Langsame Rarität in Gefahr
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um den Peruanischen Buntleguan. - Von Severin Dressen
ZOO INTERN Alle zwei Wochen berichtet das «Tagblatt» über Neues und Wissenswertes aus dem Tiergarten. Heute geht es um den Peruanischen Buntleguan. - Von Severin Dressen
In gerade einmal zehn Zoos – Zoo Zürich eingeschlossen – ist das Tier zu finden, dass ich Ihnen heute vorstellen möchte. Die gesamte Reservepopulation umfasst aktuell 35 Tiere. Der kleine Bestand ist ein Grund, warum der Peruanische Buntleguan (Polychrus peruvianus) seit letztem Jahr auch bei uns lebt. Die Art ist eine echte Rarität – nicht nur in Zoos, sondern zunehmend leider auch in der Wildnis. Wie gross der Bestand genau ist, ist unklar. Die Wissenschaft geht aber davon aus, dass er nur noch an fünf Standorten in einem etwa 12‘000 Quadratkilometer grossen Bereich im Grenzgebiet von Peru und Ecuador vorkommt.
Der Peruanische Buntleguan bewohnt natürlicherweise tropische Trockenwälder. Ein Ökosystem, das deutlich weniger bekannt ist als sein feuchtes Gegenstück, der Regenwald, und somit auch eine deutlich kleinere Lobby hat. Weitgehend unbemerkt verschwinden daher immer mehr tropische Trockenwälder zugunsten von Landwirtschaftsflächen, Siedlungen oder Strassen.
Für die Artenvielfalt ist ihr Verlust jedoch ebenso dramatisch wie der der Regenwälder. Zwar leben in Trockenwäldern insgesamt weniger Arten als im Regenwald. Durch die harschen Bedingungen, wie lange Dürreperioden, ist das Vorkommen an endemischen Arten – also solchen, die nur dort vorkommen und perfekt angepasst sind – dafür ausserordentlich hoch.
Auch der Peruanische Buntleguan ist ein solcher Spezialist. Durch seine braun-grüne Färbung fügt er sich perfekt in seine Umgebung aus braunen Zweigen und Ästen, grünen Blättern und Laub ein. Zudem bewegt er sich sehr wenig und wenn, dann sehr langsam und leicht schwankend durchs Blattwerk. Sein langer Schwanz dient dabei als Balancierhilfe und zusätzlicher Griff. Gerade im teils dünnen und lockeren Geäst ist das hilfreich. Seine Gangart und sein Verhalten erinnern an ein Chamäleon, weshalb er häufig auch als «falsches Chamäleon» bezeichnet wird.
Die Langsamkeit ist Taktik und Schutz zugleich. Einerseits sind Buntleguane für Fressfeinde so nur schwer zu entdecken. Andererseits spart das Reptil durch das stundenlange Verharren in einem teilweise kargen Lebensraum wert-volle Energie.
Die Art ist noch wenig erforscht, gilt aber bereits als gefährdet mit eher schlechten Aussichten – auch weil 200 Tage Inkubationszeit für Reptilieneier extrem lange ist. Viel Zeit für Räuber, zuzuschlagen. Der Peruanische Buntleguan ist eine von sehr vielen Arten weltweit, für die nicht sicher ist, ob es sie in 100 Jahren in der Wildnis noch geben wird. Seit 1970 sind die weltweiten Wildtierpopulationen im Durchschnitt um 73 Prozent zurückgegangen. Das ist massiv und der Trend zeigt weiter abwärts.
Übermorgen ist der Internatio-nale Tag der Biologischen Vielfalt. Erinnert wird dabei nicht nur an den Schutz der weltweiten Artenvielfalt, sondern auch an den der genetischen Vielfalt sowie den der Vielfalt an Lebensräumen. Alle drei Aspekte sind relevant. Für alle drei sollten wir uns einsetzen. Nicht nur übermorgen, sondern an jedem einzelnen Tag. Damit Buntleguane unsere Welt auch künftig noch bunt machen.
Weitere Infos:
www.zoo.ch
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