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Friedhof Nordheim: Kommt es zu einer Störung der Totenruhe wegen durchgehender Öffnungszeiten? Bild: PD

"Gestalten, die dort nicht hingehören"

Von: Jan Strobel

29. März 2016

Friedhöfe: In der Stadt sind sie 24 Stunden geöffnet. Das gefällt nicht allen. Besonders im Friedhof Nordheim soll es nachts verdächtige Besucher geben.

«Tagblatt»-Leserin Maria M. ist eine alteingesessene Oerlikerin und lebt seit über 30 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedhof Nordheim. Eigentlich ist das eine beschauliche grüne Ecke des Quartiers mit ihren akkuraten Gärtchen und dem Käferbergwald. Aber seit einiger Zeit ist es für Maria M. vorbei mit der Beschaulichkeit. Sie fühlt sich besonders in der Nacht, wenn sie mit ihrem Hund unterwegs ist, nicht mehr sicher. «Die Gegend um den Bucheggplatz ist schon länger ein Problem, aber jetzt beobachte ich auch um den Friedhof Nordheim manchmal obskure Gestalten, die dort einfach nicht hingehören», erzählt sie. «Was haben diese Leute in der Nacht beim Friedhof verloren?» Ihre Vermutung: Seit der Friedhof Nordheim 24 Stunden geöffnet sei, sei er zum Anziehungspunkt für Leute geworden, denen es um alles andere als das stille Gedenken gehe. «Ich verstehe nicht, weshalb ein Friedhof rund um die Uhr offen sein soll.»

Tatsächlich sind die Tore der 19 Zürcher Friedhöfe schon länger auch in der Nacht durchgehend geöffnet, ohne dass es dabei zu Vorfällen gekommen ist. Seit Oktober letzten Jahres sind nun auch die letzten vier Friedhöfe Nordheim, Sihlfeld, Manegg und Enzenbühl während 24 Stunden zugänglich. «Friedhöfe sind wichtige öffentliche Grünanlagen, die viele Leute auch als Erholungsraum nutzen», sagt Lukas Handschin von Grün Stadt Zürich. «Der Grundsatz der Öffentlichkeit ist für uns wichtig. Deshalb und wegen der guten Erfahrungen in anderen Friedhöfen, haben wir uns entschlossen, die Friedhöfe durchgehend geöffnet zu lassen.» Als Beispiel nennt Handschin den Friedhof Sihlfeld, dessen ausgedehnte Wiesen besonders während des Sommers von der Quartierbevölkerung zur Erholung genutzt werden. Der Friedhof Sihlfeld ist nicht allein ein Gottesacker, sondern auch die grösste zusammenhängende Grünfläche Zürichs. Die Entscheidung, die Zürcher Friedhöfe nachts nicht mehr zu schliessen, habe bisher nur vereinzelte negative Reaktionen bei der Bevölkerung ausgelöst, sagt Handschin. Zusammen mit dem Bestattungs- und Friedhofamt werde die Situation laufend beobachtet.

Dabei steht die Stadt Zürich mit ihren offenen Friedhöfen keineswegs alleine da. Auch in Winterthur sind die Gottesäcker wie der Rosenberg durchgehend zugänglich. Und die Stadt Luzern hat kürzlich die Bevölkerung sogar direkt ermuntert, die Friedhöfe auch als Parkanlage zu nutzen. Im grössten Friedhof der Schweiz, dem Friedhof am Hörnli im basel-städtischen Riehen, hält sich die Verwaltung allerdings noch an strikte Öffnungszeiten: im Winter von 8 bis 17.30 Uhr, im Sommer von
7 bis 19.30 Uhr.

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Leserkommentare

Karin Unkrig - Rund um die Uhr muss ein Friedhof nicht für die Öffentlichkeit geöffnet sein - nachts gehört er ohnhin den Tieren ;-).

Vor 4 Jahren 3 Monaten  · 
Noch nicht bewertet.

Ursula Merz - Wie lange wird es dauern bis der Friedhof Nachts zweckentfremdet wird? Drogenhandel, Obdachlose, Alkoholiker USW. Also bitte Nachts geschlossen halten.

Vor 4 Jahren 3 Monaten  · 
Noch nicht bewertet.