Ampeln statt Kreisel
Der Kreisel am Birchplatz ist verschwunden. Jetzt regeln wieder Ampeln den Verkehr. Für viele Autofahrende macht das keinen Sinn. - Von Ginger Hebel
Der Kreisel am Birchplatz ist verschwunden. Jetzt regeln wieder Ampeln den Verkehr. Für viele Autofahrende macht das keinen Sinn. - Von Ginger Hebel
«Tagblatt»-Leser Sandro Löhrer staunte nicht schlecht, als er kürzlich wieder am Birchplatz in Oerlikon (Kreuzung Regensberg-/ Birchstrasse vorbeifuhr. Der Kreisel ist weg. «Ich verstehe das nicht. Das war eine praktische Lösung; viel weniger Stau, da der Verkehr flüssiger lief», sagt Löhrer. Der Kreisel wurde zurückgebaut und der Verkehrsknotenpunkt erneut mit einer Lichtsignal-Anlage ausgestattet. Die Folge: längere Wartezeiten und genervte Autofahrer. Mit seiner Meinung steht Löhrer nicht alleine da. Viele Leserinnen und Leser meldeten sich beim «Tagblatt» mit der Frage, warum es den Kreisel nach knapp einem Jahr nicht mehr gibt. Auf der Instagram-Seite «i_love_oerlikon» finden sich gar hunderte Einträge zum besagten Kreisel und Lob für das «Bijou der Verkehrsführung».
«Der Kreisel am Birchplatz wurde bewusst als temporäre Lösung erstellt, um den Umleitungsverkehr wegen der Baustelle an der Binzmühlestrasse abwickeln zu können», erklärt Nadja Häberli von der Dienstabteilung Verkehr. Kanalisations-, Wasser- und Stromleitungen werden erneuert und die Bushaltestelle «Mötteliweg» hindernisfrei ausgebaut. Die Bauarbeiten konnten schneller als geplant fertiggestellt werden, daher wurde der Kreisel zurückgebaut und die ursprüngliche Kreuzung mit Lichtsignal-Anlage wiederhergestellt. Die Kosten dafür seien im Bauprojekt Binzmühlestrasse enthalten.
Auch der Quartierverein Oerlikon hat sich mit den Quartiervereinen Affoltern und Seebach für die praktische Kreisel-Lösung stark gemacht. Dies, weil der Verkehr flüssiger sei als mit den vielen Ampeln. Stadträtin Simone Brander meldete sich umgehend bei den Quartiervereinen und betonte, dass der Kreisel am Birchplatz lediglich eine Übergangslösung gewesen sei, um den Verkehr während der Bauarbeiten umzuleiten.
Mehrere Unfälle
In Absprache mit dem Stadtzürcher Tiefbauamt weisst die Dienstabteilung Verkehr darauf hin, dass der Kreisel nicht der Norm für einen sicheren Kreisverkehr entsprochen habe, denn dazu müsste die Geometrie der Kreuzung angepasst werden. «Der Bau eines normgerechten Kreisels erfordert ein Strassenbauprojekt, das öffentlich aufgelegt werden muss. Solch ein Verfahren dauert mehrere Jahre», sagt Nadja Häberli. Gemäss VBZ-Netzentwicklungsstrategie 2040 ist zudem geplant, dass die neue Tramtangente Nord über den Birchplatz führt.
Die Idee eines Kreisels am Birchplatz wurde schon öfter diskutiert. So auch im Strassenbauprojekt Birchstrasse. Damals wurde ein Kreisel von Seiten Stadtverwaltung als die beste Lösung angesehen. Der letzten Herbst errichtete Kreisel am Birchplatz kam bei vielen gut an. Es gab aber auch zahlreiche kritische Rückmeldungen bei der Stadt. Offenbar vermochte der Kreisverkehr nicht die angestrebte Qualität für den Veloverkehr zu leisten.
Nadja Häberli betont, dass der Verkehr während der Baustelle mit dem Kreisel gut bewältigt werden konnte. Jedoch sei es insgesamt zu sechs Unfällen gekommen, bei dem drei Velofahrende durch Autos verletzt worden seien. In den letzten zehn Jahren vor dem Kreisel gab es einen Unfall mit einem Fussgänger und sieben Unfälle mit Velo-beteiligung. Immer waren Personenwagen im Spiel. Die Dienstabteilung Verkehr prüft aktuell Massnahmen, um die Verkehrs-sicherheit zu erhöhen.
Die Stadt Zürich nervt je länger je mehr mit ihrer undurchdachten Verkehrsplanung. Mal ein tolles Provisorium erstellt und dann gleich wieder abgebaut, nur weil "Vorschriften" eine Verlängerung nicht zulassen. So eine sinnlose Geldverschwendung!
Chris antworten
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