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Was macht eigentlich...

Ursula Koch, Alt-Stadträtin

«Mir geht es gut. Ich bin glücklich.» Es waren die letzten Worte, die Ursula Koch der Öffentlichkeit mit auf den Weg gab, bevor sie sich zu einem Phantom wandelte, unauffindbar, entstiegen in die neblige Sphäre der Mutmassungen. Gefallen waren die Worte im Dezember 2000. Im April desselben Jahres hatte Ursula Koch entnervt ihr SP-Präsidium hingeschmissen und die politische Bühne endgültig verlassen. Zuletzt sah sie sich als Opfer einer parteiinternen Intrige, fühlte sich von ihren Genossen übergangen und von Journalisten in die Ecke getrieben. Indem sie abtauchte, machte sie sich unangreifbar – und liess damit ihre geliebten Zürcher alleine die Geschichte weiterspinnen. Gesichert scheint dies: Im November 2000 heiratete die Alt-Stadträtin in aller Heimlichkeit ihren langjährigen Lebenspartner, machte die Autoprüfung und begab sich mit ihrem frisch Vermählten auf Weltreise. Danach verliert sich die Spur. Gerüchtehalber soll sich die Tochter eines polnischen Juden für längere Zeit in Israel aufgehalten haben. Andere wähnen das Phantom gar in Argentinien oder in Südfrankreich. Dann wiederum gibt es die weniger aufgeregten Verfechter der Zürich-Theorie, welche die mittlerweile 71-Jährige ganz unspektakulär in unserer Mitte glauben. An der Uni soll sie unlängst inkognito Vorlesungen besucht haben – mit einem neuen Haarschnitt. Ihr Stammlokal in Zürich sei angeblich nach wie vor das Café Marion an der Mühlegasse im Niederdorf. Bei einem spontanen Besuch allerdings sass die Gesuchte natürlich nicht im Lokal, auch eine spätere telefonische Nachfrage blieb erfolglos. Immerhin macht ein anderes Gerücht hellhörig. Ihr Gatte soll in einem wohlhabenden Dorf auf dem Mutschellen ein eigenes Informatikgeschäft betreiben. Wurde Ursula Koch vielleicht also Aargauerin? Doch die Mauer des Schweigens, sie ist unüberwindlich. Ursula Koch bleibt eine Figur im Konjunktiv.

12. Februar 2013

Von: Jan Strobel

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