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Die Sexboxen auf dem Strichplatz Depotweg. Bild: PD

Stossverkehr am Depotweg

Von: Jan Strobel

19. August 2015

Vor zwei Jahren nahmen die Sexboxen in Altstetten ihren Betrieb auf. Die Bilanz heute: Nicht nur die Zahl der Sexworkerinnen ist gestiegen, auch immer mehr Freier nutzen das Angebot am Stadtrand.

Als am 26. August 2013 der erste Freier durch den Rundkurs des Strichplatzes Depotweg in Altstetten fuhr, brach in der Stadt eine neue Ära an. Die Sexboxen sorgten international für Schlagzeilen, die Rede war von einem «Zürcher Sexperiment», vom «Sex in the Box». Zu Beginn nutzten die Freier das Angebot eher zögerlich, viele wollten erst einmal aus purer Neugierde einen Augenschein nehmen. Durchschnittlich arbeiteten damals etwa 15 Sexworkerinnen auf dem Strichplatz. «Während der vergangenen zwei Jahre hat sich der Strichplatz etabliert», sagt Ursula Kocher, Betriebsleiterin Frauenberatung Flora Dora, die Sexworkerinnen vor Ort betreut, während Sicherheit Intervention Prävention (SIP) für die Sicherheit sorgt. Die Zahl der Frauen, die am Strichplatz arbeiten, ist gemäss Kocher gestiegen: Im Schnitt stünden heute 25 bis 30 Frauen auf dem Platz. Zum grössten Teil kommen sie nach wie vor aus Ungarn und arbeiten für 90 Tage legal als Sexworkerinnen in der Schweiz.

Bestätigen kann Kocher auch eine Zunahme an Freiern, besonders während der vergangenen Sommerwochenenden. «Da kam es durchaus schon einmal vor, dass Freier im Rundkurs gewissermassen Stossstange an Stossstange warten mussten, bis eine Sexbox frei wurde.» Zu gröberen Zwischenfällen sei es auch im letzten Jahr nicht gekommen, für Kocher ein Beleg dafür, wie gut sich das Sicherheitskonzept und die durchgängige Betreuung bewähren. Gerade diese Sicherheitsmassnahmen für die Sexworkerinnen, aber auch für das Quartier hatten vor einem Jahr für Kritik vor allem aus dem bürgerlichen Lager gesorgt, weil sie die Betriebskosten von rund 500 000 auf rund 800 000 Franken im Jahr erhöhten. «An diesem Betriebsaufwand hat sich nichts geändert, weil er für die Sicherheit auf dem Platz immer noch notwendig ist», betont Kocher. Auch das Gewerbe rund um den Depotweg habe den Strichplatz sehr gut akzeptiert. «Wir arbeiten einvernehmlich zusammen. Die ­Gewerbetreibenden reagieren sofort, wenn ihnen etwas auffällt oder sie etwas stört. Die Kontrollmechanismen funktionieren.»

Wenn ab 1. Oktober nun der Strassenstrich im Niederdorf nur noch für vier Stunden, von 22 Uhr bis 2 Uhr morgens, erlaubt sein wird – könnte sich das auch auf den Strichplatz Depotweg auswirken, vielleicht zu einer weiteren Zunahme sowohl der Sexworkerinnen als auch der Freier führen? Ursula Kocher glaubt nicht daran. «Die Arbeitsbedingungen sind im Niederdorf ganz andere, und auch die Frauen unterscheiden sich von denjenigen am Depotweg. Im Niederdorf rund um die Häringstrasse arbeiten vor allem Rumäninnen – und zwar häufig in ihren Zimmern. Die Kundschaft ist eine ganz andere.»  

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