene sind oft gestresst. Die Folge davon sind Ekzeme und Schuppenflechte. Auch Allergien haben zugenommen. Leider ist Hautkrebs bei uns ein ganz grosses Thema. Die Schweiz führt europaweit die Spitze an. Schweizerinnen und Schweizer mögen die Sonne, die Berge, sie schützen sich zu wenig oder ignorieren Veränderungen der Muttermale.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Partner optisch am besten?

Piotr: (überlegt lange) Ich stehe auf blonde Typen.

Stephan: Diese Frage macht ihn jetzt aber nervös.

Piotr: (lacht verschmitzt) Ich überlege doch nur. Wir haben uns im Fitnesscenter kennen gelernt. Als Erstes habe ich seinen Körper wahrgenommen. Das Gesamtpaket hat mich überzeugt, sein Auftreten.

Stephan: Wir sind Ästheten. Da war sofort eine magische Anziehung.

Was haben Sie gemeinsam, worin unterscheiden Sie sich?

Piotr: Wir sind beide sehr emotional – es knallt ab und zu. Wenn uns ­etwas nervt, diskutieren wir es aus, dann ist es erledigt. Stephan ist viel besser organisiert als ich, strukturierter. In dieser Hinsicht kann ich viel von ihm lernen.

Stephan: Unsere grosse Gemeinsamkeit ist, dass wir sehr ehrgeizig sind. Wir lassen uns Möglichkeiten nicht gerne offen, sondern machen lieber Nägel mit Köpfen. Das verbindet uns. Ich bin pedantisch, eine typische Jungfrau. Ich mag es, wenn alles organisiert und ordentlich ist. Ein Unterschied? Piotr ist ein absoluter Nachtmensch, bei mir sind abends um sieben die Batterien leer.

Es kommt nicht oft vor, dass zwei Männer als Paar eine Klinik leiten. Angst vor negativen Reaktionen?

Piotr: Nein, ich habe diesbezüglich noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Als wir unsere Partnerschaft eintragen liessen, kauften wir uns Ringe. Meine Patienten gratulierten und fragten: «Wie heisst Ihr Mann?»

Stephan: Würden wir irgendwo auf dem Land eine Klinik eröffnen, wäre es vielleicht schwieriger. Zürich ist eine offene Stadt. Zudem hat sich die Gesellschaft gewandelt. Viele Leute reagieren lockerer auf gleichgeschlechtliche Paare als noch vor zehn Jahren. Wir schreiben es uns nicht direkt auf die Stirn, aber wenn die Leute uns darauf ansprechen, sagen wir, wie es ist. Seit wir denselben Familiennamen tragen, ist es offensichtlicher. Dass wir keine Brüder sind, sieht man ja. (lacht)

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

Stephan: Wir reisen oft, am liebsten nach Mallorca oder in Städte.

Piotr: Sobald wir auf dem Flughafen sind, können wir abschalten und loslassen.

Gut zu wissen:

Piotr J. Michel-Dziunycz (35) geboren in den polnischen Bergen. Er ist Hautkrebsspezialist und Facharzt für Dermatologie und Venerologie. Nach seinem Studium der Humanmedizin in Warschau und Köln war er als Assistenzarzt mit Fokus auf Hautkrebs im Universitätsspital Zürich tätig. Er ist spezialisiert auf die Mohs-Chirurgie, ein Verfahren, welches zur Entfernung von Hauttumoren eingesetzt wird. Im April eröffnet er mit seinem Geschäfts- und Lebenspartner die Dermatologie-Klinik Zürich (DKZ), wo er die medizinische Leitung hat.

Stephan M. Michel (40) ist gebürtiger Stadtzürcher und studierter Betriebsökonom. 13 Jahre lang arbeitete er für verschiedene Banken an der Kundenfront. 2013 machte er sich selbstständig und baute mit seinem Vater ein Unternehmen auf, welches er nach dessen Tod allein weiterführte. Ab April übernimmt er in der neuen Dermatologie-Klinik Zürich die betriebswirtschaftliche Leitung.

Hautkrebsspezialist Piotr und Betriebsökonom Stephan lernten sich vor drei Jahren in einem Zürcher Fitnesscenter kennen. Nach wenigen Wochen waren sie ein Paar. Am 22. Dezember 2017 liessen sie ihre Partnerschaft eintragen. Sie leben mit ihrem Hund, einem Beagle, in Zürich-Oerlikon und eröffnen im April ein Kompetenzzentrum für Dermatologie im Westlink Tower direkt beim Bahnhof Altstetten – ihr gemeinsames Baby.

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