Mehr sexuell übertragbare Krankheiten in Zürich
Sexuell übertragbare Krankheiten sind auf dem Vormarsch. In der Stadt Zürich werden Gratistests für Geschlechtskrankheiten dauerhaft eingeführt, um Infektionsketten zu durchbrechen. - Von Ginger Hebel
Im Checkpoint beim HB Zürich können sich junge Menschen kostenlos auf sexuelle Krankheiten testen lassen. Bild: PD
Sexuell übertragbare Krankheiten sind auf dem Vormarsch. In der Stadt Zürich werden Gratistests für Geschlechtskrankheiten dauerhaft eingeführt, um Infektionsketten zu durchbrechen. - Von Ginger Hebel
Nirgendwo im Land gibt es so viele Gonorrhö-, Chlamydien- und Syphilisansteckungen wie im Grossraum Zürich. Um Infektionsketten zu durchbrechen, können sich junge Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher bis zum Alter von 25 Jahren in zwei Zürcher Testzentren beim Helvetiaplatz und im Checkpoint beim Hauptbahnhof kostenlos testen lassen. Das Pilotprojekt der Stadt Zürich, das 2023 lanciert wurde, ist ein Erfolg. Die Nachfrage ist gross. Das begrüsst auch der 22-jährige Stadtzürcher Grüne-Politiker Yves Henz. «In meiner Generation sind sehr viele froh, dass es diese kostenlosen Tests gibt und machen davon auch Gebrauch. Wir wissen, dass diese sexuellen Krankheiten im Umlauf sind. Gemeinsam können wir weitere Ansteckungen verhindern.»
Gemäss aktuellen Zahlen des BAG sind neu auftretende Fälle von Gonorrhö (Tripper) in der Schweiz zunehmend. «Die Inzidenzen der sexuell übertragbaren Infektionen im Grossraum Zürich sind höher als in anderen Regionen der Schweiz», sagt Francisca Boenders, Geschäftsführerin des Vereins Sexuelle Gesundheit Zürich (SeGZ), der im Rahmen des Pilotprojekts die Testungen und Beratungen durchführt.
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) sind Krankheiten, die wie jede andere Infektion auftreten können. Genau wie man sich eine Grippe oder Erkältung einfangen kann, kann sich jeder Mensch mit Erregern infizieren, die STI verursachen. Es sei wichtig, die Infektion frühzeitig zu erkennen, da die meisten STI gut behandelbar seien.
Gesundheitliche Folgen
Seit Projektstart im Juni 2023 bis Ende Mai 2025 sind in den Stadtzürcher Testzentren knapp 10 000 Konsultationen durchgeführt worden. Männer machten etwas mehr als die Hälfte aller Teilnehmenden aus. Im Durchschnitt waren die getesteten Personen 24 Jahre alt. 39 Prozent der Teilnehmenden liessen das erste Mal in ihrem Leben einen HIV-Test machen. Dabei wurden vier positive HIV-Diagnosen gestellt. Bei Chlamydien waren die Testresultate bei 249 Personen positiv, bei Gonorrhö 169 Personen. Auf Syphilis wurden 16 Personen positiv getestet. «Die Inzidenzen liegen teilweise auf hohem Niveau und können gravierende gesundheitliche Folgen haben, wie Unfruchtbarkeit bei allen Geschlechtern, Eileiterschwangerschaften, Entzündungen, chronische Schmerzen, bleibende Schäden bis Tod», erklärt Francisca Boenders.
Früherkennung wichtig
Weil die Nachfrage nach den Tests so hoch ist, verlängert die Stadt das Pilotprojekt bis Ende Mai 2027. Danach soll das Angebot dauerhaft eingeführt werden, mit einer geplanten Anhebung der Altersgrenze auf 30 Jahre. «Früherkennung schützt die Gesundheit und senkt die Kosten», sagt Stadtrat Andreas Hauri. Zürcher Politiker begrüssen das, sehen aber kritische Lücken. «Sexuelle Krankheiten machen nicht einfach beim 30. Geburtstag Halt», sagt die Zürcher SP-Politikerin Nadina Diday. Es ist wichtig, dass sich alle testen können, um Infektionsketten zu durchbrechen und zuverhindern, dass Krankheiten unentdeckt bleiben.»
Junge Leute seien zwar vermehrt betroffen, «doch auch die ältere Generation weist ein signifikantes, oft unterschätztes Risikoprofil auf», betont Yves Henz. Künftig sollen daher auch die über 49-Jährigen Zugang zur den Gratis-Tests erhalten, «die besondere Gefährdung dieser Gruppe ist gut belegt», so Henz. Es gehe aber nicht nur darum, Infektionsketten zu durchbrechen. «Die Kosten für die notwendigen Medikamente stellen für viele eine finanzielle Hürde dar, was dazu führt, dass Behandlungen verzögert oder gar nicht angetreten werden», weiss Nadina Diday. Ein Postulat zur Wiedereinführung der kostenlosen Erstbehandlung wurde soeben angenommen. Francisca Boenders vom Verein Sexuelle Gesundheit Zürich sagt dazu: «Wir begrüssen es, wenn der Zugang zu Beratung, Aufklärung und Testung für alle Menschen vereinfacht wird. Prävention ist nicht teuer, unter-lassene Prävention jedoch wird teuer!»
Weitere Informationen: www.gratis-hiv-sti-test.ch
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