Sorgen wegen Sonnenenergie
Der Regierungsrat des Kantons Zürich will die Versorgungssicherheit mit Solarstrom und Energiespeichern verbessern. Heimatschutz und der kantonale HEV haben dazu Vorbehalte. - Von Sacha Beuth
Liefern Energie, können aber auch das Ortsbild beeinträchtigen: Photovoltaik-Anlagen. Bild: Flughafen Zuerich
Der Regierungsrat des Kantons Zürich will die Versorgungssicherheit mit Solarstrom und Energiespeichern verbessern. Heimatschutz und der kantonale HEV haben dazu Vorbehalte. - Von Sacha Beuth
Die beiden Vorlagen, mit denen der Regierungsrat des Kantons Zürich letzte Woche an die Öffentlichkeit trat und die die künftige Energie-versorgung sicherstellen sollen, scheinen auf den ersten Blick eigentlich wenig Grund für Opposition zu geben: Weil geplante nichtfossile Energiegewinnungsprojekte im Bereich Wasserkraft, Windenergie und alpine Solaranlagen nicht oder zumindest nicht innert nützlicher Frist realisiert werden können, sollen vermehrt lokale erneuerbare Energien genutzt werden. Namentlich Solarstrom, der über Photovoltaikanlagen an und auf Häusern gewonnen wird. Zusätzlich sollen die Stromnetzbetreiber die Langzeitspeicherung von Energie fördern, wobei die Kosten hierfür durch eine Abgabe auf den Stromverbrauch «von höchstens 0,5 Rappen pro Kilowattstunde» durch den Endverbraucher finanziert werden sollen. Der Regierungsrat hat dem Kantonsrat dazu Änderungen im Energiegesetz beantragt.
Der Schritt zu einer stärkeren ökologischen Energienutzung stösst nicht nur auf Begeisterung. Vorbehalte hat beispielsweise der Zürcher Heimatschutz, der vor allem Solaranlagen auf historischen Bauten nicht viel abgewinnen kann. So schreibt Architekt Beat Schwengeler im Namen des Heimatschutzes auf Anfrage, dass man im Sommer in Europa eh eine Überproduktion an Strom habe und der Strompreisregelmässig auf 0 falle. Zunehmend würde dies auf die privaten PV-Anlagen so abgerechnet, weshalb der Ertrag ebenfalls gegen 0 ginge. Diegeschützten Dächer seien nur in der Anzahl (6 bis 7 Prozent) ein relevanter Teil. Sie seien aber meist kleinteilig und unökonomisch. «Die Schweiz hat wenig davon, wenn Natur und Geschichte kaputtgehen, nur um im Sommer noch etwas mehr Strom zu haben». Ein Investment in Langzeitspeicher sei dagegen wichtig, eine Abgabe dazu sinnvoll.
Der Hauseigentümerverband Kanton Zürich unterstützt zwar grundsätzlich die Ziele des Kantons, fordert aber zugleich, dass die Massnahmen zu deren Erreichung mehrheitlich auf Freiwilligkeit basieren müssen. So würde man eine Solarpflicht bei Neubauten unterstützen, einen staatlichen Nachrüstungszwang mit Solaranlagen bei bestehenden Bauten jedoch ablehnen. Ein solcher würde in die Eigentumsgarantie eingreifen, Sanierungen verteuern und könne bei Mietliegenschaften zu höheren Mieten führen.
Der SP wiederum gehen die Massnahmen zu wenig weit. Sie fordert zusätzlich eine Solarpflicht für die Fassade sowie eine Frist zur Nachrüstung bestehender grosser Dächer.
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