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Lifestyle

Rock'n'Roll: Haider Ackermann liess sich von Keith Richards und den Stones inspirieren. Bilder: PD

In jedem steckt ein Rolling Stone

Von: Jan Strobel

15. Juli 2014

Männermode: Für die Modewelt ist dieses Jahr längst passé. Wir blicken deshalb einmal bereits in die nahe Zukunft. Das erwartet Männer im Frühling/Sommer 2015.

Trends sind ja bekanntermassen die Eintagsfliegen unserer Zeit. Ausser in Zürich, das modemässig ja immer etwas verlangsamt nachzieht. Unscheinbarkeit, oder besser zeitlose Qualität, sind dem Zürcher eben wichtiger. Andererseits liegt Zürich damit wiederum ganz weit vorn: Denn gerade ist unter hippen Twens der Begriff «Normcore» gross in Mode. Stiltechnisch in der Masse unterzugehen, ist angesagt, Individualität eher out. Zürich ist also ein «Normcore»-Mekka.

Auf den Laufstegen von Paris, Mailand oder London hingegen wird klar, dass «Normcore» schon im nächsten Jahr wieder absolut passé sein könnte. Zum Beispiel bei Designer Haider Ackermann. An seiner Pariser Schau Ende Juni holte er den Rock ʼnʼ Roll wieder aus der Schublade. Ackermanns Ikone ist dabei Keith Richards von den Stones, von dessen Energie der Designer, Jahrgang 1971, fasziniert ist. Figuren wie Richards oder auch Iggy Pop strahlten eine Freiheit aus, die uns heute abgehen würde, meint Ackermann. Die Silhouetten präsentieren sich denn auch wild fliessend mit überlangen Schals oder weiten Seiden­jacken, zerknitterten Hosen und Gilets in Violett-, Olive- oder Auberginetönen. Der Rocker als Bohemien. In Paris erhielt Ackermann dafür nicht nur lobende Worte.

Gediegener geht es naturgemäss bei Dior Homme zu. Designer Kris Van Assche sieht den Mann zuerst einmal in einer Farbe, nämlich in Blau, sowohl bei seinen klassisch-eleganten Anzügen als auch in den Casual-Kreationen. Van Assche liess sich vom Meer inspirieren. Seine Männer sind bourgeoise Städter, die  es an die Atlantikküste verschlagen hat, um dort etwas Leichtigkeit zu tanken. Da dürfen natürlich die obligaten Streifen auf den Gilets, Swea­tern und Pullovern nicht fehlen, ein absoluter Klassiker. Van Assche liess in diesem Sinn auch Übervater Christian Dior zu Wort kommen, und zwar in Form eines Prints auf Anzugsjacken, Shirts oder Jeans. Dior schrieb nämlich einst in einem Brief: «Traditionen müssen erhalten bleiben. Gerade in schwierigen ­Zeiten sind diese Traditionen unser Luxus und die Blüte unserer Zivilisation.»

 

 

Für Traditionalisten ein Schocker wiederum ist regelmässig der avantgardistische Designer Rick Owens, dessen Kreationen manchmal so schräg – oder so intellektuell – daherkommen, dass sie kaum noch tragbar sind. Jedenfalls ist so ein Owens-Teil immer ein Experiment. Das eigentliche Herz seiner Kollektion mit dem Titel «Faun» schlägt in der Zeichnung eines Mitarbeiters aus dem Owens-Team. Als der gerade eine schwierige Zeit durchmachte, nahm ihn Owens Frau unter ihre Fittiche. Als Dank schuf er diese Skizzen, die jetzt als Print auf den Tunikas zu bestaunen sind. Ein Hingucker sind wie immer bei Owens auch die futuristischen Stiefel.

 

 

 

 

 

 

Ein bisschen Erholung fürs Auge bietet da Alexander Wangs Kollektion für das französische Modehaus Balenciaga. Wang geht es puristisch an, wie ein Ingenieur. Die Farben: Schwarz, Grau und Blau. Das Technische steht also im Vordergrund, es geht mehr um die Materialien und Schnitte als um blumige Philosophien. Diese Kreationen haben etwas Steifes, gewisse Teile erinnern an Uniformen aus irgendwelchen Science-Fiction-Filmen, dann wieder an Ölmäntel, wie sie bei einem Segeltörn getragen werden. Prominent bei Balenciaga sticht der Trenchcoat heraus, mit kleinem Kragen und verborgenem Verschluss. Dazu gesellen sich schicke Bermudas.

Der nächste Sommer wird also wild, verträumt, etwas klassisch, etwas streng. Es wird anders gesagt also wieder einmal alles möglich sein. Aber so ist das eben mit sogenannten Trends.  

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