Sibylle Ambs. Bild. SA
Mein Hirn switcht zurzeit zwischen der Zukunft (KI, und was sie alles mit sich bringt) und der Vergangenheit (das innere Kind, die 80iger, wie kommts, dass ich plötzlich alt bin) hin und her. Während auf LinkedIn gefühlt alle nur noch KI im Kopf haben und die Zukunft mal farbiger, mal düsterer malen, sich an ihren Text-, Bild- und Code-Experi-menten mit Claude, Perplexity und Chat GPT erfreuen, werde ich drüben auf Instagram grad zugeschüttet mit Inhalten aus den frühen (19)80iger und 90iger.
Zwischen Depeche Mode und Mon-chichi, Pez-Täfeli und Walkman wird mir erzählt, wie wild und frei unsere Jugend war, wie krass es ist, dass wir es alle ohne Helm und Sicherheitsgurt bis zur Volljährigkeit geschafft haben und wie smart wir gewesen sind, uns trotz Ohne-Handy mit unseren Freunden zu treffen, nicht im Grossstadt-Dschungel verloren zu gehen oder dem Schwarzen Mann zum Opfer zu fallen.
Zugegeben, in der Retrospektive sieht alles immer besser, farbiger, verwegener aus. Und trotzdem: Wir Gen-X-ler haben diese ganze digitale Transformation nicht nur mitgemacht, wir haben sie sogar erfunden und vorangetrieben. Ja, in unserer Jugend wurden wir uns selbst überlassen, heute würde wohl die KESB eingreifen, aber: Wir habens überlebt, sogar sehr gut, denn wir sind inzwischen selbständig denkende Individualistinnen und Individualisten, die generell Verantwortung übernehmen können/wollen/müssen. Wir konnten und können uns bis heute durchschlagen, wir regeln unsere Dinge, wir suchen nach Lösungen und wir haben Durchhaltewillen. On- und offline. Wir sind gekommen, um noch eine Weile zu bleiben.
Die vergangenen 40 Jahre haben uns gelehrt: Die Zukunft fängt jeden Tag von neuem an, darauf muss man sich einlassen (können), damit gilt es zu dealen. Und wer könnte das besser, als wir alle die, die eine Waldhütte gebaut, ein Velo geflickt, eine Barbiepuppe auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt haben, eine Mixtape erstellt und hunderte Liebesbriefe auf Zetteli gekrizzelt haben, ganz ohne je Chat GPT zu fragen wie das geht?
Sibylle Ambs ist selbständige Texterin
und Journalistin.