Laptops aus Cafés verbannt
Leute, die in Lokalen arbeiten, sorgen für weniger Umsatz. Erste Zürcher Gastronomen führen nun Laptopverbote ein. Damit sollen die Cafés Orte der Begegnung bleiben. - Von Clarissa Rohrbach
Arbeitende Menschen mit Laptops sind in einigen Zürcher Cafés nicht gerne gesehen. Sie verursachen Umsatzeinbussen. Symbolbild: Unsplash
Leute, die in Lokalen arbeiten, sorgen für weniger Umsatz. Erste Zürcher Gastronomen führen nun Laptopverbote ein. Damit sollen die Cafés Orte der Begegnung bleiben. - Von Clarissa Rohrbach
Vier Stunden sitzen, nur einen Kaffee trinken: Leute, die in Cafés am Laptop arbeiten, sind Wirten ein Dorn im Auge. Sie besetzen während langer Zeit Tische und konsumieren wenig, das schadet dem Umsatz, aber auch der Atmosphäre des Lokals. Denn die Arbeitenden starren auf ihre Bildschirme oder führen abgeschottet mit ihren Kopf-hörern Videocalls. Der Trend, sein Homeoffice in ein Lokal zu verlagern, hat sich seit Corona verbreitet. Zuhause zu arbeiten, wurde während der Pandemie fester Bestandteil unseres Alltags. Doch um der Einsamkeit in den eigenen vier Wänden zu entfliehen, weichen immer mehr Menschen in Cafés aus, wo es wenigstens noch ein bisschen menschlicher Kontakt gibt.
Erste Zürcher Gastronomen beginnen jetzt, die Laptop-Nutzung in ihren Lokalen einzuschränken. So plant Miguel Castro, Geschäftsführer des Café Des Amis in Wipkingen, ein Laptopverbot zwischen 11 und 14 Uhr sowie nach 18 Uhr, auch an Wochenenden sind die Geräte nicht erwünscht. Das Personal soll die Gäste freundlich auf diese Regeln hinweisen. «Wir sind ein kleines Café und auf den Umsatz angewiesen», sagt Castro. Es gebe Leute, die über Mittag einen Vierertisch mit ihren Bürosachen besetzen, damit würden ihm 70 Franken entgehen. Wenn jemand nur eine Stunde bleiben würde oder nach dem Arbeiten Mittag isst, sei das in Ordnung. Doch grundsätzlich sieht Castro die Laptops nicht gerne, vor allem während der Hauptzeiten. Ihm ist vor allem das Ambiente im Lokal wichtig. Menschen, die auf ihren Computer starren, würden nicht mit anderen interagieren. «Wir sind ein Offline-Space, ein Ort der Begegnung, wo man sich trifft und redet.» Er erzählt von Jugendlichen, die im Lokal Karten spielen oder von Familien, die am Wochenende brunchen. «Das schafft ein schöne Stimmung», meint Castro. Der Gastronom betont, dass es Co-Working-Spaces gebe, Cafés seien nicht als Arbeitsort gedacht. «Ich schlafe auch nicht im Ikea, nur weil es dort ein Bett gibt», sagt er.
Andere Lokale haben die Lap-topnutzung bereits eingeschränkt. So steht auf einer Tafel in der Café Bar Grande am Limmatquai «No Laptops after 18.00». Besitzer Alvaro Marangoni sagt zum «Tages-Anzeiger», dass ihm eigentlich das Bild von arbeitenden Menschen in seinem Lokal gefalle und er wahnsinnig ungern den Gästen mit Verboten begegne, doch für die Apéro- Stimmung seien Laptops einfach ein Killer. Auch David Schwörer, Betreiber des Café Noir an der Neugasse, bestätigt: «Ein Laptop killt den ganzen Tisch.» Er erzählt von Gästen, die die Musik im Lokal leiser stellen wollten. Er fragt sich, ob er sich in seinem Café überhaupt noch unterhalten darf oder ob er damit jemanden bei der Arbeit stört. Auch im Sphère beim Escherwyssplatz dürfen Laptops sonntags sowie an Feiertagen nicht gestartet werden. Man habe dafür schlicht zu wenig Platz.
Roschen Cevatli vom Kafi Freud in Unterstrass hat Laptops an Wochenenden und freitags verbannt. Auf den Tischen stehen Hinweisschilder mit «Kaffee nippen statt Tasten tippen». Cevatli meint, die Kunden an den Bildschirmen würden die Fluktuation im Lokal bremsen, weil sie lang bleiben und wenig konsumieren. «Für ein kleines Nachbarschaftscafé wie wir ist das wirtschaftlich bedrohlich.» Auch er weiss, dass digitale Geräte spürbar das Miteinander stören. Ein Café sei ein Ort der Begegnung. «Diese Lebendigkeit soll man spüren, durch Mimik und Gestik, ohne die regungslosen Gesichter vor den Bildschirmen», sagt Roschen Cevatli. Die Mehrheit der Kundschaft im Kafi Freud würde die Regelung begrüssen. Der Wirt überlegt sich auch, gewisse Bereiche des Lokals zum Arbeiten zu reservieren, während andere computerfrei bleiben sollen.
Im Winterthurer Familiencafé «Chlii und Gross Familienoase» wurden Laptops gar ganz verboten. Die Wirtin Ramona Bonotto erklärt, dass arbeitende Eltern
ihre Kinder vernachlässigten und diese weinten und stritten. An gewissen Tagen war die Hälfte aller Tische fünf Stunden lang mit Laptops besetzt, zu drei Viertel von Vätern. «Ich will hier einen Ort des sozialen Austauschs schaffen, keine Atmosphäre wie bei Starbucks», sagt sie.
Neben einem Verbot an gewissen Zeiten oder Tagen sowie einer räumlichen Aufteilung mit Zonen für Laptops, führen einige Lokale in der Schweiz auch Gebühren ein. So muss man im Barista Specialty Coffee in St. Gallen ab der zweiten Stunde am Laptop fünf Franken pro Stunde bezahlen. «Es ist wirtschaftlich einfach nicht attraktiv, wenn jemand mehrere Stunden an einer Tasse Kaffee nippt», sagt Inhaber Emil Underberg zum «St. Galler Tagblatt». Manchmal würden sich die Leute nicht mehr spüren. Einmal seiein Mann mit Laptop, Maus, Tastatur und zusätzlichem Bildschirm gekommen. «Da musste ich eingreifen.»
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