Total korrekt war er vielleicht nie. Und ja, im Oktober 2024 hat er eine Aussage gemacht, die nicht gut war. Damals sagte Thomas Gottschalk (gr. Bild) gegenüber «Spiegel», dass er während seiner Shows Frauen immer nur dienstlich anfasste. In Erinnerung sind dem Publikum vor allem zwei Berührungen geblieben. 1997 tätschelte der «Wetten, dass …»-Moderator das Bein von Ex-Spice-Girl Emma «Baby Spice» Burton definitiv zu lange. Ein anderes Mal liess der TV-Mogul vor Steffi Graf die Hosen runter, um den ehemaligen Tennisprofi sogleich aufzufordern, sein Knie zu massieren. Heute sind solche Szenen undenkbar. Das ist auch gut so.
Nicht nur deswegen ist es ebenfalls gut, dass Gottschalk nun die TV-Bühnen verlassen hat. Am 6. Dezember verabschiedete er sich in der RTL-Sendung «Denn sie wissen nicht, was passiert» in seine wohlverdiente Rente. Ich war dabei. Und spürte Wehmut. Gottschalk führte ab 1987 durch 151 riesige Samstagabendkisten «Wetten, dass…?». Auf Gottschalks Couch sassen alle. Michael Jackson, Elton John, Britney Spears, Cher, you name it. Auf der Couch daheim sass ich. Mit meinen Eltern und meiner Schwester. «Wetten, dass…?» war ein fixes Familiendate. Wir fieberten mit, assen Chips und Schoggi, durften lange aufbleiben. Gottschalk war ein erster Held meines jungen Lebens. Ein Unsterblicher. Einer wie keiner.
Jetzt hat Thomas Gottschalk Krebs. Eine aggressive Form. Eine, die ihm den TV-Abgang vermieste. Wegen seiner starken Medikamente redete Gottschalk bei der dies-jährigen «Bambi»-Verleihung wirres Zeug. Nur deswegen machte er seine Krankheit überhaupt publik. Das ist dann wohl die Kehrseite des Ruhms. Ganz egal, was war und dass nicht immer alles nur gut war: Mit Gottschalk geht ein grosses Stück meiner Kindheit. Ein grosses und sehr schönes. Dafür bin ich Thomas auf ewig dankbar.
Text: Maja Zivadinovic
Bilder: MZ/Instagram