Umverteilung mit Folgen
Die Schule Nordstern droht aus allen Nähten zu platzen. Darum soll ein Teil der Schüler ins Schulhaus Buhn wechseln. Mehrere betroffene Eltern sehen dadurch das Kindswohl in Gefahr und wehren sich. - Von Sacha Beuth
Die Schule Nordstern droht aus allen Nähten zu platzen. Darum soll ein Teil der Schüler ins Schulhaus Buhn wechseln. Mehrere betroffene Eltern sehen dadurch das Kindswohl in Gefahr und wehren sich. - Von Sacha Beuth
Die Verzweiflung bei den vier Müttern J.K., S.N., V.A. und P.K.* ist riesig. Und ebenso die Wut und der Frust. Denn sie gehören zu mehreren Dutzend Eltern aus dem Quartier Leutschenbach, deren Kinder zu Beginn des neuen Schuljahrs am 18. August 2026 vom Schulhaus Nordstern (ehemals Thurgauerstrasse) auf Geheiss der zuständigen Kreisschulbehörde Glattal ins Schulhaus Buhn wechseln sollen. Der Grund ist simpel. «Im Einzugsgebiet der Tagesschule Nordstern sind viel mehr Kinder im Vorschul- respektive Kindergarten- und Unterstufenalter zugezogen als prognostiziert. Die sechs der Tagesschule Nordstern zugehörigen Kindergärten reichen nicht aus. Daneben muss insbesondere aufgrund kantonaler Vorgaben ein Klassenabbau auf Schuljahr 2026/27 vorgenommen werden», schreibt die Kreisschulbehörde Glattal auf Anfrage. Es ist eine Massnahme, die für die Betroffenen gehörige Umstellungen mit sich bringt.
So fühlte sich J.K., als hätte man ihr den Boden unter den Füssen weggezogen, als sie am 26. Januar wie andere potenziell von der Umteilung betroffene Eltern ein erstes Schreiben erhielt. «Mein bald 5-jähriger Sohn ist aktuell im ersten Kindergarten und sehr schüchtern. Wir haben über die Schule Nordstern einen Abklärungsprozess bezüglich Logopädie und Motorik anlaufen lassen. Wenn er nun in die Schule Buhn muss, wird er nicht nur aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen, sondern er verliert wertvolle Zeit, weil der Abklärungsprozess an der neuen Schule wieder von vorn beginnt». In einer ähnlichen Situation steckt P.K. «Meine fünfjährige Tochter war anfangs auch sehr scheu und zurückhaltend, als sie in den ersten Kindergarten kam. Es war schwer für sie, sich an das schulische Umfeld zu gewöhnen. Inzwischen ist sie aufgeblüht. Nun habe ich grosse Angst, dass sie mental wieder zurückfällt, wenn sie ins Schulhaus Buhn muss.»
Auch V.A. ist geschockt. «Ich bin eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, von denen eines in die erste Sek, eines in die erste Klasse und eines in den ersten Kindergarten geht. Nun wurde Letzteres zur Buhn zugeteilt. Ich weiss nicht, wie ich vor und nach der Arbeit die beiden Kinder gleichzeitig an verschiedene Standorte bringen oder abholen soll und hatte deswegen sogar schon einen Nervenzusammenbruch».
Da ihr Kind noch nicht in den ersten Kindergarten kommt, ist S.N. noch nicht unmittelbar betroffen. Dennoch macht sie sich jetzt schon grosse Sorgen. «Was, wenn auch mein Sohn im darauf folgenden Jahr ins Schulhaus Buhn muss? Mein Partner und ich sind beide voll berufstätig. Die Buhn liegt in einem völlig anderen Quartier. Mit einem regulären 8,5-Stunden-Arbeitstag lässt sich das nicht vereinbaren. Zudem sind wir eine autoarme Siedlung.» Einen von der Kreisschulbehörde geplante Shuttle-Verbindung hält sie für wenig zweckdienlich. «Der wird wohl nur auf die Unterrichtszeiten verkehren. Ich kann aber nicht warten, bis um 8 Uhr der Transporter kommt. Laut einem Schreiben der Kreisschulbehörde vom 25. März sind Eltern selbst für den Transport zuständig, wenn sie die Morgen- und Abendbetreuung in Anspruch nehmen. Wie soll ich künftig meine Kinder rechtzeitig zur Schule bringen und abholen?». J.K. nickt zustimmend, da sie und ihr Mann das gleiche Problem hätten.
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei der Schule Buhn noch um eine Schule mit herkömmlichem Modell ohne gebundene Mittage handelt, derweil das Nordstern als Tagesschule geführt wird. Auch ist der Schulweg zum Schulhaus Buhn vom Quartier Leutschenbach deutlich länger wie zur Schule Nordstern. Zudem gibt es Bedenken wegen der Sicherheit. Schon der Weg zum Schulhaus Nordstern führt über drei viel befahrene Strassen, was bereits in der Vergangenheit für Aufruhr im Quartier sorgte (siehe «Tagblatt» vom 1.11.23, 3.7.24 und 1.10.25). Zum abgelegenen Schulhaus Buhn müsste zusätzlich die ebenfalls stark frequentierte Schaffhauserstrasse überquert werden. Die Kreisschulbehörde ist sich laut eigenen Aussagen der schwierigen Verkehrssituation bewusst und werde darum «schulwegerleichternde Massnahmen für die ganze Dauer der Unterstufe» prüfen.
Die Mütter stellen den Platzmangel zwar nicht in Frage. Doch ihnen stösst sauer auf, dass bei der Umverteilung nur Familien aus Ihrer Siedlung betroffen sind. «Die verantwortlichen Stellen wussten schon lange, dass in der Leutschenbachsiedlung massiv gebaut wird, vor allem 4-Zimmer-Wohnungen, also Wohnungen für Familien», sagt J.K. Ausserdem hätte man die Kinder auch Schulkreisübergreifend verteilen können. «Uns wurde gesagt, die Schule Leutschenbach, die gleich um die Ecke liegt, aber zum Schulkreis Schwamendingen gehört, hätte leere Klassenräume». Die Kreisschulbehörde Glattal habe ein dahingehende Umteilung aber abgelehnt, da eine schulkreisübergreifende Umteilung nicht in Frage komme. Die Kreisschulbehörde Glattal betont, eingehende Gesuche und Einsprachen würden geprüft.
Viele der betroffenen Eltern haben nun vor, ein Gesuch um eine Zuteilung für ihre Kinder ins Schulhaus Nordstern einzureichen. Zudem hat S.N. zusammen mit einer Kollegin eine Online-Petition gestartet, die eine Öffnung der Schulkreisgrenzen fordert und der Schulpräsidentin von Glattal übergeben werden soll. «Ansonsten heisst es für uns bis zum 5. Juni warten, weil erst dann die definitive Zuteilung erfolgt», seufzt J.K.
*Die Namen der Mütter sind der Redaktion bekannt. Weil sie Angst haben, dass aufgrund ihrer Aussagen in den Medien ihre Gesuche abschlägig behandelt werden könnten, wurden ihre Namen anonymisiert
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echo@tagblattzuerich.ch
Empfehlenswert ist für Seebach eine Integrationsfigur und Glücksbringer "Seebi". Die Werbefigur "isch eifach für alli cool, clever und charmant."
Josef Binder antworten
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