«Wohnpolitischer Skandal»
Anwohnende des ehemaligen Gesundheitszentrums für das Alter Oberstrass und der Siedlung Irchel der Stiftung für Alterswohnungen sorgen sich über die aktuelle Entwicklung im Quartier. - Von Pia Meier
Für das neue Gesundheitszentrum für das Alter Oberstrass sollen 34 Alterswohnungen an der Möhrlistrasse 110 (im Vordergrund) weichen. Bild: PM
Anwohnende des ehemaligen Gesundheitszentrums für das Alter Oberstrass und der Siedlung Irchel der Stiftung für Alterswohnungen sorgen sich über die aktuelle Entwicklung im Quartier. - Von Pia Meier
Das ehemalige Gesundheitszentrum für das Alter Oberstrass wird seit 2023 von den Sozialen Einrichtungen und Betrieben für die stationäre Wohnintegration zwischengenutzt. Es soll aber seine ursprüngliche Funktion wieder erlangen. Dafür plant die Stadt einen Ersatzneubau. Dieser beinhaltet allerdings auch den Abbruch eines Teils der Siedlung Irchel der Stiftung für Alterswohnungen. Insgesamt gehen 34 Wohnungen an der Möhrlistrasse 110 verloren. Diese werden zwar kompensiert, allerdings nicht in Oberstrass, sondern mit einer Erweiterung der SiedlungLetten in Wipkingen.
Dies ärgert Anwohnende wie Ruth Züblin und Friedhelm Jost, die sich besorgt über die aktuelle Entwicklung des Projekts äussern. «In Zeiten akuter Wohnungsnot und einer alternden Gesellschaft ist die Aufhebung von 34 bestehenden, wertvollen Alterswohnungen ein falsches Signal», halten sie fest. «Diese Wohnungen sind essenziell, um Seniorinnen und Senioren ein würdevolles Altern in ihrem vertrauten Quartier zu ermöglichen.»
Es sei schwer vermittelbar, weshalb Wohnraum, der erst vor wenigen Jahren mit öffentlichen Mitteln aufgestockt und saniert wurde, nun bereits wieder abgebrochen werden soll. «Dies widerspricht den Grundsätzen der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit.»
Die beiden Anwohnenden forderten Gemeinderätinnen und Gemeinderäte auf, das Vorhaben kritisch zu prüfen und Alternativen aufzuzeigen, die den Erhalt der Alterswohnungen sichern. «Unser Ziel ist es, den Abriss zu verhindern und eine Lösung zu finden, die den sozialen Bedürfnissen des Quartiers gerecht wird», so Ruth Züblin und Friedhelm Jost. Sie sind der Überzeugung, dass die Stadt nicht nur bezahlbaren Wohnraum vernichtet, sondern auch die soziale Durchmischung und die Lebensqualität von älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Quartier gefährdet. «Der Abriss von intakten Alterswohnungen ist ein wohnpolitischer Skandal. Diese Wohnungen sind die ideale Wohnform für ein selbstbestimmtes Altern und dürfen nicht kurzfristigen Interessen geopfert werden.» Die Siedlung Irchel wird zurzeit saniert.
Im November vergangenen Jahres informierte die Stadt interessierte Anwohnende über die Planung fürs neue Gesundheitszentrum für das Alter. Dort wurde der Abriss der Alterswohnungen ebenfalls bemängelt, denn Alterswohnungen sind in der ganzen Stadt begehrt. Auch die Stadt drückte ihr Bedauern aus. Ruth Züblin und Friedhelm Jost haben eine Petition lanciert. Zuerst wollen sie allerdings das vom Quartierverein Oberstrass vermittelte Gespräch mit der Stadt suchen. Dieses soll Anfang April stattfinden.
Der Stadtrat beantragte dem Gemeinderat für die Durchführung eines Architekturwettbewerbs und die Ausarbeitung des Bauprojekts für den Ersatzneubau 9,7 Millionen Franken. Der Gemeinderat behandelte die Weisung des Stadtrats am vergangenen Mittwoch. Grüne und AL verlangten eine Rückweisung, weil sie den Bestand sichern wollten. «Weiter-bauen im Bestand», heisst die Losung der beiden Parteien. Die Parzelle eigne sich nicht für ein so grosses Projekt. Die AL vertritt den Standpunkt, dass mit der Rückweisung die 34 Alterswohnungen gerettet werden könnten.
Die SP wiederum argumentierte, das vorliegende Projekt sei zwar nicht perfekt; es gebe aber keine bessere Lösung.
Ausser den Grünen und der AL stimmten alle Parteien im Stadtparlament der Weisung des Stadtrats zu. «Wir haben mehrere Versionen angeschaut und abgewogen», machte Stadtrat Andreas Hauri, Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements, deutlich. Das jetzige Vorhaben sei die sinnvollste Lösung für eine lebenswerte Zukunft von hochaltrigen Menschen. Es gebe sonst kein Gesundheitszentrum für das Alter in diesem Gebiet. Das neue Gesundheitszentrum biete 120 Plätze des Angebots «Spezialisierte Pflege», eine Angebotslücke im Kreis 6, so Andreas Hauri.
Das Projekt sieht zeitgemässe Pflegeplätze und offene Begegnungsräume, sowie ein Restaurant, einen Coiffeur und eine Podologiepraxis vor. Das neue Gesundheitszentrum für das Alter soll 2034 bezugsbereit sein. Der Baustart ist für 2031 geplant.
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