Auch im Alter online aktiv
Immer mehr Seniorinnen und Senioren nutzen das Internet und sind online. Weil das Bedürfnis vorhanden ist, reagieren die Stadt Zürich und Organisationen wie Pro Senectute und leisten Unterstützung. - Ginger Hebel
Senioren erhalten Unterstützung im Umgang mit digitalen Geräten. Die Nachfrage steigt. Bild: PD
Immer mehr Seniorinnen und Senioren nutzen das Internet und sind online. Weil das Bedürfnis vorhanden ist, reagieren die Stadt Zürich und Organisationen wie Pro Senectute und leisten Unterstützung. - Ginger Hebel
«Tagblatt»-Leserin Erika Schmied hatte sich so über ihr neues Smartphone gefreut. Doch jetzt kann sie es nicht richtig bedienen. Sie hat immer das Gefühl, etwas falsch zu machen oder sich zu verdrücken. Angehörige, die ihr helfen könnten, fehlen. Sie lebt allein, wie viele ältere Menschen in der Stadt Zürich. Ihr Interesse für die digitale Welt ist jedoch vorhanden, auch wenn sie schon 77 Jahre alt ist.
Die neue Studie «Digital Seniors 2025» von Pro Senectute zeigt: neun von zehn Seniorinnen und Senioren über 65 Jahre sind online. Seit der ersten Erhebung im Jahr 2010 hat sich die Internetnutzung bei über 65-Jährigen mehr als verdoppelt. «Diese Entwicklung ist zentral, da der Zugang zu Informationen, Dienstleistungen und sozialen Kontakten zunehmend digital erfolgt. Digitale Kompetenzen sind heute ein Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe», sagt Céline König von Pro Senectute Schweiz. Allerdings variieren die digitalen Kompetenzen und die Einstellung zur Technik innerhalb der älteren Bevölkerung stark.
Hilfe zur Selbsthilfe
Nach wie vor sind Personen über 85 Jahre seltener online. «Es ist wichtig, dass analoge Alternativen verfügbar bleiben, um insbesondere hochaltrige Personen nicht auszuschliessen», betont König. Die Studie zeige zudem einen überraschenden Wandel im Newskonsum von Personen über 65 Jahre. Erstmals informieren sich mehr ältere Menschen über digitale Geräte wie Smartphone, Tablet und Computer (33 Prozent), als über klassische Zugänge wie Fernseher, Printmedien und Radio.
Ältere Menschen nutzen vermehrt Geldautomaten, bezahlen kontaktlos, nutzen Self-Checkout-Kassen, kaufen ÖV-Tickets am Automaten oder bezahlen mit dem Smartphone. 42 Prozent der Befragten interessieren sich stark für neue Technologien, während ein Viertel kaum Interesse zeigt. Personen im Alter von 65 bis 74 Jahren, Männer sowie Befragte mit höherem Bildungsstand oder positiverfinanzieller Selbsteinschätzung zeigen ein überdurchschnittlich hohes Interesse an Technik. 38 Prozent der Befragten, insbesondere Männer, sehen in der Digitalisierung eine Alltagserleichterung. Viele ältere Menschen wünschen sich eine Kombination aus digitalen und analogen Angeboten. Gleichzeitig empfinden gewisse Seniorinnen und Senioren einen Druck, digitale Geräte und Technologien nutzen zu müssen – vor allem Frauen und Personen über 85 Jahre. «Digitale Anwendungen und Inhalte müssen verständlich, anwendungsfreundlich und alltagstauglich gestaltet sein, um den Alltag älterer Menschen zu bereichern» ist Céline König überzeugt.
Die kantonalen Pro Senectute Organisationen setzen zunehmend auf Angebote, die gezielt auf die individuellen Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren eingehen – etwa durch das Angebot Digital Coach von Pro Senectute Kanton Zürich, das gerne von Stadtzürcherinnen und Stadtzürchern genutzt wird. Digital-affine Menschen unterstützen die ältere Bevölkerung dabei, sich im digitalen Alltag zurechtzufinden. Sie besuchen auf Freiwilligenbasis ältere Leute daheim und erklären ihnen persönlich, wie sie den Drucker einrichten, Fotos vom Handy auf den Computer bringen, Mails schreiben oder im Internet nach Informationen suchen sowie sichere Passwörter generieren. «Es braucht gezielte Angebote, damit ältere Menschen nicht den Anschluss verlieren», ist Anita Attinger von Pro Senectute Kanton Zürich überzeugt. Sie hält fest: «Es ist kein klassischer PC-Support. Unser Angebot dient der Hilfe zur Selbsthilfe.»
Weil die Schweizer Bevölkerung immer älter wird, steigt auch der Bedarf an punktueller Unterstützung für Seniorinnen und Senioren, um die Autonomie zu bewahren. Nahmen im Jahr 2023 155 Kundinnen und Kunden das Angebot des Digital Coach in Anspruch, waren es letztes Jahr 160. Dabei wurden 441 Einsatzstunden geleistet. Das Angebot ist kostenpflichtig, für Menschen mit Ergänzungsleistungen ist es hingegen kostenlos. Pro Senectute bietet an verschiedenen Orten auch öffentliche Computerias an, wo Freiwillige mit IT-Kenntnissen ihr Wissen gratis weitergeben.
Auch die Stadt Zürich hält mit dem Computercorner in den diversen Gesundheitszentren für das Alter ein Gratisangebot für die ältere Bevölkerung bereit. Fachkundige Freiwillige unterstützen an verschiedenen Daten dabei, die ersten Schritte am PC oder Laptop zu meistern, Apps zu installieren und Mails zu schreiben. Sie leisten unkomplizierte Hilfe im Umgang mit Computer, Laptop, Handy und Tablet. Eine Voranmeldung ist nicht nötig. Die Compi-Hilf mit Standorten in Höngg und Altstetten unterstützt ebenfalls ältere Menschen bei Fragen rund um Handy und Computer.
Weitere Informationen:
www.pszh.ch
www.stadt-zuerich.ch/gfa
(Daten Computercorner unter Aktuelles)
www.compi-hilf.ch
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