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Beim Central zögern die Autofahrer und fahren dann auf gut Glück auf die Kreuzung hinaus. Bild: CLA

Hier rätseln die Autofahrer

Von: Clarissa Rohrbach

13. Oktober 2015

In Zürich gibt es Kreuzungen, die einen zur Weissglut bringen. Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf und rät zu defensivem Fahren.

Zwei Minuten. So viel Zeit vergeht, bis am Central schon wieder jemand hupt. Allgemeine Verunsicherung liegt in der Luft. Die Autofahrer geben Gas, bremsen und fahren dann doch zögerlich. Man kommt vom Seilergraben und vom Limmatquai, steht hinter den weissen Linien Schlange, und keiner weiss so recht, was zu tun ist. Viele wagen sich auf gut Glück auf die Kreuzung hinaus, schauen mal, was passiert. Hier wird mediterran gefahren.


Wer dann die Weinbergstrasse hochfährt und nicht in die Leonhardstrasse abbiegen, sondern geradeaus fahren will, muss bis ins ­Schritttempo abbremsen, um sicher­zu­gehen, dass kein Tram kommt. Oft müssen hier die Autos auf den Gleisen halten; eine äusserst unbehagliche Situation.


Die Versuch-und-Irrtum-Methode herrscht auch am Manesseplatz. Einige halten sich brav an den Rechtsvortritt. So brav, dass hinter ihnen geflucht wird. Andere drücken sich von der Uetliberg- in die Manessestrasse. Jeder fährt, wie es ihm gerade so passt, alle sind von der unübersichtlichen Kreuzung genervt.


Drängeln ist ebenso auf der Werdstrasse ein Stressfaktor. Haben die Fahrer auf dem Stauff­acherquai nicht ein grosszügiges Herz, muss man sich durchsetzen. Und natürlich aufpassen, dass man dabei nicht einen Velofahrer anfährt. Ein David-gegen-Goliath-würdiger Kampf spielt sich auch an der Kreuzung Aemtler-/Birmensdorferstrasse ab. Ist auf der Hauptachse Stau, müssen die Benachteiligten bis auf die Gleise fahren und auf eine Lücke hoffen. Nicht selten kommt dann ein Tram angefahren, und die Autos ohne Vortritt müssen verdrossen rückwärtsfahren.


Wenig Unfälle
Dies sind nur einige Abschnitte im Stadtverkehr, an denen die Teilnehmer in Schwierigkeiten geraten. «Uns ist bekannt, dass diese Stellen anspruchsvoll sein können. Sie erfordern die volle Aufmerksamkeit», sagt Heiko Ciceri, Sprecher der Dienstabteilung Verkehr. Allerdings komme es hier zu weniger Unfällen, als man erwarten würde. So gab es am Central in den letzten fünf Jahren lediglich 36 Kollisionen, wobei sich «nur» drei Personen schwer verletzten. Laut Ciceri ist das darauf zurückzuführen, dass sich die Verkehrsteilnehmer der Komplexität der Situation bewusst seien. Sie würden das Tempo verringern, Augenkontakt suchen und Handzeichen machen. Die häufigsten Unfall­ursachen seien Streifkollisionen beim Fahrstreifenwechsel am Central und Missachtung des Vortritts an den anderen Orten.


«Aus Sicht der Verkehrssicherheit drängen sich bei allen Örtlichkeiten derzeit keine Anpassungen auf», meint Ciceri. Die Dienstabteilung Verkehr empfehle, sich hier defensiv zu verhalten. Selbst wenn man den Vortritt habe, solle man diesen nicht erzwingen und mit Blickkontakt und Handzeichen Klarheit schaffen.


Trotzdem regen sich viele Zürcher auf. So auch Mauro Tuena, SVP-Gemeinderat. «Ich fahre tagtäglich an diesen Chaosplätzen vorbei und bekomme fast Tobsuchtsanfälle.» Am Central wäre für ihn ein fix zugewiesener Polizist, der den Verkehr lenkt, eine Lösung. Am Manesseplatz würde er einen Kreisel begrüssen. «Doch vermutlich fehlt es an Platz dafür, das ist das Hauptproblem auf ­Zürichs Strassen.»

Welche Stellen im Verkehr regen Sie auf? Schreiben Sie uns auf: echo@tagblattzuerich.ch

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Leserkommentare

Christian Kaiser - Ich bin gleicher Meinung wie Hr. Ciceri. Ein bisschen Umsicht, Vorsicht und Zuvorkommenheit regelt den Verkehr auch ohne Aerger.

Vor 4 Jahren 8 Monaten  · 
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phaenomen natura - Hmh...? Rechtsregeln beachten. Damit kein Problem seit beinahe 50 Jahren!

Vor 4 Jahren 8 Monaten  · 
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