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Esoterikmesse "Lebenskraft": Infosekta warnt

26. Februar 2015

Jeder siebte Anbieter der Esoterikmesse (26. Februar bis 1. März in Zürich) ist infoSekta durch Anfragen bekannt. Ein Drittel aller Anfragen bei infoSekta betreffen esoterische Gruppe und Anbieter – viele davon sind äusserst sektenhaft und können NutzerInnen in grösste Abhängigkeit bringen, manche gefährden die Gesundheit. Esoterik ist heute ein gesellschaftliches Phänomen. Dazu tragen Events wie die Esoterikmesse stark bei.

Einzelanbieter, Esoterik-Gurus und Vertreter grösserer sektenhafter Gruppen

Auch dieses Jahr wirbt die Messe mit verschiedenen Anlässen und Ausstellern. Es gibt viele Einzelanbieter, manche werden in diesen vier Tagen den wohl grössten Umsatz des Jahres machen. Andere Anbieter gehören zu den ganz grossen im Geschäft wie Harald Wessbecher, ein deutscher Top-Esoteriker, wohnhaft in der Schweiz. Oder Attilio Ferrara, auch er ein hochproblematischer und erfolgreicher Anbieter. Es gibt auch VertreterInnen grösserer sektenhafter Gruppen wie z.B. Oneness, eine indische Gruppe um Sri Bhagavan und Sri Amma mit Anhängern auf der ganzen Welt. Sowohl zu Harald Wessbecher, Attilio Ferrara als auch zu Oneness erreichen infoSekta regelmässig Anfragen. In praktisch allen geht es um grosse Entfremdung von nächsten Angehörigen und starke Abhängigkeit vom Anbieter – um ein typisch sektenhaftes Geschehen also.

Esoterisches Referenzsystem

Unabhängig davon, wie schädlich Angebote sind: sie basieren alle auf wenigen „esoterischen Grundannahmen“:

- Annahme von Analogien: so wie der Verlauf der Handlinie, so der Verlauf des Lebens, so wie der Stand der Gestirne, so der Charakter etc.

Im Workshop „Folge deiner Bestimmung“ von Daniela Maiwald und Roland Zürrer werden die Teilnehmenden in die Methode der „Psychologischen Handanalyse“ eingeführt und erhalten so eine „persönliche Bedienungsanleitung“ für ihr Leben.

- Die Annahme eines zu erreichenden erleuchteten Zustandes durch Mediation, bestimmte Techniken, richtige Ernährung u.a. Ausserdem die Annahme von blockierter Energie als Ursache von Krankheit und negativen Gefühlen, und die Vorstellung, dass solche Blockaden aufgelöst werden können – und damit letztlich der Geist über die Materie herrschen kann.

Referent Burkhard Hickisch weiss: „Unsere Zellen leben vom Licht und die grünen Moleküle als Verbindungsglied zwischen Sonne und Materie versorgen uns mit dem Licht, das wir als Körper-Geist-Wesen brauchen“ .... „Grüne Smoothies sind dabei nur der Anfang einer Revolution, die unsere Sicht auf Ernährung grundlegend verändern wird.“

Der Arzt Manfred Doepp spricht über Gehirn-Attacken. Er meint, durch technisch erzeugten Elektro-Smog öffne sich die Blut-Hirn-Schranke und Toxine und Erreger aus dem Blut würden im Gehirn deponiert. Dadurch entstehe oft frühzeitig eine der grossen „Hirnkrankheiten“ Demenz, Alzheimer, oder Parkinson. Dies passiere durch eine „Glia-Expansion“, die durch von ihm vermittelte Methoden gestoppt werden könne.

- Die Kehrseite der (narzisstischen) Vorstellung, der Geist beherrsche die Materie, ist die Annahme, jeder Schicksalsschlag, jede Krankheit sei letztlich selbst verschuldet.

Daniel Garcia bietet einen Workshop zur „Karma-Auflösung“: „In zig früheren Leben haben wir, meist unbewusst, Ursachen für unser jetziges Leben gesetzt. Das Tolle daran ist aber, das wir JETZT uns von all diesen Taten befreien können.“

... für viele Menschen verbindlich

In der Beratungsarbeit von infoSekta wird deutlich, dass viele Menschen das esoterische Referenzsystem als absolut verbindlich erleben. Gerade bei gesundheitlichen Fragen – und um diese geht es bei esoterischen Angeboten meist – kann das schwerwiegende Folgen haben. Oft werden Depressionen nicht oder zu spät behandelt, es gibt Menschen, die wegen Ernährungsvorschriften bis auf die Knochen abmagern. Und immer wieder hat infoSekta Anfragen, wo es um Personen geht, die an einer heilbaren Erkrankung verstorben sind, weil sie statt auf die schulmedizinische Behandlung auf esoterische Therapien vertraut haben.

Viele Menschen haben ein Bedürfnis nach spirituellem Erleben – nach Erfahrungen, die sie aus dem alltäglichen Erleben herausheben. Manche sehen in der Esoterik eine Möglichkeit, Spiritualität zu leben, ohne einer institutionalisierten Religion nachzufolgen zu müssen. Oft scheint damit auch die Chance einer beruflichen Neuorientierung in diesem Feld verbunden. Schliesslich hat die Verbindlichkeit des esoterischen Referenzsystems auch mit der Logik marktwirtschaftlichen Funktionierens zu tun: Es geht nicht nur um spirituelles Erleben, es geht auch um die Möglichkeit vieler Individuen, in diesem Bereich Geld zu verdienen. Und viele Anbieter leben in der Esoterik ihre Vorstellungen zu ihrem besten eigenen Nutzen.

Esoterik im Zentrum der Gesellschaft

Der Arzt Manfred Doepp war vor Jahren Anhänger der esoterischen Sekte „Universelles Leben“ von Gabriele Wittek. Damals schrieb er: "...Antibiotika und Impfungen. Dahinter steckt natürlich ein mangelndes Vertrauen zur Führung durch Gott. Es wird nicht akzeptiert, dass alles, was geschieht, uns zum Guten dient, wenn wir es annehmen, bejahen und dafür danken. (Dr. Manfred Doepp, Impfen. Die Nachteile überwiegen, in: Der Christusstaat 10/1987, S. 12f.)

Auch heute noch äussert sich Doepp unwissenschaftlich, aber seine Äusserungen stehen nicht mehr im Rahmen einer von der Gesellschaft kritisch gesehenen sektenhaften Gruppe. Vielmehr macht er sie im Rahmen eines gesellschaftlich beachteten Events und verdient damit gutes Geld. Nicht nur als Referent, sondern auch als „Gutachter“ von esoterischen Produkten oder Leiter des „Gesundheitszentrums Bichwil“. Dieses führt Doepp zusammen mit Alexander Glogg von der Firma Fostac, deren überteuerte Produkte vom Kassensturz kritisiert wurden. Und Fostac ist natürlich ebenfalls an der Messe präsent.

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