Stefan Urech, Gemeinderat. Bild: PD
In wenigen Tagen beginnt «Zürich liest». Die Stadt unterstützt das Literaturfestival grosszügig: Bisher fliessen 80000 Franken, ab 2028 sollen es, sofern der Gemeinderat zustimmt, sogar 138800 Franken jährlich sein. Der Verein bezweckt die «Förderung der Buchkultur und des Lesens». Ein schönes und wichtiges Anliegen.
Wer das diesjährige Programm genauer unter die Lupe nimmt, schluckt allerdings etwas leer. Rund jede fünfte Veranstaltung hat einen politischen und aktivistischen Einschlag– praktisch ausnahmslos mit Schlagseite nach links. Titel wie «Mehr schreibende Frauen auf Wikipedia!», «Das Klima und ich» über den persönlichen Umgang mit der Klimakrise oder «Queer Schreiben» geben einen Eindruck davon. Bei Letzterem geht es um «queere Lebensentwürfe und Perspektiven» und einen «geschützten Resonanzraum». Bei «Hoffnung Denken: Männlichkeit» wird unter «Von Fitness zu Faschismus» eine gewagte Verbindung zwischen Fitnesskult und Faschismus gezogen.
Fast schon sinnbildlich für die woke Ausrichtung dieser Veranstaltung ist der «BIPoC-only Stammtisch zu Solidarität» im «Feministischen Streikhaus». Dort geht es um Solidarität als «essenziellen Beitrag zur Veränderung».
Von einem Buch oder einer Lesung ist dort keine Rede. Immerhin wird das Publikum doch noch zum Lesen aufgefordert, nämlich zur Lektüre des «Awareness Konzepts» des Streikhauses. Nach Veranstaltungen zu Themen, die den vorherrschenden linken Mainstream kritisch hinterfragen, von denen es eine Menge geben würde, sucht man dagegen vergeblich. Mit akademisch-linken Themenabenden bestätigt sich eine ohnehin überzeugte Bildungselite in ihrem Denken selbst und verpasst die Chance einer Selbstreflexion.
Einen wichtigen Förderzweck, nämlich die Leseförderung, hat man dabei ziemlich aus den Augen zu verloren. Dabei wäre gerade dieser von eminenter Bedeutung, zeigt doch die PISA-Studie alljährlich zunehmende und
erhebliche Defizite bei der Lesekompetenz Jugendlicher.
Stefan Urech,
Sekundarschullehrer und
SVP-Gemeinderat