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"Die Hunde werden abgeschlachtet"

Von: Clarissa Rohrbach

05. November 2013

Dank der E-Mail-Rubrik des «Tagblatts» bekam Claudia Weber kiloweise Näpfe, Decken und Leinen für Streuner in Rumänien. Doch es fehlt immer noch an Spenden.

«Bitte hilf mir!» Der Facebook-Aufruf erreichte Claudia Weber aus Rumänien. Eine Bekannte setzt sich dort für Streuner ein. Sie schickte Fotos von Hunden, die stranguliert an Bäumen hingen oder verbrannt wurden. «Sie werden dort regelrecht abgeschlachtet, und keiner sagt etwas.» Im Land vermehren sich die ausgesetzten Tiere unkontrolliert. Subventionierte Hundefänger sollten die Hunde in Zwinger bringen und kastrieren. Dafür bekomme das Land Geld aus dem Ausland. Doch die Regierung sei korrupt und ineffizient, es geschehe kaum etwas. «Die Wahrheit ist, sie werden von November bis Mai in staatlichen Tierheimen sich selbst überlassen, ohne Futter und ohne Schutz. Im Frühjahr werden die Zwinger von den Kadavern gesäubert und wieder aufgefüllt; eine Massentötung findet statt», sagt Weber.

Ihre Mission ist nun die Rettung der rumänischen Strassenhunde. Die Zürcherin setzt alle Hebel in Bewegung, um Geld und Material für die Organisation Pro Dog Romania zu sammeln. Vor einem Monat bat sie in der E-Mail-Rubrik des «Tagblatts» um Hilfe. Rund 40 Freiwillige meldeten sich: Einige vererbten ihr den Korb und die Decke ihres verstorbenen Hundes, andere klapperten extra die Brockenhäuser nach Hundeartikel ab. Nun lagern kiloweise Spenden in Webers Keller. «Ich bedanke mich bei allen, die geholfen haben, es bedeutet mir viel.» Einige Nachrichten seien leider verloren gegangen, wer keine Antwort erhalten habe, könne sich gerne wieder melden.

Doch für die Hundefreundin gibt es noch viel zu tun. Sie sucht jemanden, der das Material nach Rumänien fahren könnte. Und Geld braucht es auch noch. Denn der Verein baut zurzeit ein Tierheim für die Streuner. Dort sollen sie betreut, geimpft, kastriert und gefüttert werden. Das Heim entsteht in der Region Baîle Herculane, wo ein tierfreundlicher Bürgermeister für den Schutz der Hunde sorgt. «Aber ohne Spenden bekommen wir das Heim nicht fertig.» Auch nach Paten wird gesucht, 15 Franken genügen, um ein Tier während eines Monats zu versorgen. Die Hunde können auch adoptiert werden. Weber hält Ausschau nach Pflegestellen und definitiven Aufnahmeplätzen in Zürich. Die Hunde kommen mit Pass und Lebenslauf, aber auch mit einem Trauma in die Schweiz. «Sie sind sehr liebesbedürftig. Sogar ihr Futter lassen sie stehen, um endlich wieder gestreichelt zu werden.» Die Pfleger seien immer wieder über ihre Zutraulichkeit erstaunt.

Claudia Weber weiss, dass ihre Hilfe nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Doch für sie zählt jedes einzelne Leben. «Natürlich müssen die Strassenhunde in Rumänien dezimiert werden. Aber indem man sie kastriert und dann natürlich aussterben lässt.» Stattdessen liegen die blutigen Kadaver in den Strassengräben. «Es schmerzt so sehr, ich kann nicht einfach wegschauen», so Weber.

Für Spenden erreichen Sie Claudia Weber auf: claudiaweberO6@yahoo.de

Profile der Hunde und Informationen über Pro Dog Romania finden Sie unter: www.prodogromania.de

Die Video-Reportage zu den Strassenhunden in Rumänien sehen Sie hier.

Hunde in Rumänien:

Im Land gibt es rund 500 000 Strassenhunde. Allein in Bukarest soll es 65 000 davon geben, vor zwei Jahren waren es noch 40 000. Das Parlament in Bukarest hat im September ein Gesetz verabschiedet, nach dem herrenlose Strassenhunde nach 14 Tagen eingeschläfert werden können. So will die Regierung gegen die Hundeplage vorgehen. Anfang September wurde ein vierjähriger Knabe von einem Hunderudel zu Tode gebissen. Der Vorfall sorgte für grosse Wut und führte zu brutalen Tötungen von Strassenhunden durch Privatleute. Laut Tierschützer sei der Fall eine Irreführung, um eine Massentötung der Hunde zu rechtfertigen. Die Bisswunden seien nicht die Todes­ursache gewesen. Das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» verweist dazu auf ein Interview mit dem Europaparlamentarier Corneliu Vadim Tudor. Dieser behauptet, vom Geheimdienst erfahren zu haben, dass das Kind Opfer von Pädophilie  geworden sei und dass der Rechtsmediziner das Obduktionsergebnis unter Druck verfasst habe. Der Arzt dementierte im «Spiegel».


Rumänien teilt sich zurzeit in zwei Lager: Hundeschützer und Hundehasser. Laut dem ARD-«Morgen­magazin» von gestern werden auch Haustiere eingefangen und Leute, die Hunde adoptieren wollen, abgewimmelt. 

 

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Leserkommentare

Dorothea Keuter - ... es läuft ja leider nicht nur in Rumänien so, das Denken und Handeln bezogen auf die Tiere muss sich grundsätzlich ändern. Zum Artikel: Anfang September wurde ein vierjähriger Knabe von einem Hunderudel zu Tode gebissen.... auch wenn dahinter der Satz
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Vor 6 Jahren 10 Monaten  · 
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erika auer - man muss diese huneleben retten sie haben genug mitgemacht mein herz gehört den tieren

Vor 6 Jahren 10 Monaten  · 
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Graziella Schaffer - Es ist leider traurig aber wahr! So viele Tierliebende in Rumänien laufen fast Amok und wissen nicht mehr weiter. Es gibt nähmlich auch viele klasse Menschen in Rumänien die ihr letztes Hemd für die Tiere geben. Wir haben einen solchen Hund und wir sind
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Vor 6 Jahren 10 Monaten  · 
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