Christian Messikommer. Bild: PD
Neulich habe ich Jeans gekauft: Bundweite, Beinlänge und Kreditkarte eintippen, fertig. Meine allererste Jeans war von der Levi’s Kleiderfabrik Baden: Spottbillig, aber ohne Markenzeichen, also uncool. Noch uncooler waren Migros-Jeans der Hausmarke «Crack». Vermutlich hiessen die so, weil man sie rauchen konnte. Die Mode mäanderte durch alle möglichen Schnitte: Das fing an mit Latzhosen: Jungs sahen aus wie Bauerntölpel, während Mädels darin den Sideboob erfanden. Dann kamen die Rüebli-Jeans, die neulich ein VBZ-Plakat inspiriert haben. Diese Jeans waren ein Verbrechen an der Menschheit. Das Rebellen-Beinkleid, das jeden Hintern appetitlich verpackte, war zum Fesselballon mutiert. Die Gegenbewegung war hautenge Jeans, die so aussahen, als hätte man einem Primarschüler die Hose geklaut. Erst wenn man nicht mehr atmen konnte, sass die Hose richtig. Heutige Skinny-Jeans haben Elast im Stoff. Die 90er Jahre brachten Cargo-Jeans mit vielen Taschen. Die waren auch praktisch im Ausgang mit der Freundin: Meine Hose war ihre Handtasche. Ich hätte meine Wohnung zügeln können mit diesen Hosen. Weiter gings mit Destroyed-Jeans. Die Schlange vor dem Kaufleuten sah aus, als wären die Leute von einem Wolfsrudel angegriffen worden. Destroyed habe ich nie begriffen. Ich würde kein neues Auto kaufen, das schon total zerbeult ist. In den Nullerjahren trug man Gangsta-mässig den Hosenbund Mitte Oberschenkel, damit die Boxershorts auch mal Tageslicht sehen. Man musste dabei so schreiten, als hätte man volle Windeln. Bei den Frauen hiessen sie Low-Rise-Jeans und waren verbunden mit einer String-Tanga-Tragepflicht. Danach das pure Gegenteil: Die schlabbrige Mom-Jeans, die bis unter die Achselhöhle reicht und vermutlich von einem religiösen Fanatiker designt war.
Heute kann ich keine Strömung mehr ausmachen. Aber mittlerweile bin ich auch in einem Alter, in dem ich meine Kleider am selben Ort kaufe wie meine Lebensmittel.
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Christian Messikommer ist Journalist,
verheiratet und Vater zweier Töchter