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Warum?

Was macht eigentlich...

Von: Jan Strobel

05. November 2013

Der Engel vom Hauptbahnhof

Wann genau Frieda Bühler die Erleuchtung ereilt hat, es bleibt ungewiss. Gesichert ist, dass «Schwester Frieda» sich an einem Tag des Jahres 1990 mit ihrem Rollstuhl in die Halle des Hauptbahnhofs begab und begann, die Passanten in aller Stille mit ihren Blicken zu segnen. Den Auftrag dazu hatte ihr Gott höchstselbst erteilt. Seither mischte sie sich jeden Tag unter die Menschenströme des HB und manifestierte sich dort für manche zu einem Ruhepol, gar zu einer spirituellen Kraftquelle, gewissermassen zu einer Zürcher Amma, die die Menschen mit ihren Blicken umarmt. «Schwester Frieda» wurde zur lebenden Stadtheiligen, zum «Engel vom Hauptbahnhof».

Journalisten bemühten sich meist vergeblich um ein Interview, in den Kirchen wurde sie Thema in Predigten, und natürlich ranken sich herzzerreissende Legenden um ihre Person: Frieda Bühler sitze da, weil sie als junge Frau ihren Geliebten verloren habe. Im Zug sei er weggefahren. Seitdem  warte sie mit gebrochenem Herzen auf seine Rückkehr. Andere meinen zu wissen, dass der Engel einmal Krankenschwester gewesen sei und die Drogensüchtigen auf dem Platzspitz betreut habe.

In letzter Zeit allerdings hat sich eine merkwürdige Leere in der Halle ausgebreitet, beim «Tagblatt» gingen besorgte Zuschriften ein, der Engel sei verschwunden, die Segnungen blieben aus. Ist «Schwester Frieda» zu gebrechlich geworden für ihre Mission? Eine Nachfrage bei der Bahnhofshilfe bestätigt die Beobachtungen der Leser. «Schwester Frieda», heisst es dort, sei tatsächlich nicht mehr im Hauptbahnhof anzutreffen. Ihr gesundheitlicher Zustand lasse das derzeit einfach nicht mehr zu, sie werde stattdessen zu Hause gepflegt. 

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Leserkommentare

Ursula Sundermann-Czepan - Sehr bewegend! Durch den ANDEREN ADVENT habe ich gestern erstmals von Schwester Frieda gehört..und der Gedanke an sie begleitet mich seither. Ich danke ihr im Herzen und es gibt mir Kraft und Mut und Hoffnung, dass es solche Menschen gibt. Könnte ich ihr
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Vor 5 Jahren 5 Monaten  · 
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