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Kultur

Mit viel Umsicht und Engagement entstand im Belvoirpark in der Enge einer der schönsten Irisgärten von ganz Europa. (Bilder: aus «Paradiese mit Seeblick» / Gaston Wicky)

Ein Blick ins Paradies

Von: Isabella Seemann

28. Juli 2020

Ob am Ufer oder am Hang: Die idyllische Landschaft rund um den Zürichsee ist reich an Gärten. Der «Tagblatt»-Gartenkolumnist Andreas Honegger öffnet in seinem neusten Buch «Paradiese mit Seeblick» die Tore zu den schönsten Refugien in der Stadt und in den Gemeinden am See. 

Welch eine faszinierende Kulturlandschaft die Gegend rund um den Zürichsee ist, erkennt man am besten vom Schiff aus. Liebliche grüne Hügel, Siedlungen, die an ihren Rändern in Wiesen und Wälder übergehen. Bäume und Sträucher, die die Häuser umhüllen. Gärten und Parks, Promenaden und Anlagen. Deren Bedeutung für den Erhalt des Landschaftscharakters bewusst zu machen, ist eines der Ziele, die Andreas Honegger und Gaston Wicky mit ihrem neu erschienenen Buch «Paradiese mit Seeblick – Exklusive Gärten rund um den Zürichsee» anstreben. Der Tagblatt-Gartenkolumnist und ehemalige NZZ-Redaktor besuchte zusammen mit dem Zürcher Fotografen Gaston Wicky öffentlich zugängliche Parkanlagen und Schaugärten von Gartenbaufirmen, vor allem aber erhielt der bekennende Gartenfreund dank seines Netzwerkes und der garantierten Diskretion Einblick in hinter Hecken und Mauern verborgene Privatgärten. Dabei entdeckte er nicht nur einen Reichtum an Bäumen und Blumen, sondern auch eine enorme Menge an kontinuierlichem, geduldigem menschlichem Effort, den es benötigt, einen Garten zu erschaffen.

 

 

Prachtvolle Parks und geheime Gärten: Die Landschaft um den Zürichsee birgt viele Paradiese. Tagblatt-Kolumnist Andreas Honegger öffnet die Tore und präsentiert 40 der schönsten Refugien mit üppigem Grün, verschwenderischen Blüten sowie selbst exotischem Flair.
Andreas Honegger, Gaston Wicky (Fotografie): «Paradiese mit Seeblick – Exklusive Gärten rund um den Zürichsee», Prestel Verlag, Fr. 82.00

 

Rosen, Rhododendren und Hortensien stehen bei vielen Gartenbesitzern zwar immer besonders hoch im Kurs. Doch Honegger besuchte auch Pflanzensammler, die wie er selbst den halben Globus in ihren Gärten vereinen. «Überrascht hat uns die Vielfalt der Gärten und die sichtbare Begeisterung der Menschen für die Schönheit der Welt der Pflanzen», berichtet er von seinen Begegnungen. Wer durch den Prachtband mit seinen hinreissenden Bildern blättert, schaut und liest, seinen Neid zügelt und sich stattdessen ebenfalls an der Schönheit erfreut, flaniert bald in der Phantasie durch den barocken Garten des Seehofs in Meilen, betritt einen Rosengarten mit Dutzenden verschiedener Sorten, verweilt auf dem Bänklein im Schatten eines majestätischen Blauglockenbaums, schaut den Enten und Schwänen im Weiher eines verzaubert wirkenden Gartens zu und meditiert zwischen japanischen Ahornen im fernöstlich anmutenden Gartenreich, von dem aus die vertraute Seelandschaft wie eine Bucht am Kawaguchiko-See wirkt. «Da die Stadt am See liegt und im Rebbergklima, kann man hier viele mediterrane Pflanzen im Freien setzen», erklärt Andreas Honegger. «Das ergibt natürlich viel mehr Möglichkeiten der Gartengestaltung.» Auf einer Schifffahrt von Zürich in die Rosenstadt Rapperswil mit ihren zahlreichen Rosarien erkennt man freilich auch, wie die Landschaft des Zürichsees immer mehr zubetoniert wird, wie sich die Siedlungsgebiete mehr und mehr ausdehnen. «Zum Glück gibt es in Zürich noch viele grosszügige Gartenanlagen um Privathäuser, aber sie sind durch die mit der Bevölkerungszunahme verbundene Verdichtung entsprechend bedroht», meint Andreas Honegger. Diese privaten Gärten wirken wie Biotope, sie sind Oasen und «Lungen» in der überbauten Agglomeration. «Wir müssen sie erhalten und mit allen Mitteln verhindern, dass sie der Verdichtung zum Opfer fallen. Die Grossagglomeration Zürich muss nicht unendlich weiterwachsen, wir brauchen nicht immer mehr Einwohner.» Zudem hätten die Gärten am See gezeigt, wie die Natur – etwa die Schilfzonen – im privaten Bereich erhalten werden könne. Eine Forderung des Naturfreundes lautet denn auch: «Es darf keinen öffentlichen Seeuferweg geben: Wie das rund um den See aussehen würde, zeigen die zugemüllten Seeanlagen in der Stadt nach einem schönen Wochenende sehr anschaulich.»

Von Massenanstürmen und Vermüllung ist der Irisgarten im Belvoirpark, einer der öffentlichen Parks, die im Buch porträtiert werden, bislang glücklicherweise verschont geblieben, obgleich er nur einen Katzensprung vom See entfernt ist.

1985 wurde der Garten mit heute über 120 wilden und gezüchteten Sorten, darunter Schwertlilien, Taglilien und Irisblumen, im unteren Parkbereich angelegt. Sie sind nach Farben in Schaubeeten geordnet und werden mit beachtlichem Aufwand gepflegt. Die rund vierzig Gartenporträts im Buch fördern denn auch die Wertschätzung für die Paradiese, die erschaffen sind aus dem Geist und mit der Hand des Menschen.

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