Sacha Beuth
Eines muss man den Grünen der Stadt Zürich zu Gute halten. Sie haben ein Händchen für emotionale und aufmerksamkeitsheischende Themen. Das zeigt ihr neuster Vorstoss im Gemeinderat, der fordert, dass Werbung für Flugreisen auf Stadtgebiet verboten werden soll (siehe Seite 2). Zweck ist, die Bevölkerung über ihr klimaschädliches Handeln zu sensibilisieren und sie dazu zu bringen, mehr mit dem Zug zu reisen.
Nun hat Werbung natürlich eine gewisse Wirkung. In diesem Fall ist es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass bei einem Verbot weniger geflogen wird. Einerseits, weil diese Werbung vorab darauf abzielt, Verbindungs- und/oder Preisvorteile der Fluggesellschaften zu promoten und nicht oder nicht in erster Linie Urlauber vom Zug oder Auto ins Flugzeug zu locken. Und andererseits, weil sich schon in der Vergangenheit gezeigt hat, dass auch durch mehr ökologisches Bewusstsein Ferienreisende an ihren Zielen festhalten.
Beste (oder genauer: schlechteste) Beispiele hierfür sind die zahlreichen Meldungen von Klimaaktivisten und Grünenpolitikern weltweit, die 2023 – trotz besserem Wissen – nach Thailand, Bali, Mexiko oder Belgien flogen oder gar den Flieger dienstlich für einen Inlandflug von Wien nach Vorarlberg nutzten. Ein Werbeverbot ist nicht zielführend und nur Effekthascherei.
Sacha Beuth, Redaktor