Harte Arbeit in der Wildnis
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um die Schwierigkeiten beim Naturschutz vor Ort. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um die Schwierigkeiten beim Naturschutz vor Ort. - Von Severin Dressen
Wer an Nationalparks denkt, hat oft weite Wälder, unberührte Wildnis und einen sicheren Lebensraum für Tiere und Pflanzen vor Augen. Um dieser romantischen Vorstellung dauerhaft gerecht zu werden, geht es hinter den Kulissen von Schutzgebieten jedoch alles andere als paradiesisch ruhig zu. Schutzgebiete sind heute Arbeitsplätze, Hightech-Labore, aber auch Konfliktzonen.
Kein Weg zu weit
Das gilt auch für den Kaeng Krachan Nationalpark in Thailand, für den sich der Zoo Zürich seit über 15 Jahren engagiert. Der jüngste Zwischenbericht, der uns von unserem Naturschutzpartner vor Ort kürzlich erreicht hat, zeigt eindrücklich, was alles nötig ist, damit ein Schutzgebiet auch tatsächlich schützt. Allein die Patrouillenleistung ist bemerkenswert: Rund 400 Kilometer zu Fuss und 4 000 Kilometer mit Fahrzeugen haben die Ranger-Teams des Nationalparks monatlich im vergangenen Jahr zurückgelegt. Präsenz ist im Naturschutz kein Nebenschauplatz, sondern die Grundlage von allem. Sieben Wilderer wurden in fünf Monaten verhaftet, acht Gewehre beschlagnahmt und elf Fallen unschädlich gemacht.
Natur- und Artenschutz ist harte Arbeit. Das gilt auch für die Entschärfung von Mensch-Tier-Konflikten: Asiatische Elefanten wirken auf uns wie sanftmütige, graue Riesen. Sie faszinieren durch ihre ruhige und majestätische Art. Die Menschen an den Parkrändern in Thailand erleben die Tiere aber oft ganz anders. Für sie kann ihr Auftauchen existenzbedrohend sein. 44 Schäden durch Elefanten wurden im letzten halben Jahr registriert, mit einer Schadenssumme von knapp 10 000 US-Dollar. Besonders begehrt bei den Dickhäutern: Bananen und Ananas. Zahlen, hinter denen Ernteverluste, Angst und Frustration stehen.
Das es auch anders geht, beweist die Arbeit des Human-Elephant-Conflict-Teams, welches der Zoo massgeblich unterstützt. 99 Prozent der Versuche von Elefanten, sich in landwirtschaftlichen Kulturen zu verköstigen, konnten durch das rechtzeitige Eingreifen des Teams vereitelt werden. Hochgerechnet wurden so Verluste von rund 150 000 US-Dollar vermieden. Diese Präventionsarbeit ist leise und unspektakulär – aber enorm wirkungsvoll.
Stete Herausforderung
Nicht mehr wegzudenken sind auch technologische Weiterentwicklungen. So kommt im Nationalpark in Thailand die «Earth Ranger»-Technologie zum Einsatz – für mich persönlich eine grosse Freude. Diese Software gilt als Goldstandard für das Management von Naturschutzgebieten und wurde ursprünglich im Lewa Wildlife Conservancy in Kenia entwickelt – das Schutzgebiet, in dem sich der Zoo Zürich nach dem Masoala Nationalpark in Madagaskar am zweitlängsten engagiert. Solche Beispiele zeigen: Naturschutz ist kein romantisches Zurück-zur-Natur-Projekt. Es ist immer, egal wo auf der Welt, harte Arbeit, manchmal frustrierend und eine stete Herausforderung und sie funktioniert am besten gemeinsam. Genau deshalb müssen wir dranbleiben – alle – ob nun als Engagierte, als Geldgeber oder als Menschen im Einsatz vor Ort.
WeitereInformationen:
www.zoo.ch
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