Stefan Haupt, Filmregisseur (Zwingli etc.), Autor und Produzent aus Zürich
Ich fürchte, dass manchen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nicht bewusst ist, welche Brisanz der Abstimmung über die Halbierungsinitiative innewohnt. Es geht hier nicht darum, der SRG eins auszuwischen, gegen Gebühren zu toben oder fortan 37 Rappen pro Tag zu sparen. Nein: hier sind schlechte Verlierer mit einerpolitischen Agenda am Werk.Vor wenigen Jahren hatten die Initianten mit der «No Billag»-Initiative eine deutliche Schlappe erlitten – knapp 72 Prozent stimmten dagegen! – nun probieren es sie es erneut mit der Halbierungsinitiative, welche die SRG zuerst massiv schwächen und letztlich kaputtsparen wird – mit gravierenden Folgen für unsere direkte Demokratie.
Ich bin froh, dass die SRG weder dem Staat noch gewinnorientierten Investoren gehört. Sie ist quasi unser Tafelsilber in Sachen verlässliche, ausgewogene Information. Und sie gehört uns allen. Genau darin liegt ihre Stärke und ihre Unabhängigkeit. Wenn nun ein SVP-Nationalrat, selber ein Banker, der als einer der reichsten Parlamentarier gilt, über den angeblichen «Linksdrall» der SRG jammert, so wiederholt er zwar endlos seinen Vorwurf, doch wird dieser dadurch nicht wahr. Denn eine Studie der Universität Zürich bestätigte eben erst, dass die SRG objektiv, sachgerecht, faktenbasiert und vielfältig informiert.
Wer das Budget der SRG halbieren will, öffnet bewusst die Schleuse für eine neue Medienordnung, in derfinanzielle Macht auch publizistische Macht bedeutet. Sollen in Zukunftalso private, gewinnorientierteMedienkonzerne und ihre reichen Besitzer unsere Meinungen prägen? Wollen wir, dass Fake News und politische Desinformation unsere Abstimmungen und Wahlen beeinflussen? Wünschen wir uns Medienverhältnisse wie in den USA – wie aktuell beispielsweise bei den Massenentlassungen und der Kursänderung der «Washington Post»? Nein.
Am 8. März heisst es: Abstimmen. Ich werde ein klares «Nein» in die Urne legen.
Stefan Haupt, Filmemacher,
Regisseur und Filmproduzent