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In diesem Jugendstilhaus im Seefeld dürfen nur Vegetarier wohnen. Bild: JS

Eine Traumwohnung - nur für Vegetarier

Von: Jan Strobel

16. September 2014

Eine Wohnung im Seefeld bietet alles, was sich ein Zürcher wünschen kann. Doch Fleischesser haben hier keine Chance.

Das Inserat auf der Suchplattform Immoscout 24 verspricht einen wahren Wohntraum an exquisiter Lage: An der Mainaustrasse, mitten im Seefeld, ist für eine Familie «eine Maisonette-Wohnung in sanft renoviertem Jugendstilhaus» ausgeschrieben, 6 Zimmer, 185 Quadratmeter für 4500 Franken monatlich. Auch die Ausstattung lässt eigentlich keine Wünsche offen. Die Wohnung verfügt nicht nur über ein zusätzliches Gästebad und einen Balkon, sondern auch über einen alleinigen Zugang zum Flachdach mit Sitzplatz «und Blick über die Dächer von Zürich». Allerdings: In der renovierten Traumwohnung haben Fleischesser nichts verloren. Künftige Mieter müssen zwingend vegetarisch leben.

Die Bauherrschaft liegt bei der Paula-und-Eduard-Giger-Stiftung, die sich der sogenannten Mazdaznan-Bewegung verschreibt und an der Mainaustrasse ein Lehrheim betreibt. In dieser spirituellen Lehre spielen nicht nur Atem- und Meditationsübungen eine wichtige Rolle; die Anhänger lehnen den Fleischkonsum grundsätzlich ab und ernähren sich strikt vegetarisch.
Doch ist es einem Vermieter überhaupt erlaubt, auch noch das Essverhalten seiner Mieter zu einer Bedingung zu machen? Immerhin ist das Inserat öffentlich ausgeschrieben, spricht also im Prinzip jeden Wohnungssuchenden an.

Liegt hier nicht ein krasser Einschnitt in die Privatsphäre vor? Für Walter Angst vom Mieterverband Zürich ist klar: «Der Vermieter kann die Interessentinnen und Interessenten zwar fragen, ob sie Vegetarier sind. Wenn der Mieter aber später in der Wohnung oder im nahegelegenen Würschtlistand eine Bratwurst isst, würde eine Kündigung von der Schlichtungsbehörde nicht gestützt.»
Mietinteressenten könnten Fragen nach den Essgewohnheiten auch ausweichend oder falsch beantworten. «Daraus wird einem Mieter später kein Nachteil erwachsen.»

Trotz Wohnungsnot sollte man bei der Wohnungssuche aber auch auf das Wohnklima achten, sagt Angst. «In Häusern, in denen die Vermieterschaft ein- und ausgeht, können unterschiedliche Vorstellungen zur Lebensführung zu unangenehmen Konflikten führen. Wenn man in ein Vegatarierhaus einziehen und am ersten Abend eine karnivore Grillparty veranstalten will, ist das sicher keine gute Wohnsuchstrategie.»

Noch schwieriger werde es, wenn das Haus einer Glaubensgemeinschaft oder einem mit einer Glaubensgemeinschaft vergleichbaren Verein gehöre. «Eine Verletzung der sittlichen Vorstellungen der Gemeinschaft kann in einem solchen Haus zu erheblichen Auseinandersetzungen führen. Dann kann es vorkommen, dass die Schlichtungsbehörde eine Kündigung allein schon deshalb als rechtmässig betrachtet, weil so der Hausfriede wieder hergestellt wird.»   

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Leserkommentare

walter spoerri - Es wird immer lustiger mit der Wohnungs-Suche. Die Stadt Zürich vermietet Wohnungen nur an Mieter ohne Auto.( Siehe Kalkbreite

Vor 6 Jahren 1 Woche  · 
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Ursula Hennings - Für mich sehr gut so! Mir wird vom Geruch von gekochtem Fleisch jedes Mal kreuzübel - und so lange penetrante Geruchsverursacher das Lüften im Stiegenhaus meistens ja zu keiner Saison oder Tageszeit für nötig befinden, bin ich absolut einverstanden damit!
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Vor 6 Jahren 1 Woche  · 
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Clementina Farkas - Also irgendwo gibt es Grenzen! Was stellen die für Anforderungen? In einem anderen Inserat heisst es dann noch, dass man vor 22Uhr zu Hause sein muss. Und Frau Hennings, wen interessiert was sie Geruchsmässig stört? Wenn jemand Fleisch brät und essen will,
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Vor 5 Jahren 4 Monaten  · 
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