Matthias Ackeret ist Journalist und Verleger
Ich habe mir lange überlegt, warum die VBZ plötzlich einen Grossteil ihrer Linien änderte. Und ehrlich gesagt, keine der offiziellen Antworten überzeugte mich wirklich. Es gibt – und das behaupte ich als Tram-Laie – keinen logischen Grund, warum meine geliebte Linie 11 nach gefühlten hundert Jahren nicht mehr nach Rehalp, sondern ins Seefeld fährt. Stattdessen bedient der Seefeld-Klassiker, das Tram 4, plötzlich die Menschen in Hottingen.
Klar, dies sind gegenüber all den anderen Problemen, denen die Menschheit momentan ausgesetzt sind, Banalitäten. Zudem ist die Stadt in den letzten Jahren wirklich gewachsen. Kommt dazu, dass die Tramhaltestelle beim Hauptbahnhof während eines ganzen Jahres umgebaut wird, wobei deren lange Bauzeit auch nicht ganz klar ersichtlich ist. Der berühmte Kristallpalast in London, ehemals grösstes Gebäude der Welt, wurde 1851 in 27 Wochen erstellt. Die VBZ sind – und das muss aber mal gesagt werden – nicht zuletzt wegen ihrer Zuverlässigkeit und ihrer witzigen Werbekampagnen der Zürcher Kreativ-agentur Ruf Lanz jenes Mobilitätsunternehmen mit dem weltweit besten Image. Sozusagen das Gegenstück zur deutschen Bahn.
Einen solchen Nimbus sollte nicht leichtfertig durch einen Fahrplanwechsel riskiert werden. Bereits Michael Gorbatschow wollte zu viel auf einmal, das Resultat ist bekannt.
Deswegen nochmals meine Eingangsfrage: warum so kompliziert, wenn es auch einfacher ginge? Man hätte zumindest die Nummerierung gleich lassen können. Schon wegen den Hunderten von Passagieren, die sich diese Routenführung über die Jahrzehnte in den Kopf eingebrannt haben. Klar im Leben braucht man manchmal Veränderungen und ein gewisses Chaos hält auch jung. Aber warum gerade bei unserer geliebten VBZ?
Darum meine Forderung: Lasst die 11 nach Rehalp und die 4 wieder ins Seefeld fahren. Das wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk. Am Ende bedeutet dies nur einen Weichenwechsel beim Bellevue.
Matthias Ackeret
ist Journalist und Verleger