Andri Silberschmidt, Unternehmer und FDP-Nationalrat
Am 1. August reden wir gerne von Souveränität – politisch, wirtschaftlich, manchmal auch bei der Ernährung. Doch kaum jemand spricht von digitaler Souveränität. Dabei ist sie entscheidend für unsere Sicherheit und unsere Demokratie.Unsere digitale Infrastruktur – vom Smartphone bis zur Cloud – stammt fast vollständig aus dem Ausland. Und unsere politischen Debattenfinden zunehmend online statt – auf Plattformen, die nicht in der Schweiz entwickelt wurden und deren Algorithmen auf Klicks, nicht auf Dialog ausgerichtet sind.
Was zählt, ist nicht die durchdachteste Meinung, sondern jene, die polarisiert. Demokratie aber darf kein Geschäftsmodell sein. Sobald Profit über Diskurs gestellt wird, gerät unsere direkte Demokratie in Gefahr.
Dabei leben wir in einem Land der Tüftler und Pioniere: Das Internet wurde in Genf mitentwickelt, Programmiersprachen wie Python stammen aus Europa. Doch die wirtschaftliche Verwertung dieser Innovationen geschieht oft anderswo. Während amerikanische Firmen unsere Märkte dominieren, investieren wir zu wenig in unsere eigenen Ideen.
Stattdessen beobachten wir mit, wie Start-ups scheitern oder verkauft werden – um erst dann als «Erfolg» zu gelten, wenn sie ein US-Konzern übernommen hat. Wenn wir unsere digitale Souveränität stärken wollen, braucht es einen Mentalitätswandel: Mehr Mut zur eigenen Technologie. Mehr Vertrauen in lokale Innovation. Und mehr Kapital – auch aus der Bevölkerung – für die Ideen von morgen.
Denn technologische Souveränität ist wirtschaftliche Souveränität.Und diese wiederum ist politische Handlungsfähigkeit. Wer die Schweiz von morgen sichern will, muss Unternehmertum fördern – nicht verdäch-tigen. Denn ohne unternehmerische Freiheit gibt es keinen Fortschritt. Und ohne Fortschritt keine echteUnabhängigkeit.
Andri Silberschmidt
ist Unternehmer und FDP-Nationalrat