Nebel als Wellnessprogramm
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Echsen, die Nebel für ihr Wohlbefinden benötigen – auch im Zoo. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Echsen, die Nebel für ihr Wohlbefinden benötigen – auch im Zoo. - Von Severin Dressen
Wer in Zürich wohnt, kennt es. Alle Jahre wieder versinkt die Stadt pünktlich zum Spätherbst in einer dicken Nebelsuppe. Kann ich im Sommer vom Büro aus bis zum Säntis schauen, freue ich mich im November und Dezember, wenn ich wenigstens die Lewa Savanne sehe. Der Blick aus dem Fenster bietet in dieser Jahreszeit meist nur eine triste Melange aus Grautönen.
Während ich persönlich auf Nebel verzichten könnte, gibt es Tierarten für die ist Nebel sogar überlebenswichtig. Beispielsweise für den Kurzkopf-Taggecko, über den ich an dieser Stelle auch schon einmal berichtet habe. Er lebt im Süden Madagaskars, dort wo so gut wie nie Regen fällt. Seinen Flüssigkeitsbedarf deckt er ausschliesslich, indem er Tau von Pflanzen leckt, die der morgendliche Nebel vom Meer ins Landesinnere trägt.
Perfektioniert hat diese Technik ein kleiner Käfer, der in der Namib-Wüste lebt. Jeden Morgen hebt er sein Hinterteil in den Küstennebel und wartet darauf, dass das Wasser auf seinem Körper kondensiert und nach unten Richtung Mundhöhle fliesst. Clever, nicht?
Nicht überlebenswichtig, aber sehr sinnvoll für die Hautgesundheit ist Nebel für den Exuma-Wirtelschwanzleguan. Die vom Aussterben bedrohte Art lebt bei uns im Australienhaus. Da die Mitbewohner der Leguane, namentlich Koalas und Woylies, eher trockenes Klima bevorzugen, wäre es wenig sinnvoll das gesamte Australienhaus einzunebeln. Dennoch möchten wir für alle unsere Tiere stets optimale Bedingungen schaffen. Und so wurde bei den Wirtelschwanzleguanen vor Kurzem eine zielgenaue Beneblungsanlage installiert. Sechs Mal täglich für jeweils eine Minute vernebeln nun über zwanzig kleine Düsen den Exuma-Wirtelschwanzleguanen – und zwar nur diesen – die Sicht. Anders als mich stört sie das weniger. Für die Reptilien ist das eher wie eine kleine Wellness-Einheit. Der feine Nebel sinkt zu Boden und verdampft nach und nach. Das erhöht die Luftfeuchte in ihrem Bereich des Australienhauses, erleichtert den Tieren das regelmässige Häuten und simuliert so nun noch besser den Küstenlebensraum der Tiere. Denn wie es der Name bereits verrät, ist das natürliche Verbreitungsgebiet des Leguans, der Exuma-Archipel, eine Inselgruppe der Bahamas. Die Art kommt ausschliesslich dort vor, ist aber zunehmend durch die Besiedlung und Bebauung der Inseln und immer mehr Tourismus bedroht.
Bei uns im Zoo leben insgesamt fünf Tiere der vom Aussterben bedrohten Art. Wirtelschwanzleguane haben zwar ein ausgeprägtes Hierarchieverhalten, verfolgen bei der Kommunikation aber eher eine entspannte Strategie. Wer genau hinschaut, wird ab und zu ihr charakteristisches Kopfnicken entdecken. Es signalisiert den anderen Leguanen: hier bin ich, das ist mein Platz. Weil die neue Beneblungsanlage zwar benebelt, aber dann doch keine Zürcher Nebelsuppe produziert, klappt das auch noch, wenn die Düsen in Betrieb sind.
Weitere Informationen:
www.zoo.ch
Bislang wurde es geheim gehalten, nun ist es offiziell: Der Zoo Zürich vermeldet Nachwuchs bei den Koalas. Das Jungtier wurde zwar bereits Mitte Mai geboren, wanderte vom Geburtskanal aber sogleich in den Beutel der Mutter, wo sich deren Zitzen befinden. Inzwischen ist es ordentlich gewachsen und warf kürzlich erstmals einen Blick aus dem Beutel. SB
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