«Vergleiche bringen nichts»
Fehlender Schlaf, Ernährung, Entwicklung und Erziehung: Die Familienberatung Stadt Zürich begleitet Eltern und Bezugspersonen und steht ihnen bei Fragen zur Seite. - Von Ginger Hebel
Fehlender Schlaf, Ernährung, Entwicklung und Erziehung: Die Familienberatung Stadt Zürich begleitet Eltern und Bezugspersonen und steht ihnen bei Fragen zur Seite. - Von Ginger Hebel
Die Mütter- und Väterberatung der Stadt Zürich heisst neu Familienberatung. Rund 40 Fachpersonen begleiten Familien auf ihrem Weg durch die Elternschaft. Neu richtet sich das kostenlose Beratungsangebot an alle Familien und Bezugspersonen wie Grosseltern in der Stadt – unabhängig vom Alter der Kinder. Leila Aniba leitet die Familienberatung und weiss, was Zürcher Eltern beschäftigt.
Welche Fragen treiben Zürcher Eltern um?
Leila Aniba: Der Übergang in die Elternschaft ist ein grosses Thema. Es findet ein Rollenwechsel statt, der werdende Familien stark beschäftigt. Auch Ernährung, Entwicklung, Erziehung, Betreuung und psychosoziale Themen, die der Start ins Familienleben mit sich bringt, werfen viele Fragen auf. Ein zentrales Thema ist der Schlaf, der anfangs bei vielen Eltern zu kurz kommt und Energie raubt.
Viele Eltern tragen ihr Kleinkind abends stundenlang in der Trage, bis es schläft oder legen sich neben das Kind ins Bett. Wie sieht die richtige Schlafroutine aus?
Es gibt kein richtig und falsch. Was für eine Familie stimmt, beispielsweise das Kind tragen, bis es einschläft, funktioniert für andere nicht. Ab etwa sechs Monaten sind Kinder empfänglich für das Erlernen neuer Einschlafrituale. Veränderung braucht Geduld und Wiederholung. Es ist empfehlenswert, Abendrituale immer ähnlich zu gestalten, damit das Kind eine Erwartungshaltung entwickeln kann. Wir führen daher auch individuelle Schlafberatungen durch, die sehr gut ankommen.
Sie sorgen mit Beratungs- und Gruppenkursangeboten dafür, dass Familien gut begleitet durch die ersten Jahre kommen. Sind die ersten Jahre die strengsten?
Der Übergang in die Elternschaft mit körperlichen Herausforderungen wie Schlafmangel kann sehr streng sein. Auch die Autonomiephase, die ungefähr ab eineinhalb Jahren beginnt, ist eine besonders herausfordernde Zeit. Kinder merken, dass sie eine eigenständige Persönlichkeit sind. Sie suchen Grenzen und testen diese immer wieder aus. Das ist wichtig für die kindliche Entwicklung, erfordert aber viel Geduld und Verständnis. Jede Familie hat ihr eigenes Wertesystem. Wichtig ist, dafür einzustehen und dem Kind liebevoll Grenzen zu setzen. Je älter Kinder werden, desto selbständiger werden sie. Das macht es oft etwas einfacher.
Die Familienberatung bietet neben individueller Beratung auch Gruppenkurse wie Babymassage und einen Begleiteten Bewegungsraum, wo Kleinkinder krabbeln und spielen können. Wie werden die Angebote genutzt?
Sehr gut. Viele Teilnehmende äussern den Wunsch nach Vernetzung. Aus diesem Grund haben wir unsere Gruppenangebote ausgebaut. Weiter führen wir 15 Treffpunkte, in denen die Eltern sich austauschen oder eine Beratung in Anspruch nehmen und die Kinder spielen können. Auch die Kinder profitieren: Sie schulen im freien Spiel ihre soziale Kompetenzen und ihre Entwicklung wird gefördert. Für viele sind diese Angebote und Treffpunkte ein wichtiger Anker.
Sie bieten auch Beratungen für Väter an, die sich mit der Vaterrolle auseinandersetzen. Ist eine Zunahme spürbar?
Absolut. Viele Väter wollen aktiv mitwirken in der Erziehung und präsent sein. Auch an unseren Gruppenangeboten nehmen vermehrt Männer teil.
Die Trotzphase bringt viele Eltern an den Rand der Verzweiflung. Sie schämen sich, wenn ihr Kind im öffentlichen Raum rebelliert. Was raten Sie?
Ein Kleinkind kennt noch keine Absicht oder Empathie und reagiert nie böswillig. Trotzen ist ein gesundes Entwicklungsverhalten. Ein Tipp für diese Phase: Genügend Zeit einplanen. Zeitdruck ist immer kritisch. Und wenn möglich, dem Kind eine Auswahl bieten.
Eltern vergleichen den Entwicklungsstand des eigenen Kindes oft mit anderen. Sind solche Vergleiche problematisch?
Sie bringen nichts, denn jedes Kind hat sein eigenes Tempo. In den ersten zwei Jahren entwickeln sich Kinder unterschiedlich. Das eine krabbelt und läuft früher, spricht dafür später – oder umgekehrt. Kinder lernen in dieser Phase oft sogar über Nacht neue Fähigkeiten.
Wie unterstützt man ein Kind bei der Sprachentwicklung?
Viel sprechen hilft. Erklären, was man macht: «Ich wickle dich jetzt. Wir gehen jetzt spazieren.» Auch Büchlein anschauen und vorlesen ist eine gute Methode, um Sprache spielerisch erlebbar zu machen.
Weitere Informationen:
Telefonische Beratung unter 044 412 76 00 von Mo bis Fr, 9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 16.30 Uhr. Am Mittwoch nur nachmittags.
familienberatung@zuerich.ch
Instagram: fambe_stadtzh
www.stadt-zuerich.ch/fambe
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