Naturschutz erfordert Bildung
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Zusammenhänge zwischen Naturschutz und dem Bau von Schulen. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um Zusammenhänge zwischen Naturschutz und dem Bau von Schulen. - Von Severin Dressen
In der letzten Kolumne habe ich über die Vermittlung von Wissen im Zoo geschrieben. Denn wie Artenschutz, Naturschutz und Forschung gehört auch Bildung zu den Hauptaufgaben eines modernen Zoos. Warum? Bildung ist wie Forschung die Grundlage von Natur- und Artenschutz. Nur wenn ich die Natur verstehe, ihren Wert schätze und mir im Klaren darüber bin, dass meine Existenz davon abhängt, dass Natur auch weiterhin existiert und vor allem funktioniert, bin ich auch bereit, mich für diese einzusetzen.
Wer schützen will, muss also auch bilden. Das gilt natürlich nicht nur für die Menschen hier in der Schweiz, das gilt weltweit. Und am effektivsten ist diese Massnahme, wenn sie bereits früh ansetzt. Im Kindesalter. Kinder sind unvoreingenommen, offen und neugierig. Sie werten nicht – noch nicht. Wer früh versteht, welche Rolle Natur und Artenvielfalt spielen und wie es um sie bestellt ist, der wird sein Leben mit grosser Wahrscheinlichkeit anders führen als jemand, dem dies nie erklärt wurde.
In unseren Naturschutzprojekten geht es daher nicht nur um Tiere und Lebensräume, es geht auch um Menschen, gerade um junge Menschen. Und genau deshalb haben wir im Rahmen unseres Naturschutzprojekts Lewa – möglich auch dank einer grosszügigen Spende des Rotary Club Zoo Zürich – in Kenia den Bau von insgesamt sieben neuen Schulzimmern finanziert, fünf weitere renoviert und mit digitalen Wandtafeln ausgestattet. Zudem wurde die Wasser- und Stromversorgung der Schulen sichergestellt.
Dinge, die auf den ersten Blick selbstverständlich erscheinen, es aber in vielen Regionen nicht sind. Die Einweihung der letzten vier Schulzimmer fand gerade eben erst, Ende Januar, an der Rugusu Grundschule im Südosten des Naturschutzgebiets statt. Dort hatte die Anzahl Schülerinnen und Schüler in den vergangenen zwei Jahren stark zugenommen, von 362 auf fast 600. Die Kapazitäten reichten bei weitem nicht mehr aus. Es gab nur drei provisorische und völlig unzureichend ausgestattete Behelfsräume. Förderliches und sicheres Lernen war kaum noch möglich.
Die neuen Klassenräume, die digitale Ausstattung, aber auch einfache Dinge wie Waschmöglichkeiten bieten nun sehr gute Bedingungen für einen Lernerfolg. Und natürlich fällt sowohl den Lernenden das Lernen wie auch dem Lehrpersonal das Lehren deutlich leichter, wenn die Motivation hoch ist und sich alle wohl fühlen. Kleine Dinge, die aber viel bewirken. Bildung ist kein Nice-to-have, es ist der Schlüssel zu einem besseren Leben. Das gilt umso mehr, je schwieriger die Lebensumstände sind.
Und so ist es nicht nur im Interesse der Schule, der Behörden oder des Zoos, Bildung sicherzustellen. Die Aufwertung entstand in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinschaft, den Eltern sowie den Schülerinnen und Schülern. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie integrierter Naturschutz, und dazu gehört eben auch Bildung, künftige Generationen wirksam fördert – für eine Zukunft für Menschen und die Natur.
Weitere Informationen:
www.zoo.ch
Lade Fotos..