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Severin Seliner: "Der 1. August ist ein Tag, an dem tell und Morgarten auferstehen, alle Heldenmythen der Schweiz aufleben und unsere Geschichte nicht kritisch hinterfragt werden darf." Bild: Keystone

"Die Jugendlichen kommen viel zu kurz"

Von: Jan Strobel

29. Juli 2014

Was bedeutet der 1. August eigentlich noch für die Jugend? Hat sich Politikverdrossenheit breitgemacht, oder gibt es Visionen für die Schweiz der Zukunft? Wir sprachen darüber mit dem 20-jährigen Zürcher Severin Seliner, der ab August seinen Zivildienst als Schul- und Klassenhilfe im Schulhaus Heumatt absolviert. Zusätzlich engagiert er sich in der Jugendsession.

Tagblatt der Stadt Zürich: Severin Seliner, was bedeutet für Sie grundsätzlich der 1. August?

Severin Seliner: Es ist ein Tag, an dem Tell und Morgarten auferstehen, alle Heldenmythen der Schweiz aufleben und unsere Geschichte nicht kritisch hinterfragt werden darf. Für mich ist es aber auch ein Fest, welches die Möglichkeit bietet, mit Menschen jeglicher Herkunft, ohne nationale und ideologische Grenzen, zu feiern.

Was heisst für Sie Heimat?

Heimat ist dort, wo ich als Mensch akzeptiert werde und meine Rechte respektiert werden. Heimat heisst für mich aber auch ein Ort, wo meine Freunde leben, ich mich wohlfühle. Wo ich mein Leben selbstbestimmt leben und die Zukunft mitgestalten kann.

Wie sieht denn Ihre Schweiz der Zukunft aus?

Ich wünsche mir ein Land, in dem Menschen leben, die in die Zukunft blicken. Die nicht verharren und sich gegen jede Veränderung wehren, weil sie Angst haben, ihr bequemes und egoistisches Leben zu gefährden. Ich wünsche mir eine Schweiz, in welcher Kinderlärm nicht stört, in der Wertschätzung sowohl der Lebenserfahrung von Senioren, als auch den ungewohnten Ideen der Jungen entgegengebracht wird. Kurz: eine Schweiz, in der offene und solidarische Menschen zusammenleben, in der Nationalität, Alter, Geschlecht, Handicaps und Hautfarbe keine Rolle spielen.

Kommen die Jungen im politischen Prozess zu kurz?

Ja, die Jugendlichen kommen in meinen Augen viel zu kurz. Immerhin werden wir Jungen in der Zukunft die Suppe auslöffeln, die uns die ältere Generation eingebrockt hat. Viele Entscheidungen, die heute gefällt werden, wirken sich nicht heute, sondern erst morgen oder übermorgen auf unsere Lebensqualität aus. Das Stimmrechtsalter 16 wäre ein richtiger Schritt zur Demokratisierung unseres Staates. Jugendliche, die sich aktiv an politischen Entscheidungen beteiligen möchten, müssten die Möglichkeit dazu haben. Anliegen von Jugendlichen haben in der Politik zu wenig Platz. Dieses Fazit muss ich auch aus der Jugendsession ziehen. Unsere Vorstösse und Anliegen wurden bis jetzt nicht oder nur sehr zögerlich von der Politik aufgenommen.

Aber interessiert sich die Jugend ohnehin nicht zu wenig für Politik?

Ich glaube, dass ein grosser Teil der Jugendlichen interessiert ist und sich irgendwie engagiert. Nicht nur ein Engagement in einer Partei ist politisch, sondern auch, wenn man sich zum Beispiel für einen neuen Sportplatz engagiert oder irgendetwas, das der Gesellschaft dient. Es wird etwas gemacht, das uns weiterbringt.

Was kann die Schweiz von Zürich lernen?

Die Schweiz kann von Zürich lernen, dass kulturelle Vielfalt das Leben bunt, spannend und lebenswert macht.                                        n

An der diesjährigen Stadtzürcher Bundesfeier auf der Stadthausanlage spricht Regierungsrat Mario Fehr. Die Feier findet ab 11 Uhr statt. Der Festumzug startet um 10.15 Uhr beim Werdmühleplatz und führt über die Bahnhofstrasse zur Stadthausan­lage. Alle Infos und Veranstaltungen zum 1. August: www.bundesfeier.ch

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Leserkommentare

felix schwaibold - Severin Seliner hat völlig recht das Stimmrechtsalter 16 einzufahren damit alle Schweizer Bürenerinnen und Bürger die in die Jahren 1998,1997 und 1996 geboren sind auch jetzt im Jahr 2014 abstimmen und Wahlen dürfen

Vor 5 Jahren 6 Monaten  · 
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