Sacha Beuth
Diese Woche hielt ich eine der letzten Print-Ausgaben von «20 Minuten» in der Hand. Und es war ein merkwürdiges Gefühl, denn ich machte mit der Pendlerzeitung eine Hassliebe-Beziehung durch. Als «20 Minuten» in der Schweiz lanciert wurde, arbeitete ich schon für das «Tagblatt», welches damals «ZürichExpress» hiess. Für mich war es nicht nur unliebsame Konkurrenz, sondern ein Medium, dass sich mit der Themenwahl gezielt bei den Jungen anbiederte. Peinlich. Angefasst hatte ich die Zeitung nur, um mich darüber lustig zu machen, was sie wieder alles abgeschrieben hatten. Eine Story, die ich nicht selber hätte verwenden können, hätte ich eher dem «Blick» oder dem Teufel verschenkt, als «20 Minuten» verkauft.
Doch irgendwann wendete sich das Blatt. Ich begann, mich über Sportteil und Rätselseiten nach vorn zu den Boulevard- und Politnews durchzuarbeiten. Und stellte fest: Ja, die Jungs und Mädels liefern vorab «Kurzfutter». Aber die Themenwahl ist interessant und die Inhalte meist gut zusammengefasst. Der tägliche Griff in eine «20 Minuten»-Box wurde zum liebgewonnen Ritual – auf das ich nun verzichten muss. Dennoch, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Werdstrasse, wünsche ich Euch mit Eurem «Nur-noch-Online»-Auftritt nur das Beste. Und das nicht nur weil Weihnachten ist.
Sacha Beuth, Redaktor