Problem: Sexismus
Jede zweite Person hat in der Stadt Zürich schon eine unangenehme Situation erlebt. Ein Meldetool macht Belästigungen sichtbar. - Von Ginger Hebel
Sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit soll gemeldet werden. Adobe Stock
Jede zweite Person hat in der Stadt Zürich schon eine unangenehme Situation erlebt. Ein Meldetool macht Belästigungen sichtbar. - Von Ginger Hebel
«Beim Einsteigen in den Bus fasst ein Mann einer fremden Frau an den Po». «Frau wird auf dem Nachhauseweg von Unbekanntem verfolgt». «Ein Mann beleidigt ein homosexuelles Paar und bespuckt es». Diese und weitere Einträge finden sich auf dem Meldetool von «Zürich schaut hin» für sexuelle, homo- und transfeindliche Belästigungen. Auf dieser Plattform können Betroffene Vorfälle melden. Beleidigungen mit Worten machen rund einen Drittel aller Meldungen aus, gefolgt von ungewollten Berührungen. «Dass Betroffene Vorfälle melden, ist wichtig, um Belästigungen und Übergriffe im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und darauf hinzuweisen, dass etwas passiert, das nicht passieren sollte», sagt Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart.
Das Projekt «Zürich schaut hin» startete im Frühling 2021 und war zeitlich begrenzt bis Ende 2025. «Es hat viel bewirkt. 'Zürich schaut hin' hat sich als sichtbares und anerkanntes Projekt zur Bekämpfung von Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit im öffentlichen Raum etabliert. Deshalb hat die Stadt entschieden, es als fixes Angebot weiterzuführen», sagt Stadtpräsidentin Corine Mauch.
Zürich hat Vorreiterrolle
Gemäss Umfragen hat schon jede zweite Person ab 22 Uhr in der Stadt Zürich eine unangenehme Situation erlebt, besonders queere Menschen. Jede dritte Person wurde schon einmal sexuell belästigt. Die Frage, ob Sexismus in der Schweizer Gesellschaft ein Problem darstellt, beantworteten im Jahr 2025 mehr Menschen mit Ja als noch 2021. Corine Mauch: «Der öffentliche Raum der Stadt Zürich soll allen gleichermassen offenstehen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich Menschen sicher fühlen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Hautfarbe oder ihrer Geschlechtsidentität.»
Das Projekt «Zürich schaut hin» ist Bestandteil des Gleichstellungsplans der Stadt Zürich und eine Massnahme zur Umsetzung der Istanbul-Konvention. Diese verpflichtet die Schweiz, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu bekämpfen.
Mit dem Meldetool nimmt die Stadt Zürich eine Vorreiterrolle ein. Auch Städte wie Luzern und Bern haben unterdessen ein solches Tool eingeführt. Ab dem 8. März wird es zudem ein gemeinsames Tool für die ganze Schweiz geben, um die Gesellschaft noch stärker zu sensibilisieren. Regelmässig finden auch Schulungen für Berufsgruppen statt. Der Fokus liegt auf den Bereichen Nachtleben, Schulen und öffentlicher Verkehr. In Zusammenarbeit mit Amnesty International werden Kurse für die breite Öffentlichkeit organisiert mit dem Ziel, zivilcouragiertes Handeln zu fördern.
Straftaten im häuslichen Bereich nehmen in der Schweiz seit Jahren zu. Rund alle vier Stunden ereignet sich ein Fall. Die Stadtpolizei Zürich rückt im Schnitt sechsmal pro Tag aus. Für dieses Jahr ist deshalb eine Kampagne geplant, um Opfer häuslicher und sexueller Gewalt auf die hilfreichen Unterstützungsangebote aufmerksam zu machen. Karin Rykart betont, dass die Bekämpfung häuslicher Gewalt in der Stadt Zürich hohe Priorität habe. Es seien Massnahmen zur Sensibilisierung geplant, wie eine Kampagne, um auf das Weiterbildungsangebot aufmerksam zu machen.
Weitere Infos: www.zuerichschauthin.ch
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