Der Förster und die Tannen
Der Baumverkauf ist für das Forstwart-Team rund um Stadtförster Nils Schönenberger der Höhepunkt des Jahres. Immer mehr Tannen werden direkt in die warme Stube geliefert. - Von Ginger Hebel
Stadtförster Nils Schönenberger in den Weihnachtsbaumkulturen. Bild: GH
Der Baumverkauf ist für das Forstwart-Team rund um Stadtförster Nils Schönenberger der Höhepunkt des Jahres. Immer mehr Tannen werden direkt in die warme Stube geliefert. - Von Ginger Hebel
Ein älteres Ehepaar schreitet im Nebel durch den Forstgarten im Albisgüetli. Die Auswahl an Weihnachtsbäumen ist riesig. Es entscheidet sich ohne mit der Wimper zu zucken für eine mittelgrosse Nordmanntanne, es ist wie Liebe auf den ersten Blick. Saftig grün, üppig im Wuchs, gute Proportionen. Stadtförster Nils Schönenberger nimmt die Tanne unter den Arm und packt sie ins Netz.
Der Weihnachtsbaumverkauf läuft auf Hochtouren. Rund 1,7 Millionen Tannen werden jährlich in der Schweiz verkauft, mehr als die Hälfte davon wird aus dem Ausland importiert. «Diese Tannen sind länger unterwegs und demzufolge weniger frisch als ein Baum aus dem Stadtwald. Auch preislich gibt es dadurch Unterschiede», sagt Schönenberger. Ein Konkurrenz-geschäft sei das aber nicht. «Es gibt viele Leute, die Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit legen und einen Baum aus dem Zürcher Stadtwald kaufen.» Nordmanntannen sind die teuersten. Für ein mittelgrosses Exemplar muss man zwischen 60 und 70 Franken rechnen. Die Preise bewegen sich auf Vorjahresniveau. Sie wurden bereits vor ein paar Jahren angehoben, um die steigenden Lohn- und Materialkosten zu decken.
Wer den Baum nicht vor Ort selbst aussuchen will, kann ihn sich nach Hause liefern lassen. Dieses Angebot erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Innerhalb der Stadt kostet der Transport eines mittelgrossen Baumes 70 Franken. «Dieses Jahr stellen wir fest, dass immer mehr Leute auch die Installationspauschale von 55 Franken buchen. Sie möchten, dass wir den Baum direkt in die Wohnung bringen und im Ständer aufstellen», sagt Nils Schönenberger.
Die Angst, kurzfristig keine schöne Tanne mehr zu finden, ist unbegründet. Im Forstgarten Albisgüetli wachsen 120 000 Fichten, Blau-tannen und Nordmanntannen. «Die Auswahl ist gross. Bis am 23. Dezember haben alle die Möglichkeit, ihren Wunschbaum zu kaufen», betont der Revierförster. Seit bald vier Jahren sorgt er dafür, dass es dem Zürcher Stadtwald gut geht. Die Tannen werden nach strengen Umweltrichtlinien angepflanzt. Das Forstwart-Team pflegt die Bäume rund ums Jahr und baut sie ökologisch an, ohne Chemie. «Es war ein wunderbares Jahr für die Weihnachtsbäume. Der viele Regen sorgte für guten, gleichmässigen Wuchs», freut sich Schönenberger. Grün Stadt Zürich verkauft während der Adventszeit rund 5000 Tannen aus den eigenen Kulturen.
Waldbild wird sich ändern
Einen Wermutstropfen gibt es: die Weihnachtsbaumkulturen stehen unter Druck. Bauprojekte gefährden die Bäume, gerade im Gebiet Richtung Waldegg. Es werden zwar neue Anbauflächen bereitgestellt, aber bis ein Baum eine entsprechende Höhe erreicht, dauert es Jahre. In der Zürcher Bahnhofshalle und auf dem Paradeplatz stehen 40-jährige Pracht-Tannen im Wert von rund 3500 Franken. Sie stammen alle aus dem Stadtwald. Auch der Klimawandel bereitet dem Förster Sorgen. «Das Waldbild wird sich in den kommenden Jahren verändern», ist er überzeugt. Neben Hangrutschen am Uetliberg, die Sicherungsmassnahmen erfordern, sei das Eschentriebsterben ein grosses Problem. Die verheerende Pilzkrankheit befällt einen Grossteil der vorhanden Eschen im Revier.
Der Weihnachtsbaumverkauf ist für das Forstwart-Team der Höhepunkt des Jahres. Die Stimmung sei immer ganz besonders. Nils Schönenberger, Vater zweier kleiner Kinder, würde nie ohne Baum feiern. Er bewahrt die Tradition und hat einen Tipp auf Lager: «Blautannen sind pflegeleicht und habenstarke, stechende Nadeln. Kinder und Tiere lassen die Finger davon.» Auch Nordmanntannen schmücken so manche heimische Stube. Sie sind aber anspruchsvoller. Schönenberger: «Wer regelmässig frisches Wasser in den Ständer füllt, wird auch über die Festtage hinaus Freude an der Tanne haben.»
Weitere Infos: Frischbaumverkauf im Forstgarten Albisgüetli, bis 23. Dezember, 8 bis 17 Uhr (ohne Sonntage)
Werkhof Hönggerberg, noch bis 20. Dezember, 9 bis 16 Uhr
Stadtgärtnerei, noch bis 21. Dezember, 9 bis 17 Uhr.
Bestellungen werden bis kommenden Freitag, 19. Dezember, 17 Uhr entgegengenommen.
frischbaum.ch
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