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Note «ungenügend» für Schulweg-Sicherheit

Von: Sacha Beuth

02. Juli 2024

Nach der Präsentation der Massnahmen für einen sicheren Schulweg an der Thurgauerstrasse regt sich Widerstand gegen die geplante Temporeduktion und eine provisorische Passerelle. Die Eltern der betroffenen Schüler sprechen von einem Planungsdebakel. Nun wehrt sich die Stadt gegen die Vorwürfe.

Kaum hatten am Dienstag, 18. Juni, die Stadträtinnen Karin Rykart (Grüne) und Simone Brander (SP) über die Massnahmen zur Gestaltung eines sicheren Schulweges an der stark befahrenen Thurgauerstrasse in Zürich-Nord informiert, hagelte es bereits Proteste. Für rote Köpfe sorgten vorab die in den Massnahmen enthaltene provisorische Temporeduktion auf 30 km/h sowie eine ebenfalls provisorische Passerelle. Gegen die Massnahmen wurde Widerstand in Form von Rekursen angekündigt, unter anderem weil befürchtet wird, dass es sich bei der Temporeduktion um eine dauerhafte Massnahme handeln wird. Die angekündigten Rekurse wiederum führen bei Elternvereinigungen wie die IG Grubenacker und die IG Andreaspark, deren Kinder im Sommer die neue Tagesschule an der genannten Strasse besuchen sollen, zu Besorgnis und Ärger. Letzteres nicht in erster Linie wegen möglicher Rekurrenten, sondern wegen der Stadt. Dieser werfen die beiden IGs vor, wertvolle Zeit und damit die Umsetzung von sicheren Massnahmen bis Beginn des Schuljahres 2024/25 versäumt zu haben. So hatte die IG Grubenacker bereits vor achteinhalb Jahren Einwendungen wegen fehlender Schulwegsicherheit gegen den Gestaltungsplan Thurgauerstrasse gemacht. Darauf wurde dann eine Passerelle in den Gestaltungsplan aufgenommen, die später jedoch vom links-grün dominierten Gemeinderat gestrichen wurde mit der Begründung, die Strasse dürfe nicht allein den Autofahrern gehören. Durch den tödlichen Unfall am Escher-Wyss-Platz Ende Dezember 2022 gab es dann aber eine Kehrtwende und eine provisorische Passerelle wurde ins Budget aufgenommen. Anfang November letzten Jahres machte dann die IG Andreaspark nochmals auf die Verkehrsgefahren aufmerksam. Sie forderte ebenfalls Massnahmen, da viele Kinder aus ihrem Quartier künftig die Tagesschule Thurgauerstrasse besuchen müssten und dafür drei stark befahrene Strassen zu queren hätten (siehe «Tagblatt» vom 1.11.23, «Weg von einem sicheren Weg»). Umsetzung erfolgt zu spät Allerdings wurden laut den IGs bislang keine einzigen sichtbaren Massnahmen zur Schulwegsicherheit umgesetzt. Und das, was nun präsentiert worden sei, erfolge viel zu spät. Namentlich wird die Anordnung von Tempo 30 auf einem Teil der Thurgauerstrasse angeführt. Die entsprechende Verfügung wurde am 19. Juni 2024 im «Tagblatt» publiziert. Dagegen kann innert einer Frist von 30 Tagen Rekurs eingelegt werden. «Es ist also unwahrscheinlich, dass die Autos zu Schulbeginn mit lediglich 30 km/h am Schulhaus Thurgauerstrasse vorbeirollen werden», betonen die IGs Grubenacker und Andreas­park in einer Medienmitteilung. Im Übrigen würden sich die Massnahmen auf Markierungen auf den Vorzonen entlang der Gewerbegebäude an der Thurgauerstrasse beschränken. Diese Vorzonen seien besonders unsicher und gefährlich. «Hier darf weiterhin der Lieferverkehr zirkulieren, darunter auch LKWs. Und aus und in die Gewerbegebäude gibt es zahlreiche Ein- und Ausfahrten zu privaten Parkplätzen und Tiefgaragen», schreiben die IGs. Die Planung der Stadt sähe zwar vor, dass die Kinder aussen um die Gewerbezone herumlaufen sollen. «Wer sich aber etwas genauer mit dem Stadtplan und der dahinter liegenden Wohnzone beschäftigt hat, wird rasch erkennen, dass sie den viel kürzeren und direkten Weg über einen der Parkplätze zwischen den Häusern benutzen werden.» Sie sprechen darum von einem Planungsdebakel der Stadt. Roger Schaad, Projektleiter Kommunikation beim Tiefbauamt, sieht dies anders und nimmt zu den Vorwürfen wie folgt Stellung: «Die Stadt hat bereits die ebenerdige Querung neben der Schule auf Höhe des zukünftigen Quartierparks verbessert. Die Lichtsignale sind dort in einer durchgehenden, verlängerten Grünphase geschalten. So können die Kinder die Thurgauerstrasse in einem Zug queren.» Poller und Markierungen Bis zum Schulbeginn 2024 / 25 würden zudem weitere Massnahmen wie die Schaffung eines Begleitdienstes für die Querung der Thurgauerstrasse, eine Signalisation «Kinder» und eine Markierung «Schule» auf der Thurgauerstrasse, eine Markierung der Längsstreifen und stellenweise zusätzliche Poller auf der Nebenfahrbahn sowie ein Schulweg durch den Leutschenpark bis zur Thurgauerstrasse umgesetzt. Weiter fände am 2. Juli 2024 eine Schulung für Eltern statt, damit sie mit ihren Kindern den Schulweg bis zum Schulstart am 19. August üben könnten. Allerdings muss Schaad eingestehen, dass es derzeit keine Garantie gäbe, dass Tempo 30 bis zum Schulbeginn umgesetzt werden könne. Auch zur Nutzungsdauer der provisorischen Passerelle kann er keine genauen Angaben machen. «Sie wird voraussichtlich fünf bis zehn Jahre vor Ort bleiben. Ob eine definitive Passerelle geplant und gebaut wird, muss zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen eines Bauprojekts geklärt werden.» Für die IGs ist das offenbar zu unsicher. Sie rufen darum dazu auf, auf Rekurse zu verzichten. Derweil rechnet SVP-Gemeinderat Stephan Iten fest damit. Er befürchtet, dass nach der Errichtung der Passerelle die Temporeduktion nicht rückgängig gemacht wird. Tatsächlich sehen die Planungen der Stadt weiter vor, dass an der Thurgauerstrasse eine Velovorzugsroute errichtet und die Anzahl der Fahrspuren von vier auf zwei reduziert wird. Das Sicherheitsdepartement widerspricht auf Anfrage den Befürchtungen Itens und schreibt: «Es handelt sich ganz klar um temporäre Verkehrsbeschränkungen, bis die provisorische Passerelle gebaut ist. Auch wird Tempo 30 nur auf einem Streckenabschnitt verfügt, nicht auf der ganzen Länge.» Ihre Meinung zum Thema? echo@tagblattzuerich.ch

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