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Kultur

Ausschnitt aus Serpentina Hagners Graphic Novel zur Entstehungsgeschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland, die im Bundestag ausgestellt ist. Bilder: PD

Mit Comics in den Bundestag

Von: Isabella Seemann

22. Januar 2019

Mit ihrem Erstlingswerk «Der Märchenmaler von Zürich» gelang Serpentina Hagner (63) ein Überraschungserfolg. Nun zeigt die preisgekrönte Zürcher Comic-Zeichnerin in einer Ausstellung im Bundestag in Berlin eine Graphic Novel zum 100-Jahr-Jubiläum des Frauenwahlrechts in Deutschland.

Als wäre es nicht Kunststück genug, mit 60 ein Debüt als Graphic-Novel-Zeichnerin zu geben und das Jahr darauf prompt einen der renommiertesten Comicbuchpreise zu erhalten. Da wird die Zürcherin Serpentine Hagner kurz hernach auch noch vom Kunstbeirat des Deutschen Bundestags beauftragt, zum 100-Jahr-Jubiläum des Frauenwahlrechts in Deutschland die «Kurze Entstehungsgeschichte einer Selbstverständlichkeit» zu illustrieren. 

«Ich hätte im Traum nie daran gedacht, dass so etwas passieren würde in meinem Leben», sagt die ehemalige Köchin und Gastronomin. 

Verständlicherweise fühlt sie sich «ein wenig gebauchpinselt». Vergangene Woche reiste die 63-Jährige von Höngg nach Berlin zur Vernissage der Ausstellung, die im Reichstagsgebäude von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eröffnet wurde. «100 Jahre Frauenwahlrecht – 19+1 Künstle­rin­nen», wobei die 1 für Serpentina Hagner steht, wird noch bis 31. März gezeigt. Ihre «grafische Novelle» wird zudem in Heftform an alle Parlamentarier ausgehändigt. Auf 21 grossen Tafeln, die je eine Seite eines Buchs darstellen, schildert die Zeichenkünstlerin in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Autor Albert Jörimann die Entwicklung der Frauenrechte in der Weimarer Republik sowie den Rückschlag durch die verheerenden Folgen der nationalsozialistischen Terrorherrschaft auch und gerade für die Stellung der Frau. Anschliessend geht es zu den 1968ern und dem Verbrennen von BHs bis zur Kanzlerschaft von Angela Merkel. 

Mit Leichtigkeit, so scheint es, gelingt es Serpentina Hagner, die Stimmen der Vergangenheit wie der Gegenwart lebendig werden zu lassen – ohne in Dogmatismus zu verfallen. Denn das lebensfrohe Selbstbewusstsein der Künstlerin spiegelt sich auch in ihrem Werk. So schliesst diese feinfühlig kolorierte Graphic Novel stimmig an ihre preisgekrönte Comic-Geschichte «Der Märchenerzähler von Zürich» an, in der Serpentina Hagner die abenteuerliche Lebensgeschichte ihres Vaters und vor allem ihrer Grossmutter erzählt – eine Angehörige des «fahrenden Volkes», die ihr Schicksal in die Hand nimmt und sich selbstbewusst ihren Platz in der Gesellschaft sichert. 

Serpentina Hagner in ihrer Wohnung in Zürich-Höngg, wo sie auf ihrem Tablet Strich um Strich die Figuren ihrer Graphic Novels zum Leben erweckt. 

Gut zu wissen:
Serpentina Hagner wurde 1956 in Zürich in eine Künstlerfamilie geboren und nach einer verwunschenen Märchenfigur benannt. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule war sie als Künstlerin tätig. Später machte sie ihre zweite grosse Leidenschaft, das Kochen, zu ihrem Beruf, so leitete sie die Cafeteria im Rietberg Museum. Ab den 1990er-Jahren widmete sie sich wieder vermehrt der Kunst und begann, ihre Familiengeschichte zu erforschen. Daraus entstanden die Graphic Novels «Der Märchenmaler von Zürich» (2017) und «Der Blechbauchmaier», der Mitte September 2018 erschien.

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